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Lenk ist nach TALK-Nein gefordert

LenkLenk Tourismus will nichts von der Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg (TALK) wissen. Und lehnt einen Beitritt wuchtig ab. Der neue Vorstand will trotzdem keinen Alleingang. Und ab Montag Kooperationen schmieden.

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22.23 Uhr, Freitag: Roland Berger, Verwaltungsratspräsident von Lenk Tourismus (LT), gibt das Resultat der geheimen Abstimmung in der Mehrzweckhalle des Schulhauses Lenk bekannt: «Der Beitritt zu TALK ist mit 177 Nein zu 94 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.»

Das ist eine wuchtige Absage an die Integration von LT in die neue Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg – und damit ein herber Dämpfer für die örtlichen Vorkämpfer und für den Kanton, die mit der Destinationsverdichtung einen Schritt weiterkommen wollten.

Angst vor «Wasserkopf»

Der Entscheidung an der insgesamt über dreistündigen Mitgliederversammlung waren engagierte Voten von beiden Seiten in einer langen Diskussion vorausgegangen. Gemeindepräsident Christian von Känel kommunizierte die klare TALK-Zusage der Exekutive vom 12. Januar und das Credo, «zusammen statt gegeneinander zu arbeiten».

Andreas Gasser, Präsident von Adelboden Tourismus und Mitglied der Arbeitsgruppe TALK, schilderte den zeitlich gedrängten Prozess und präsentierte das gesamte Abstimmungspaket: «Tourismus muss dort stattfinden, wo der Gast ist.» Arzt Beat Hählen sprach von einem «grossen Wasserkopf», den es vehement abzulehnen gelte, was spätere Gegnervotanten wiederholten.

Markus Ziörjen und Nicolas Vauclair, der eine Präsident, der andere Geschäftsführer der Lenk-Bergbahnen, legten sich für die gebündelten Marketingmittel ins Zeug, um gerade die Bergbahnen im internationalen Wettbewerb besser positionieren zu können. Sie lobten den starken Partner Adelboden und stellten sich «hundertprozentig hinter TALK».

Die Gegner versprachen, bei einer Ablehnung des Konzepts sogleich heute Montag die Fäden und somit die Verantwortung für eine Neuausrichtung an die Hand zu nehmen: «In drei bis sechs Monaten kommen wir mit einem für die Lenk angepassten Konzept.» Was wiederum ein langjähriger Lenk-Gast und Professor als «unseriös» bezeichnete.

John Hänni, Leiter des Reka-Ferienzentrums, stellte sich gegen TALK, sprach von «Manipulation» und «Kanalisierung». Toni Brand, Präsident des Gewerbevereins, hob die Chance von TALK hervor, «talübergreifend etwas zu machen». Und Martin Bachofner, Direktor Gstaad-Saanenland Tourismus (GST), redete als Gast von «Kooperation als Wort der Stunde und der Zukunft».

Kein Alleingang

Wie der abschlägige TALK-Entscheid nun von LT umgesetzt werden soll und welcher Weg zu gehen ist, wird die Verantwort­lichen von heute an fordern. Gemeinderat Hansjörg Schneider präsidiert neu den Vorstand von LT. Gewählt wurden auch die erklärten TALK-Gegner Res Mösle, Oliver Zolin und Heinrich Summermatter.

«Jetzt müssen wir im Vorstand schnell durchschnaufen», sagte Schneider nach der Versammlung. «LT ist der Aktionärsverein der Lenk-Simmental Tourismus AG. Dieser hat am 3. Juli Delegiertenversammlung. Dort stellen wir die personellen Wechsel vor. Die grosse Preisfrage wird auch sein, wie und ob der Kanton das neue Gebilde annimmt.» Für ihn wie für Summermatter ist klar, dass ein Alleingang nicht infrage kommt.

«Im Bereich Marketingkooperationen müssen wir die Fühler ausstrecken», meinte Summermatter: «Es führt kein Weg vorbei an Adelboden und Kandersteg. Wir werden schnell mit dem Kanton Kontakt aufnehmen und schauen, was für ein Zeitplan infrage kommt. Dann werden wir zwei bis drei Modelle erarbeiten und diese vorstellen.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 01.04.2017, 10:55 Uhr

Das sagt der Volkswirtschaftsdirektor

«Ich habe fast damit gerechnet, dass Lenk TALK nicht zustimmen wird – allerdings nicht so deutlich.» Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) hat für das Ausscheren der Lenk wenig übrig: «Nach dieser Abstimmung ist Lenk ein weisser Fleck auf der Destinationskarte und kann nun nicht damit rechnen, vom Kanton rückfliessende Abgaben aus dem Beherbergungsfonds zu erhalten.»

Ammann stützt sich dabei auf die entsprechende Verordnung, welche vom Parlament abgesegnet worden ist. Für solche Aktionen der TALK-Gegner in letzter Sekunde zeigt er wenig Verständnis: «Sie tragen eine Mitschuld am Desaster. Es gab genug Möglichkeiten, sich am laufenden Prozess zu beteiligen.»

Trotzdem: «Der Kanton wird sich dem Dialog mit dem neuen Vorstand nicht verweigern. Wir haben ein starkes Interesse daran, die Destinationsverdichtung abzuschliessen. Lenk muss hinter die Bücher und sich einer Destination anschliessen.» Das sei die vom Kanton klar vermittelte Abmachung, für deren Umsetzung genug Zeit zur Verfügung gestanden hätte. «Heute werden wir intern an einer Sitzung mit dem Beco ein Notfallszenario besprechen», so Regierungsrat Ammann. Die Frage ist auch, wie es jetzt für die Orte auf Frutiger Seite aussieht, die TALK zugestimmt haben. sp

Das meint Adelboden

«Wir sind nicht an die Lenk gegangen, um zu verlieren», sagt Andreas Gasser, Präsident Adelboden Tourismus. «Als Leistungsträger würde mich das schon etwas beängstigen. Die Dynamik der Netzwerke haben viele nicht verstanden.» Ob TAK statt TALK die Konsequenz sei, «wissen wir nicht. Wir werden schauen, ob der Kanton eine andere Destination akzeptiert. Wir nehmen Bergbahnen und Simmentaler Orte gerne auf.» sp

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