Interlaken

Jungfraubahnen: Keine Ausgaben mehr für den Wintersport

InterlakenAn der Generalversammlung der Jungfraubahnen erklärte CEO Urs Kessler, dass man das Skigebiet Kleine Scheidegg-Männlichen im kommenden Winter schon Mitte März schliessen werde.

Grosser Publikumsaufmarsch an der Generalversammlung der Jungfraubahn Holding AG. Nicht alle der 1277 Aktionären fanden im Auditorium Platz, viele wohnten im Theatersaal per Videoschaltung bei.

Grosser Publikumsaufmarsch an der Generalversammlung der Jungfraubahn Holding AG. Nicht alle der 1277 Aktionären fanden im Auditorium Platz, viele wohnten im Theatersaal per Videoschaltung bei. Bild: Markus Hubacher

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Das Skigebiet Männlichen-Scheidegg wird im kommenden Winter schon Mitte März die ­Saison beenden. Dies teilte Urs Kessler, CEO der Jungfraubahn Holding AG, am Montag an der Generalversammlung des Unternehmens im Kursaal Interlaken mit. Heuer stellte Männlichen am 2. April den Betrieb ein und Kleine Scheidegg am 17. April.

Kessler und Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger betonten bei der Gelegenheit nochmals die Bedeutung des 470-Millionen-Franken-Projekts. «Unser heutiges Angebot im Wintertourismus ist einfach nicht mehr zeitgemäss», erklärte Bieger vor 1277 Aktionären. «Nach einigen Jahrzehnten ist mal wieder ein Quantensprung nötig.» Deutlichere Worte benutzte CEO Kessler: Er stellte die Zukunft des Wintertourismus in der Region generell infrage, wenn die V-Bahn nicht realisiert werde.

Tage im März kosten

Da ohne V-Bahn der Schneesport in den Augen der Verantwortlichen nicht rentabel betrieben werden könne, habe man entsprechende Investitionen zurückgestellt. Etwa in die Beschneiung oder in neue Pistenfahrzeuge.

Ein Versammlungsteilnehmer wies auf die immer noch ge­nügenden Schneeverhältnisse beispielsweise beim Oberjoch hin. Es mache doch keinen Sinn, sich auf die in den letzten Jahren schneearmen Monate Dezember und Januar zu konzentrieren. Besser würde man auf Schnee im Frühling setzen.

Kessler erklärte, dass dies betriebswirtschaftlich keinen Sinn mache. «An jedem Betriebstag im März legen wir deutlich Geld drauf. Heute haben wir im Winter nur während acht Wochenenden und sechs Wochen Hochsaison.» Damit dies anders werde, brauche es die ­V-Bahn, welche die Destination konkurrenzfähig mit Zermatt und dem Südtirol mache.

Kritik an Bürokratie

Kessler betonte, dass nicht nur der Wintertourismus von der ­V-Bahn profitiere. «Auch für die Entwicklung des Jungfraujochs und der Erlebnisberge bringt sie viel. Aber sie sind – in den nächsten Jahren – nicht darauf an­gewiesen.» Allerdings liesse sich diese grosse Investition für den Wintertourismus allein betriebswirtschaftlich nicht rechtfertigen. Der letzte Winter brachte für das Unternehmen einen neuen Minusrekord an Gästen und Umsatz.

Kessler informierte über den Stand der Verhandlungen der Einsprachen. Auf der einen Seite Pro Natura und Landschaftsschutz. «Hier hatten wir eigentlich die Zusage, dass man das Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission akzeptieren wolle.» Auch die verbleibenden Einsprecher die Hoteliersfamilie von Almen und Otto Kaufmann wurden namentlich genannt. Obwohl man grosse Zu­geständnisse gemacht habe, sei noch keine Einigung zustande gekommen. Den Gang vor Gericht werde die Jungfraubahn nicht scheuen.

Kessler kritisierte aber auch die Verwaltung. Er sprach von einem «bürokratischen Wahnsinn» und einer «Diktatur der Beamten» verschuldet durch mangelnde politische Führung. (Berner Oberländer)

Erstellt: 24.05.2017, 12:08 Uhr

Neuer Verwaltungsrat

An der Generalversammlung konnten die Aktionäre von einem guten Geschäftsjahr der Jungfraubahn Holding AG Kenntnis nehmen. Lediglich das Rekordjahr 2015 war besser. Neu wurde Hanspeter Rüfenacht (Bild), Vorsitzender der Geschäftsleitung der Berner Kantonalbank, in den Verwaltungsrat gewählt. Er ­ersetzt Jürg Rieben, der nach 25 Jahren zurücktrat. Die Dividende wird von 2 auf 2.10 Franken ­erhöht.

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