KWO-Projekte dienen dem Prinzip Vorsicht

Innertkirchen

«Es braucht mehr Speichervolumen», sagte Verwaltungsratspräsident Werner Luginbühl an der Generalversammlung der Kraftwerke Oberhasli AG. 2018 wurde ein Rekordzufluss von Wasser verzeichnet.

2020 wird der Grosse Rat über das Konzessionsgesuch für das Triftprojekt abstimmen.

2020 wird der Grosse Rat über das Konzessionsgesuch für das Triftprojekt abstimmen.

(Bild: Bruno Petroni)

«Es liegt aus meiner Sicht noch einiges an Potenzial in der Wasserkraft», sagte Verwaltungsratspräsident Werner Luginbühl an der 94. Generalversammlung der Kraftwerke Oberhasli (KWO) AG. Das Bundesamt für Energie müsse die Ausbaupotenziale der Wasserkraft überarbeiten.

Dies mit dem Fokus auf mögliche Erhöhungen der Staumauern und auch im Hinblick darauf, dass die Klimaerwärmung den gesamten Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht bringt. Die Gletscher als natürliche Speicher schmelzen. Im Hochgebirge werde es einst künstliche Seen als Wasserspeicher brauchen, und diese sollten dann auch für die Stromproduktion eingerichtet werden.

Dass sich bei den Gletschern im heissen Sommer 2018 etwas getan hat, beweist die Tatsache, dass in die Seen und Anlagen der KWO 14Prozent mehr Wasser geflossen sind als im Durchschnitt.

Vorsicht statt Hoffnung

Auf Kernkraft setzt Luginbühl nicht mehr, obschon er 2011 in einer Konsultativabstimmung für ein neues AKW Mühleberg war. Nach den Bildern aus Fukushima hält er eine Volksabstimmung für aussichtslos. «Wenn man merkt, dass man ein totes Ross reitet, muss man absteigen», sagt er am Freitag.

In die Energiestrategie 2050 seien viele Wunschvorstellungen eingeflossen. «Das Prinzip Hoffnung reicht nicht, wir brauchen ein Vorsichtsprinzip. Die Kosten für ein Blackout wären ­gigantisch», sagte er. Anhand von Tabellen zeigte er auf, dass die erneuerbaren Energiequellen in Deutschland nicht jederzeit ihren vollen Wirkungsgrad haben und Deutschland während der sogenannten Dunkelflauten Strom importieren muss.

Das anspruchsvolle und volatile Umfeld und der Kostendruck stelle die KWO AG vor ständig neue Herausforderungen. Sie geniesse eine grosse Reputation, und der Grosse Rat des Kantons Bern habe alle Gesuche mit grossem Wohlwollen genehmigt. Zurzeit liegt das Konzessionsgesuch für das Triftprojekt beim Bundesamt für Umwelt, und die Motion, dass die Regierung Druck machen solle hinsichtlich der Realisierung, ist einstimmig überwiesen worden (s. Infobox).

Laut Daniel Fischlin, CEO der KWO, wird der bernische Grosse Rat nächstes Jahr über das Konzessionsgesuch abstimmen. Bei diesem Projekt hätten die KWO sehr gut mit den Umweltverbänden zusammengearbeitet, und das sei ihnen wichtig. «Früher oder später werden unsere Projekte realisiert werden, davon bin ich felsenfest überzeugt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es eher früher ist», sagte Luginbühl.

Mehr Sicherheit nötig

Daniel Fischlin zeigte auf, welche Aufgaben neben der Stromproduktion in Zukunft auf das Unternehmen zukommen. Es brauche Verbesserungen im Bereich Cybersecurity. Besser müsse es werden bei der Rekrutierung und der Ausbildung von Fachkräften, und es brauche Konzepte für den Umgang mit der Änderung der Hydrologie aufgrund des Klimawandels. «Wir brauchen auch tragfähige Konzepte für den Umgang mit unseren Anlagen, die älter und älter werden.»

Mit dem Baubeginn der 125Millionen Franken teuren neuen Staumauer vor die 90-jährige PioniersStaumauer Spitallamm zeigten die KWO auf, was es braucht. Vizeverwaltungsratspräsident Martin Eschle betonte Donnerstag am «Anschiessen», dass die Erneuerung essenziell für die Stromversorgung der ganzen Schweiz sei. Jetzt wird vorerst in zwei Schichten an sieben Tagen in der Woche an einem Erschliessungsstollen gearbeitet.

Die KWO haben 2018 insgesamt 2149 Gigawattstunden Strom produziert, etwas weniger als im Vorjahr. Am Rekordtag gaben sie noch nie erreichte 17,8 Gigawattstunden Energie ab.

Der Gesamtumsatz betrug 145 Millionen, investiert haben sie 14,7 Millionen Franken. Fischlin wies darauf hin, dass die KWO sogenannte Systemdienstleistungen erbracht hätten. Sie trugen dazu bei, das Stromnetz im In- und Ausland zu stabilisieren. Die Grimsel Hydro, das Technologiezentrum für Wasserkraft, erzielte einen Umsatz von 5,7Millionen Franken.

Ihre Mitarbeitenden werden vermehrt für Prüfungen, Inspektionen und Reparaturen angefragt; ihre Ökologen helfen bei der Bearbeitung von ökologischen Massnahmen. Ein sehr gutes Resultat gab es im Tourismusangebot Grimselwelt. Die Vertreter der vier KWO-Aktionäre entlasteten den Verwaltungsrat und überwiesen den Jahresgewinn von 7,07 Millionen Franken an die Gewinnreserven.

Die Kennzahlen (KWO).

Berner Oberländer

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