Natürliches Fenster zur Geschichte der Erde

Urbachtal: Kein Name passt besser zum wunderschönen Talkessel bei Innertkirchen. Von den wuchtigen Engelhörnern zieht es sich bis zum Gauligletscher und erlaubt einmalige Einblicke in die Erdgeschichte.

Ausgangspunkt für Strahler: Die Gauli­hütte liegt mitten in einem geologisch faszinierenden Hochgebirge.

Ausgangspunkt für Strahler: Die Gauli­hütte liegt mitten in einem geologisch faszinierenden Hochgebirge. Bild: zvg/Franziska Vontobel

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zufahrtsstrasse zum Urbachtal ist schmal und unscheinbar. Nach engen Kurven und etwa 200 Meter höher findet sich der Urbach genannte flache, vom eiszeitlichen Gauligletscher ausgehobelte Talboden. Der Kontrast der saftigen Wiesen und Weiden könnte kaum grösser sein zu den Felswänden der Engelhörner, die hinter dem Urbachwasser nahezu senkrecht fast 2000 Meter in die Höhe schiessen.

Unter diesen gewaltigen Zinnen aus Malmkalk, auch als Dolomiten des Berner Oberlandes bekannt, lassen sich schöne Fossilien von Meerestieren finden. Denn die Gesteine aus Hochgebirgskalk, Dolomit, Schiefer und weiteren Schichten entstanden über Dutzende von Millionen Jahren aus Sedimenten der Urmeere, die vor der Alpenfaltung einst die Schweiz bedeckten.

Geologisches Paradetal

Beim Parkplatz vom Mürvorsess auf rund 880 Metern endet die Ebene vom Urbachtal. Nun beginnt der vier- bis fünfstündige Aufstieg zur Gaulihütte. Das geht zwar in die Beine. Doch auf Schritt und Tritt begegnet man urwüchsiger Natur und überwältigenden Aussichten. Durch einen steilen Mischwald mit teils mächtigen Fichten führt der Weg Richtung Schrätteren.

Immer wieder ist der Blick in Lichtungen frei, zurück auf die Gipfel um das Grosse Gstellihorn (2855 m), dem höchsten Gipfel der Engelhörner. Deutlich erkennbar ist der Übergang von den Sedimentgesteinen zu den sogenannten Tiefengesteinen, die sich unter anderem aus Granit und Gneis zusammensetzen.

Geologisch gesehen ist das Urbachtal ein veritables Paradies, mit einer Vielzahl von Gesteinen und Mineralien auf kleinstem Raum. Während im vorderen Teil des Urbachtals Fossilien vorkommen, findet man in höher gelegenen Teilen des Tals mit etwas Glück unter anderem Bergkristalle (siehe Hauptartikel).

Bei der Schrätteren, auf 1450 Meter Höhe, verlässt man den Wald. Nun wird der Blick frei auf den Talkessel unter dem Dossen. Wieder geht der Hüttenweg steil aufwärts durch Grünerlengebüsch bis zum Holzfadghirmi auf 1850 Metern.

Noch einmal führt die Hüttentour steil aufwärts, über die Hohwangflanke bis zum Tälligrat auf über 2200 Metern. Unvermittelt öffnet sich der Blick auf die grandiose Gletscherwelt im hinteren Gauligebiet. Namen wie Ewigschneehorn oder Hangendgletscherhorn erzählen, was zu sehen ist. Endlich geht es fast eben zur Gaulihütte. Der Marsch wird mit einem Hüttenstandort belohnt, der schöner nicht in der gewaltigen Berg­arena thronen könnte.

«Wir freuen uns auf den Besuch von Hüttenwanderern, Bergsteigern, Kletterern, Gruppentouren, Familien, Kindern, Strahlern und überhaupt von allen, die den Weg zu uns finden», sagt Hüttenwartin Fränzi Vontobel. «Bei uns wird geklettert, gewandert, gebadet, geschlemmt, die Blumenvielfalt bestaunt, es werden Heidelbeeren gesammelt, die Sonne und die Ruhe genossen. Gauli bedeutet Erholung und Auftanken pur!»

Grandiose Alpenarena

Eingebettet in dieser überwältigenden Alpenarena mit Gaulisee, Hochmooren, Wasserfällen, schroffen Bergflanken und Firnfeldern im letzten Sonnenlicht schmeckt der Znacht nach der nahrhaften Hüttentour dreifach gut. Mit ihrer Empfehlung lag die Hüttenwartin richtig: «Am besten zweimal übernachten!»

So bleibt ein ganzer Tag für Wanderungen, Bergtouren, zum Suchen von Bergkristallen oder Heidelbeeren oder einfach zum genussvollen Verweilen. Der Rückweg ins Urbachtal ist mit dem «Wasserfall-Türli» kombinierbar.

Nach dem Abstieg von etwa 250 Höhenmetern auf einem markierten Bergweg folgt man einem angeschriebenen Pfad und dem Ürbachwasser entlang wieder etwas hoch bis zu drei imposanten Wasserfällen. Die Tour endet mit einem einfachen Wanderweg, entweder zurück zur Gaulihütte oder rechts um den Mattenalpsee hinab ins Urbachtal. (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.09.2016, 06:05 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Fundgrube von Mineralien

Berner Oberland: Nicht nur landschaftlich, sondern auch geo­logisch gesehen ist es ein wahres Paradies mit einer kaum überschaubaren Fülle verschiedener Mineralienschätze. Und einigen Besonderheiten sowie einem geheimnisvollen Granit. Mehr...

Auf der langen Suche nach den funkelnden Schätzen

Der Berg ruft: Magisch ziehen Quarzkristalle die Menschen ins Gebirge. Schon seit Jahrhunderten. Doch um wirklich fündig zu werden, muss man heute ins Extremgelände. Oder in die Vorfelder von schmelzenden Gletschern. Mehr...

Paid Post

Zirkus mal anders

Lassen Sie Ihre Kinder, Grosskinder oder Patenkinder im Family Circus Bühnenluft schnuppern!

Kommentare

Blogs

Das Einhorn der Woche

Foodblog Libanesisch im Schnellzugstempo

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Riesig hohe Surfwellen: Vor der portugisischen Küste befindet sich im Meer der Nazare Canyon eine über 230 Kilometer lange Schlucht mit einer Tiefe von bis zu 5000 Metern, deshalb entstehen hier die beliebten Wellen.
(Bild: Rafael Marchante) Mehr...