Kurze Loipen und Wege

In der Serie «Angetroffen» stellen wir diese Woche Rosianne Bariteau vor. Die gebürtige Kanadierin hat nach Umwegen in Wilderswil ihre Heimat gefunden.

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Rosianne Bariteau reist gern und viel. Nach vielen Trips mit wenig Geld – unter anderem nach Guatemala und Belize – zieht es Rosianne im Herbst 2011 nach Europa. «Hier geht es aber nicht ohne Job», weiss sie. Auf ihrer Reise hat sie sich mit zwei Schweizern angefreundet, einem aus Schaffhausen, einem aus Interlaken. Sie sucht sich für ein Jahr Arbeit in der Schweiz. Rosianne ist gelernte Pflegefachfrau und hat sich in Kanada zur Osteopathin ausbilden lassen. Pflegepersonal wird immer gesucht, so findet sie über eine Agentur schnell eine Stelle in Lausanne. Für sie als Frankokanadierin ideal.

Zeitsprung: Bei einem Konzert eines Freundes im Kunsthaus in Interlaken hilft sie spontan hinter der Bar aus. Dort ist auch Thomas am Arbeiten. Der Rest ist Geschichte. «Ich habe dann im Spital in Freiburg eine Stelle angenommen, damit ich auf dem Bödeli leben kann.» Heute ar­beitet Rosianne als Osteopathin in Interlaken. Nach der Geburt ihres Sohnes Arno im Dezember 2015 kommt das Angebot für die Stelle bei der Praxis Frutiger und Sarbach. Mit ihrer kleinen Familie, die im August grösser wird, lebt sie in Wilderswil. Mit ihrem Freund unterhält sie sich vor allem auf Englisch. «Dass ich in meinem Beruf und auf dem Bödeli arbeiten kann, ist ideal.» Der Wechsel von Französisch auf Deutsch im Berufsalltag habe sie kurz Überwindung gekostet.

Mit Arno spricht Rosianne Französisch, «das ist mir wichtig». Vor allem damit er beim Skypen auch seine Familie aus Québec verstehe. Die kommt regelmässig in die Schweiz. «Meine Mutter kommt so oft wie möglich, mindestens einmal pro Jahr.» Der Vater, von dem Rosianne das Reisefieber geerbt hat, reise seit seiner Herzerkrankung nicht mehr so gerne.

In ihrer Heimat in einem Vorort in Montreal ist vieles anders als in der Schweiz. «Die Stadt ist riesig, allerdings würde ich die Berge mehr vermissen als die Grossstadt.» Auch die Weiten in Kanada fehlen ihr etwas. «Ich gehe gerne langlaufen, aber hier sind die Strecken so kurz», sagt sie und lacht. Dafür sei bei einem Unfall sofort die Rega da. In Kanada müsse man, wenns dumm läuft, Stunden warten.

Zurück nach Kanada will Rosianne Bariteau nicht mehr. «Mein Freund ist sehr verankert hier, und ich fühle mich wohl.» Aus­serdem sei es in Wilderswil ähnlich wie früher bei ihr zu Hause im Quartier. «Zum Beispiel der künftig kurze Schulweg für meinen Sohn gibt mir ein sicheres Gefühl.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 21.03.2018, 10:46 Uhr

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