Nach 6 Jahren zurück ins Tal

Sie haben einen der höchsten Arbeitsplätze Europas. Nach sechs Jahren ist jetzt aber genug: Maria und Urs Otz leisten am Samstag ihren letzten Arbeitstag als Wetterbeobachter der Forschungsstation Jungfraujoch.

Ein letztes Mal auf der windigen Terrasse: Maria und Urs Otz mit Hündin Amira im Angesicht des Aletschgletschers mit Konkordiaplatz.

Ein letztes Mal auf der windigen Terrasse: Maria und Urs Otz mit Hündin Amira im Angesicht des Aletschgletschers mit Konkordiaplatz.

(Bild: Bruno Petroni)

«Wir wollten mal etwas anderes sehen. Und jetzt haben wir es gesehen»: Für Maria und Urs Otz ging vor sechs Jahren ein lange gereifter Traum in Erfüllung, als sie ihren Arbeitsplatz als Betriebswarte und Wetterbeobachter der Forschungsstation auf dem Jungfraujoch antraten.

«In diesen sechs Jahren gab es keinen einzigen Tag, an welchem wir da oben nicht etwas Neues entdecken konnten», erzählt Maria Otz, «sei es die Entwicklung von Eisabbrüchen, Wetterphänomene, Erfahrungen mit den zahlreichen Touristen oder ganz einfach nur die Maserung des Schnees.»

Für Ehemann Urs waren «vor allem die glasklaren Nächte ohne jegliches Streulicht enorm eindrücklich, in welchen man da oben den riesigen Bogen der Milchstrasse und Millionen Sterne beobachten kann. Und wenn du in der ausgesetzten Beobachtungsstation stehst und der Föhnsturm mit fast 200 km/h um die Fenster und Wände donnert, das ist unbeschreiblich.»

Ein Highlight war für das Ehepaar Otz der Besuch von Astronauten: Vor fünf Jahren besuchte die sechsköpfige Crew der zweitletzten Nasa-Spaceshuttle-Mission (STS-134 im Jahr 2011) mit ihren Familien die Forschungsstation. «Darüber durfte gar nichts nach aussen dringen – auch nicht an die Medien», sagt Maria Otz schmunzelnd.

Es warten lange Reisen

Nach den schönen sechs Jahren mit jährlich rund 160 Arbeitstagen auf 3460 Meter über Meer freut sich das in Ringgenberg lebende Paar jetzt auf die Zeit danach. Urs Otz (63) geht zwei Jahre früher in Pension und will sich in den nächsten zwei Jahren endlich seinen grossen Bubentraum erfüllen: eine mehrmonatige Töffreise zur Seidenstrasse, wo er via Kirgistan vielleicht bis zur Mongolei und in den Osten Russlands weiterfahren will.

Und auch Maria, welche als Arbeitsagogin wieder an ihre frühere Arbeitsstelle zurückkehren kann, hegt Reisepläne: «Eines Tages möchte ich noch während mehrerer Wochen den tausend Meilen langen Southwest Coast Path im südwestlichen Cornwall in England bewandern.»

Fünfmal pro Tag geben die Wetterbeobachter der Forschungs­station ihre Wetterbeobachtungen an Meteo Schweiz in Zürich weiter. Maria und Urs Otz wechselten sich mit ihrem 70-Prozent-Arbeitspensum in den vergangenen sechs Dienstjahren mit Joan und Martin Fischer ab, die seit fünfzehn Jahren Betriebsleiter mit 100-Prozent-Pensum waren und die Leitung auf eigenen Wunsch jetzt an Otz’ Nachfolger Christine und Ruedi Käser abgeben werden.

Berner Oberländer

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