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Knappes Nein zur Umfahrung

Mit 79 zu 72 Stimmen hat sich der Grosse Rat gestern gegen eine Umfahrungsstrasse Richtung Adelboden ausgesprochen und auf das Missverhältnis von Kosten und Nutzen hingewiesen.

Frutigen ist für den Verkehr oft ein Nadelöhr, eine Umfahrung wird es dennoch nicht geben.
Frutigen ist für den Verkehr oft ein Nadelöhr, eine Umfahrung wird es dennoch nicht geben.
Hans Rudolf Schneider

Am Ende unternahm Kurt Zimmermann noch einen letzten Versuch, um sein Vorhaben vor der drohenden Ablehnung zu bewahren. Da er für seine Motion keine Chance sah, beantragte der Frutiger die Umwandlung in ein Postulat. Doch letztlich half auch das nicht mehr. Mit 79 zu 72 sprach sich eine knappe Mehrheit im Grossen Rat gegen die Forderung der beiden SVP-Politiker Zimmermann und Thomas Knutti (Weissenburg), einen Planungskredit für die Umfahrungsstrasse Frutigen Richtung Adelboden im Finanzplan 2019 aufzunehmen.

SVP und EDU gegen den Rest des Grossen Rats und gegen den Regierungsrat, denn mit Christoph Neuhaus, dem Vorsteher der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, hatte sich auch ein SVP-Mann der Motion verwehrt.

Neuhaus wiederholte bei der gestrigen Grossratssitzung noch einmal sein Hauptargument, das er schon bei der schriftlichen Antwort auf die Motion geliefert hatte: Das Verkehrsaufkommen auf dem Strassenabschnitt zwischen Frutigen und Adelboden sei viel zu klein, um den Bau einer Umfahrung zu rechtfertigen. Gemäss einer Verkehrszählung seien dort im Schnitt täglich rund 4000 Fahrzeuge unterwegs. Andere Gemeinden des Berner Oberlands wie Spiez, Steffisburg oder Därstetten mit 9000 Fahrzeugen täglich seien sehr viel stärker vom Durchgangsverkehr betroffen.

Woanders grössere Wirkung

Kurt Zimmermann wollte diese Zahl für Frutigen nicht gelten lassen und verwies auf die verkehrsreichen Wochenenden in der Wintersaison. Selbst dann seien maximal etwas mehr als 9000 Fahrzeuge zwischen Frutigen und Adelboden unterwegs, konterte Neuhaus und führte zudem das «sehr ungünstige Kosten-Nutzen-Verhältnis» des Projekts an. Kostenmässig vergleichbare Projekte wie der Bypass Thun-Nord (täglich über 10000 Fahrzeuge) oder die Umfahrung Wilderswil (täglich 7000 Fahrzeuge), für die der Grosse Rat im März einen Kredit über 70 Millionen Franken bewilligt hatte, hätten eine deutlich grössere Wirkung. Und: «Für die Spitzenzeiten allein können wir so ein teures Projekt nicht realisieren», ergänzte Marianne Dumermuth (SP, Thun).

Die in den nächsten Jahren für den Kantonsstrassenbau verfügbaren finanziellen Mittel sollten laut Christoph Neuhaus in Projekte mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis und in die Substanzerhaltung investiert werden. Deshalb sei die Umfahrung Frutigen im geltenden Strassennetzplan, der die geplanten, strategisch bedeutenden Veränderungen der Kantonsstrassen bis ins Jahr 2029 aufzeigt, nicht enthalten.

SVP-Leute weiter ablehnend

Darüber hinaus machte der Regierungsrat noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam. In der schriftlichen Erklärung hiess es dazu: «Obwohl der touristische Verkehr von und nach Adelboden an den Spitzenwochenenden die Umfahrung nutzen und das Dorf nicht zusätzlich belasten würde, blieben die auch im Alltag auftretenden Verkehrssicherheits- und Verträglichkeitsprobleme auf der Hauptstrasse wegen der vergleichsweise geringen Entlastung durch die Umfahrung bestehen.»

Deshalb sei es zielführender, diese Defizite durch eine weitreichende, bauliche Sanierung und Umgestaltung der Hauptstrasse zu beheben. Neuhaus warb nochmals für das bereits vorgestellte Projekt, bei dem sich der Kanton mit 8 Millionen Franken beteiligt. Bei den Oberländer SVP-Leuten wie Zimmermann und Knutti oder EDU-Grossrat Jakob Schwarz (Adelboden) fand er dabei wenig Verständnis. Sie lehnen das Projekt zur Verkehrsberuhigung mit Tempo 30 im Dorfzentrum von Frutigen weiterhin ab.

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