Kraftwerke Oberhasli legen Grossprojekte auf Eis

Innertkirchen

Der am Mittwoch angekündigte Stellenabbau bei den Kraftwerken Oberhasli (KWO) ist der erste in der gut 90-jährigen Geschichte des Unternehmens. Die KWO-Führung sieht sichwegen der Krise der Wasserkraft dazu gezwungen.

Die KWO-Führung sieht sich wegen der Krise der Wasserkraft zum Stellenabbau gezwungen. Im Bild: Staumauer auf dem Grimsel.

Die KWO-Führung sieht sich wegen der Krise der Wasserkraft zum Stellenabbau gezwungen. Im Bild: Staumauer auf dem Grimsel.

(Bild: Bruno Petroni)

Julian Witschi

Aus dem jahrzehntelang gewinnträchtigen «weissen Gold» ist eine drohende Investitionsfalle geworden. Die Strompreise sind im Grosshandel so stark eingebrochen, dass diverse Wasserkraftwerke ihre Kosten nicht mehr decken. Auch die KWO mit ihren Pumpspeicherseen an Grimsel und Susten, deren Produktion dem Stromverbrauch von 1,2 Millionen Schweizern entspricht, leiden stark. Die Preise dürften noch lange tief bleiben, und dies sei der Hauptgrund für den Abbau von knapp 50 Stellen. Das sagte der Präsident des Verwaltungsrats der KWO, der Berner Ständerat Werner Luginbühl, am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Innertkirchen.

Zudem fehlen neue Grossprojekte: Die laufende Aufwertung der Kraftwerke Handeck 2 und Innertkirchen 1 (Projekt «Tandem») steht vor dem Abschluss. Anders als ursprünglich vorgesehen, könne – obwohl Bewilligungen vorlägen – kein weiteres Grossprojekt unmittelbar anschliessend realisiert werden, sagte Luginbühl.

Nicht rentabel

Konkreter wurde die BKW, die mit einem Anteil von 50 Prozent die grösste Aktionärin der KWO ist: Von den möglichen Projekten stünde der Bau eines neuen Speichersees beim Triftgletscher eigentlich im Vordergrund. Aber auch dieses «hervorragende Projekt ist in den jetzigen Gegebenheiten bei weitem nicht wirtschaftlich begründbar, sagte BKW-Chefin Suzanne Thoma in einem Video, das der Konzern veröffentlichte. Hervorragend deshalb, weil es um erneuerbare Energie, Speicher, Flexibilität und um Wertschöpfung in der Schweiz – notabene in einer strukturschwachen Berner Randregion – gehe.

Das auf 390 Millionen Franken veranschlagte Projekt wurde vorangetrieben, weil der Triftgletscher stark geschmolzen ist und eine relativ kleine Staumauer bei der natürlichen Talsperre im Bereich der bekannten Hängebrücke dazu genügen würde, einen Speichersee im nun weitgehend eisfreien Talkessel entstehen zu lassen. Mit einem Speichervolumen von 85 Millionen Kubikmetern Wasser wäre es der zweitgrösste Stausee der KWO nach dem Grimselsee.

Vorläufig sistiert sind nun auch die unterirdischen Kraftwerke Grimsel 1 E und das Pumpspeicherwerk Grimsel 3. Die vom bernischen Verwaltungsgericht verbotene Erhöhung der Staumauern am Grimselsee für gut 200 Millionen Franken folgt in der Priorisierung eh weiter hinten.

Der Verwaltungsrat der KWO will im März bekannt geben, ob er das Urteil trotz des auch schwierigen Marktumfeldes vor Bundesgericht zieht. Demgegenüber halten die KWO an gewissen Sanierungsprojekten (Spitallammsperre) und Ersatzinvestitionen (Handeck 3 und Innertkirchen 2) fest. Luginbühl sagte, die KWO würden alles daran setzen, «dass in der nahen Zukunft kleinere Projekte und sobald möglich auch wieder grössere Projekte realisiert werden können».

Staat soll helfen

Der KWO-Präsident und BKW-Chefin Thoma betonten, es brauche die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen auf Bundesebene. Auch der Kanton Bern müsse beim Wassernutzungsgesetz – sprich bei der vom Regierungsrat vorgeschlagenen Entlastung beim Wasserzins – Hand bieten. Vom Bund fordern beide Unternehmen Investitionsbeiträge. Schliesslich wünsche die Politik einen Ausbau der Wasserkraft, sagte die Chefin der BKW, die im Jahr 2019 das Atomkraftwerk Mühleberg abschalten will.

Sie bitte nicht um Subventionen, sondern um «Investitionsanreize für ein sinnvolles Projekt». Denn die Wasserkraft sei sowohl in der Energiestrategie des Bundes als auch in der kantonalen Energiestrategie ein zen­traler Pfeiler.

Luginbühl betonte, die KWO hätten aus rein wirtschaftlicher Sicht beim Abbau weitergehen können. «Wir wählten einen Mittelweg.» Dies sei verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Umstände wieder bessern. Er glaube nicht, dass es sich die Politik leisten könne und leisten wolle, die Wasserkraft nicht zu unter­stützen.

Berner Oberländer

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