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Musikalische Wanderschaft vor hundert Jahren

Sonntagsmatinee im Schlosskeller: Das Trio Bärner Rose lud musikalischin eine Zeit ohne digitale Kommunikation und Hektik.

Im Schlosskeller Interlaken bleibt bis auf einen Klappstuhl am vergangenen Sonntagmorgen kein Platz frei. Eine «Bärner Rose» – ein schöner roter Apfel, «chüschtig u chäch» – deutet an, worum es geht: «Iheimeschi Choscht us der Hoschtet» und dem Röseligarten. Eine Zeitreise, nachgezeichnet oder besser nachgesungen vom Trio Bärner Rose mit Ursula Fahrni und Markus Metzger und Udo Auch am Akkordeon.

Mit ihren klaren, weichen Stimmen begleiten sie einen aufgeweckten jungen Burschen vom Oberland in die damals weite Welt. Verschmäht von seinem angebeteten Mädchen, das der Lust zwar nicht abgeneigt war, doch vom Eheleben noch nichts wissen wollte, trat er seine Wanderschaft an: in die Märitstadt Thun, durchs Emmental nach Burgdorf und schliesslich nach Basel.

Kein Telefon und teure Bahn

Manchem Zuhörer kommt das eine oder andere Müschterli, das der muntere, oft «masleidige» Bauernbub auf seiner Wanderschaft erlebt hatte, bekannt vor. Erinnerungen an die Zeit, als noch lange nicht in jedem Haus ein Telefon an der Wand hing. Die Eisenbahn kostete schier ein Vermögen, und man war glücklich, wenn man auf einem «Ritwägeli oder Märitgschpann» ein paar Kilometer mitfahren konnte.

Sich mit einem Ferngespräch zu verständigen, war oft nur in der Dorfwirtschaft oder im Postbüro möglich. Dies hatte jedoch den Vorteil, dass die Botschaft bald im ganzen Dorf bekannt wurde. Es blieb einzig die Möglichkeit, einen Brief zu schreiben. Na ja, doch hier hätte sich gezeigt, was man in der Schulstube gelernt hat…

Feines Musiktheater

Als singendes Paar nehmen Ursula Fahrni und Markus Metzger uns mit durch ein beschauliches Leben vor hundert Jahren. Sie das junge Bauernmädchen, die Dienstbotin oder das feine Dämchen in der Stadt am Rhein. Er markiert den kräftigen Wandersmann, Taglöhner oder, wenn es dann endlich klappt, den gereiften «Hochzyter».

Zusammen mit Udo Auch als stimmigem Begleiter im Hintergrund machen sie das Konzert zum Musiktheater. Der ehrwürdige Schlosskeller wird zum antiken Bilderrahmen. Gefüllt mit Bildern einer Zeit, die noch gar nicht so lange her ist.

Und doch unterscheidet sie sich gewaltig von der kommunikativen, immer online erlebten Zeit, in der wir uns heute bewegen. Dabei haben sich die Sehnsüchte und Wünsche von einst wenig geändert. Freude und Schmerz, Nähe und Ferne sind geblieben.

Die bekannten Volkslieder von einst – geschickt und auf witzige frische Art arrangiert – haben an Aktualität kaum etwas eingebüsst. Lieder aus der Sammlung «Im Röseligarte» vom Berner Otto von Greyerz erklingen bei Stephan Eicher oder Rumpelstilz als rockige Balladen.

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