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Nach der «Schlange» biss Mani kurz zu

11 Stunden Fahrzeit für die Fans, 1 Minute und gut 40 Sekunden für den Fahrer: 70 Anhänger reisten zu Nils Manis WM-Abfahrtspremiere nach St. Moritz. Viele vergebens.

70 Anhänger für einen Rennfahrer: Mit Bernerbär und Schweizer Kreuz sorgten der Nils-Mani-Fanclub und Bekannte am Samstag für Stimmung im WM-Ziel in Salastrains.
70 Anhänger für einen Rennfahrer: Mit Bernerbär und Schweizer Kreuz sorgten der Nils-Mani-Fanclub und Bekannte am Samstag für Stimmung im WM-Ziel in Salastrains.
Jürg Spielmann
Götti und Selbstdarsteller: Der Diemtigtaler Fanclubpräsident Jürg Mani mit dem «Naked ­Cowboy» aus St. Moritz.
Götti und Selbstdarsteller: Der Diemtigtaler Fanclubpräsident Jürg Mani mit dem «Naked ­Cowboy» aus St. Moritz.
Jürg Spielmann
Ski- und Schwingsport: Nils Mani mit «böser» Unterstützung von  (v.?l.) Heinz Habegger (Trub), Ivan Camenzind (Hasliberg), Matthias Siegenthaler (Hondrich), Michael Stucki (Oey), Ruedi Roschi (Oey), Alexander Kämpf (Sigriswil), ­Niklaus Zenger (Habkern) und Bernhard Kämpf (Sigriswil).
Ski- und Schwingsport: Nils Mani mit «böser» Unterstützung von (v.?l.) Heinz Habegger (Trub), Ivan Camenzind (Hasliberg), Matthias Siegenthaler (Hondrich), Michael Stucki (Oey), Ruedi Roschi (Oey), Alexander Kämpf (Sigriswil), ­Niklaus Zenger (Habkern) und Bernhard Kämpf (Sigriswil).
Jürg Spielmann
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Nils Mani ist Bronzegewinner! Zwischenzeitlicher. Im obersten Streckenteil der Piste Corviglia lässt sich der 24-jährige Diemtigtaler gestern die drittschnellste Zeit notieren. «Auch ganz unten war er voll dabei, im Mittelteil hat er eingebüsst.» Nichtsdestotrotz bilanziert Beat Mani, dass die WM-Premiere seines Sohnes «super war». Am Ende steht Nils Mani auf Rang 23 – und ist laut seinem Vater «etwas enttäuscht». Das werde sich in «ein, zwei Tagen» legen, glaubt der Ältere. Über 40 Schlachtenbummler seien eigens für das Daumendrücken gekommen.

Rückblende. Keine 24 Stunden vorher stehen weit mehr Anhänger des B-Kader-Fahrers in ihren blauen Fanclubjacken im Ziel in Salastrains vereint. In freudiger Erwartung ob des Auftritts ihres Junioren-Abfahrtsweltmeisters von 2013. Man kennt und schätzt sich, lacht zusammen und fachsimpelt, schnupft – nach einem zünftigen «Priis» – Tabak oder prostet sich zu. «Gut und gern 70 Leute sind es», freut sich Jürg Mani. Er ist nicht nur der Onkel und Götti von Nils, sondern auch Präsident von dessen Fanclub. Die Gründung hatte er ihm einst zu seinem ersten Weltcuprennen versprochen. 2012 war es so weit, 120 Mitglieder zählte man zum Auftakt – 430 sinds heute. Quantitativ kann sich kaum eine Fangemeinde mit jener des schnellen Diemtigtalers messen. Auch am Abfahrtssamstag nicht.

Während eine Vielzahl der Fans schon seit Wochenbeginn vor Ort dem WM-Zauber erliegt, machen sich 28 Aufgeweckte erst am frühen Morgen auf ins Engadin. 3.10 Uhr zeigt die Uhr, als die muntere Truppe in Schwenden den Car von Sponsor Spring (mit montierter Nils-Mani-Plane am Heck) besteigt. Nach 340 Kilometern oder «plus/minus fünf Fahrstunden», so Fanclubvize und Chauffeur Res Regez, ist das Ziel erreicht. Jenes der Königsdisziplin überquert der 24-Jährige nach knapp 3000 Metern. Morgenstund hat für die Fans Gold im Mund – und Nils Mani heute solches an seinen Schweizer Rennlatten? «Man muss realistisch bleiben», wehrt sich eine ältere Stadtbernerin gegen überhöhte Erwartungen. Am allerwichtigsten ist für Käthi Tanner sowieso, dass ihr Grossbub «heil abechunnt». Eine Ehre sei es, an der Heim-WM starten zu dürfen. Doch sie ahnt Böses. Bereits vor Jahren sei das besuchte Rennen von der Maloya-Schlange, der fiesen Nebelbank, gebissen geworden. Tanner erinnert sich, nur Vorfahrer gesehen zu haben.

Bald ist Mittag, die Spannung in der Zielarena steigt. 38'000 sorgen für eine zünftige Gänsehautatmosphäre. Durch das Fan-Village wummert dumber Discobass, am Himmel verpulvert die Patrouille Suisse massig Swissness. Die erste Startverzögerung ist kaum mehr als eine Randnotiz, die Stimmung ausgelassen. Die WM ist auch ein Tummelfeld für Selbst- und andere Darsteller; der «Naked Cowboy» etwa inszeniert sich als nur Unterhosen und Bart tragender... Gitarrengott (?).

Peter Tanner, Nils’ Ätti, reicht den gläsernen Flachmann durch die Runde. «Chrüter», süsslich. «Den habe ich noch nie leer nach Hause gebracht.» In der Regel seien ja nicht derart viele Fans dabei. Tanner, der «cheibe chribbelig» ist, erzählt aus dem Nähkästchen. Davon, dass der Grossbub bereits als Kind ehrgeizig war – und früh von seinen Mitrennern gefürchtet. Auch Hedy, Manis Grossmutter aus Schwenden, die die Rennen am Fernseher nicht schauen kann, wie sie sagt, ist für einmal mit dabei. Nebst zahlreichen Kollegen, nicht wenige davon augenfällig breitschultrig. Rüedu (Roschi), Mätthu (Siegenthaler), Chlöisu (Zenger) oder Benu (Kämpf) sind nur einige der mitfiebernden Spitzenschwinger.

Obwohl an Start und Ziel die Sonne strahlt, fällt der WM-Höhepunkt um 14.15 Uhr der Nebelschlange zum Opfer. «Race cancelled», steht auf der Videowall. «Schaad...» und «truurig...» finden es die Mani-Anhänger. Doch Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Das tun die Diemtiger denn auch, vor allem, als Nils Mani bei ihnen im Fan-Village einfährt. «Er weiss eben, was sich gehört», lobt Jürg Mani. Geschlagene 50 Minuten weilt der Athlet bei den Seinigen, bespricht sich mit den Eltern, mit Freunden, posiert für Fotos mit Schwingern, Kindern und weiblichen Skifans. «Es gab leider kein Wetterfenster, das länger als 10 Minuten offen war», lässt er, der seine Worte mit Bedacht wählt, notieren. Liebend gerne wäre er gefahren, ja.

Stunden später ist klar, dass am Sonntag gestartet wird. Mutter Karin und Vater Beat finden vor Ort Unterschlupf, die meisten kehren heim. «So fahren wir halt unverrichteter Dinge zurück», sagt Res Regez bei der Abfahrt um 18 Uhr. Und: Wäre Nils Weltmeister geworden, «wäris viertel ab worde».

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