Unterseen

Kanone zurück auf dem Bödeli

UnterseenSeit Freitag thront wieder eine 7,5-er Feldkanone über dem Bödeli – fast wie während des Zweiten Weltkriegs. Führungen zu den fünf Bunkern sind somit um eine Attraktion reicher.

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Er konnte kaum aufhören zu strahlen, der René Schneider. Regen hin oder her. Nur kurz zuvor stand dem Präsidenten des Vereins Bödeli-Werke noch die Spannung ins Gesicht geschrieben, als dichte Nebelschwaden die Kammfluh verhüllten. Der Transport der in drei Teile zerlegten, 1200 Kilo schweren Feldkanone mit 7,5 Zentimeter Kaliber stand auf der Kippe.

Dann war es aber kurz vor elf Uhr vormittags so weit: BEO Helicopter-Pilot Christian von Allmen flog die Teile an einer 120 Meter langen Longline Zentimeter genau vor den Eingang des 200 Höhenmeter höher gelegenen Felsenbunkers, wo die beiden für jeden Einsatz gerüsteten Pfingstegg-Seilbähnler Roger Bischoff und Daniel Vanhove für den Zusammenbau parat waren. Die Aktion wurde denn auch von der Pfingsteggbahn gesponsert und von die Armee unterstützt.

Während des Kriegs erbaut

Somit steht wieder eine von ehemals zehn Artilleriegeschützen an seinem angestammten Platz hoch über dem Bödeli. Während des Zweiten Weltkriegs (1939 - 1945) wurde unser Land nämlich durch die Vorgänge in den unmittelbaren Nachbarstaaten bedroht. Die Armee fand den Raum Interlaken als eine ideale Position für ihre Kommandoanlagen.

Das Werk Kammfluh wurde 1941 als eines von fünf Felsenwerken gebaut. «Zweck des so genannten Artilleriewerks 301 war es, feindliche Flugzeuge bei oder nach der Landung auf dem Bödeli abzuschiessen», weiss Simon Margot, Vizepräsident des Vereins Bödeli-Werke. Da der Armeestab wirksamen Schutz unter Tag benötigte, wurde durch den Ausbau der einfachen Kavernen Goldey und Rugen im Laufe der Zeit das Bödeli zum Armeehauptquartier.

Die Stollen wurden zusehends grösser und mit 34 Millimeter-Flab-Kanonen und 7,5 Zentimeter-Feldkanonen bestückt. General Henri Guisan bezog sein Armeehauptquartier auf dem Bödeli.

Kanone statt Fledermäuse

Mit der Auflösung des Festungswachtkorps vor 15 Jahren gingen dessen Aufgaben an die Militärische Sicherheit und die Logistik der Armee über; Standorte wie Interlaken wurden aufgehoben. René Schneider: «Die nicht mehr gebrauchten Kanonen wurden kurzerhand aus den Bunkern raus und über die Felswand hinab geworfen.»

2007 hätte der Kammfluhbunker in der Felswand des Harders als Zufluchtsort für Feldermäuse zugänglich gemacht werden sollen. Dies kam jedoch nie zustande, und 2012 übernahm der neu gegründete Verein Bödeli-Werke die Werke Kammfluh und Goldey. Vor drei Jahren kam auch die Anlage Ried in Wilderswil in Besitz des Vereins.

Der Verein bietet Einzelpersonen oder Gruppen individuelle Führungen durch die Bunker an. Im Gegensatz zu den anderen sind für die Besichtigung des Kammfluhwerks aber eine gewisse Fitness und gutes Schuhwerk gefragt. Und angesichts der Höhe auch ein gewisses Mass an Schwindelfreiheit...

Infos: www.ig-boedeliwerke.ch (Berner Oberländer)

Erstellt: 31.08.2018, 14:21 Uhr

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