Labile Felsmasse an Schibeflue wird in luftiger Höhe stabilisiert

Unterseen

An der Schibeflue muss ein labiler rund 200 Tonnen schwerer Felskeil stabilisiert werden. Felssicherer der Gasser Felstechnik AG in Lungern sind seit nunmehr zwei Wochen in luftiger Höhe an der Arbeit.

Zwei Felssicherer der Firma Gasser AG an ihrem «luftigen» Arbeitsplatz an der Schibeflue mit Aussicht aufs Bödeli und die Jungfrau.<p class='credit'>(Bild: zvg/Nils Trauffer)</p>

Zwei Felssicherer der Firma Gasser AG an ihrem «luftigen» Arbeitsplatz an der Schibeflue mit Aussicht aufs Bödeli und die Jungfrau.

(Bild: zvg/Nils Trauffer)

Die Schibeflue am Vorder Harder ist an ihrer höchsten Stelle 120 Meter hoch, steht an der vielbegangenen Brandpromenade und nahe am Wohngebiet. Der Weg ist derzeit gesperrt, an der senkrechten Wand sind Felssicherer an der Arbeit. Ihre Aufgabe: Stabilisierung eines Felskeils im Überhang unter dem Aussichtspunkt Schibeflue (714 Meter übr Meer).

Die labile Felsmasse ist gut 7 Meter hoch und misst an der breitesten Stelle rund 5,7 Meter. Geologen berechneten ihr Volumen mit 75 Kubikmetern und das Gewicht auf 203 Tonnen. Wie der Felskeil, der zwischen zwei Kluftflächen, die einige Zentimeter offen stehen, klemmt und vollständig vom Felsverband abgetrennt ist, stabilisert wird, wird knapp so umschrieben: Mittels schlaffer Anker und rückverankerter Betonunterführung.

Podeste und Gerüst an Wand

Von der Schibeflue sausten in den letzten Jahren immer wieder Steine und grössere Felsbrocken hinunter auf die Brandpromenade und hinter ein nahestehendes Wohnhaus. So auch am 2. Mai 2014. Bei den anschliessenden Felsräumungsarbeiten wurde der labile Felskeil entdeckt.

Im März 2015 beauftragte die Gemeinde die Geotest AG (Zollikofen), ein forstliches Bauprojekt zur Sicherung der absturzgefährdeten Felsmasse auszuarbeiten. Dieses wird seit dem 28. September umgesetzt. Die Einwohnergemeinde tritt als Bauherrschaft auf, die Geotest AG hat die Bauleitung inne und die Gassser Felstechnik AG führt die Arbeiten aus.

Mit Baracke und Toilette

«Das Schwierigste war das Installieren von zwei Podesten und einem Gerüst an der Felswand», schaut Nils Trauffer, Bauführer Felssicherung bei der Gasser AG, zurück. Nicht nur «luftige» Arbeitsplätze wurden installiert, sondern auch eine Baracke und sogar eine TOI-Toilette auf die Schibeflue geflogen.

Ein Heli flog schliesslich am Mittwoch auch die rund 6 Kubikmeter benötigten Beton zur ungewöhnlichen Baustelle. Je nach Arbeiten waren zwei oder drei Felssicherer (Grundausbildung Maurer, weiterausgebildet unter anderem für Arbeiten am hängenden Seil) an der Arbeit. «Alles lief nach Plan», stellt Nils Trauffer fest.

Günstiger als veranschlagt?

Die Felssicherungsarbeiten werden in wesentlich kürzerer Zeit als anfänglich angenommen abgeschlossen sein. Werden dadurch auch die Kosten – die Gemeinde rechnete mit 99'000 Franken – tiefer ausfallen? «Wir rechnen jedenfalls nicht mit Mehrkosten», sagt dazu Lukas Rohner von der Geotest AG.

An die Kosten leistet auch der Kanton seinen Beitrag. Dessen Höhe wird, wie bei der Bauverwaltung Unterseen zu erfahren ist, erst nach dem Vorliegen der definitiven Abrechnung bestimmt, dürfte aber drei Viertel der Gesamtkosten ausmachen.

Berner Zeitung

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