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Mit einem Nagel im Bein zur Medaille

Der Grindelwalder Hans Burgener will mit dem Schweizer Team an den Paralympics um die Medaillen spielen – trotz suboptimaler Vorbereitung.

Konzentriert und präzise: Hans Burgener bei der Steinabgabe.
Konzentriert und präzise: Hans Burgener bei der Steinabgabe.
Raphael Moser

Hans Burgener wird am 3. März zusammen mit zwölf anderen Athlethen nach Pyeongchang (KOR) reisen und die Schweiz an den Paralympics vertreten. Das ist in mehrerlei Hinsicht speziell. Erstens, weil es für den Grindelwalder Rollstuhlcurler der erste derartige Grossanlass in seiner sportlichen Karriere sein wird. Zweitens aber auch, weil er Glück hatte, dass ihn ein Missgeschick nicht die Teilnahme am paralympischen Turnier kostet.

Es passierte Mitte Januar. Das Schweizer Team bestritt in Finnland ein Vorbereitungsturnier, um sich den letzten Schliff für die Paralympics zu holen. Auf dem Eis lief es gut, abseits davon übersah Burgener jedoch bei einem Bürgersteig eine Kante und stürzte aus seinem Rollstuhl. «Ich weiss auch nicht, wie das passieren konnte», sagt Burgener. «Ich bin einfach blöd gestolpert.» Nun, der Sturz blieb nicht ohne Folgen. Der 53-Jährige brach sich das Schienbein. Doch der Bruch bedeutete nicht das Ende des paralympischen Traums.

Unterstützer und Motivator

Knapp drei Wochen später steht Burgener mit seinen Nationalmannschaftskollegen bereits wieder auf dem Eis des CC Bern und trainiert. «Wenn er Fussgänger wäre, spräche man jetzt wahrscheinlich vom Unterschenkel der Nation», sagt Nationaltrainer Stephan Pfister. Wären seine Beine nicht gelähmt, wäre eine derart schnelle Rückkehr sehr unwahrscheinlich. So sagt Burgener aber: «Das ist kein Problem.»

Noch in Finnland wurde er operiert und das Schienbein mit einem Nagel fixiert. «Wenn er nicht rostet, sollte das problemlos gehen bis zum Ende der Paralympics», meint Burgener mit einem Schmunzeln.

Der Oberländer will sich das Abenteuer nicht verderben lassen, schliesslich hat er in den letzten Jahren viel dafür investiert. 2010 kam Burgener erstmals mit Curling in Kontakt, nachdem er vorher primär plauschmässig mit dem Handbike unterwegs gewesen war. «Es hat mich sofort gepackt», sagt Burgener.

Mittlerweile trainiert er bis zu fünfzehn Stunden pro Woche. Der logistische Aufwand ist dabei beachtlich, finden die Trainings doch in der ganzen Schweiz verteilt statt. Seit zwei Jahren ist Burgener Teil der Nationalmannschaft. Im Team um Skip Felix Wagner hat er die Rolle des Ersatzmanns inne.

Seine Aufgabe bestehe primär darin, die Teamkollegen zu unterstützen und zu motivieren, sagt Burgener, schiebt aber gleich nach, dass er sich nicht werde zurücklehnen können. «Es kann immer sein, dass jemand nicht spielen kann, dann muss ich parat sein.» Zumal die Belastung auf der Anlage von Gangneung hoch sein wird.

Halbfinal als Ziel

as diesjährige Turnier wird erstmals mit zwölf Nationen durchgeführt. Nicht weniger als elf Spiele absolvieren die Schweizer also innert sechs Tagen. Schaffen sie danach den Einzug in den Halbfinal und anschliessend in den Final, könnten es insgesamt, falls noch ein Tiebreak gespielt werden muss, bis zu vierzehn Spiele werden.

Die Schweizer haben sich den Einzug unter die besten vier zum Ziel gesetzt. «Dann ist alles möglich», sagt Nationaltrainer Pfister, auch eine Medaille. Gelingt dies, wäre es bei der dritten Teilnahme das bisher beste Ergebnis für die Schweiz. Und Burgeners Missgeschick wäre längst vergessen.

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