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Neue Einsichten zur Rolle der Frau

Zum dritten Mal präsentiert das Team von Hirsch-Ku sein kleines, aber feines Filmfestival im Hirschen. Thema: «Junge Frauen in Ost und West». «Hochaktuell» findet es Ruth Gafner und lädt dazu ein, neue Perspektiven kennen zu lernen.

Claudius Jezella
Für das dritte Hirsch-Ku-Filmfestival haben Ruth Gafner und ihre Kollegen Filme von und zu «jungen Frauen in Ost und West» ausgewählt.
Für das dritte Hirsch-Ku-Filmfestival haben Ruth Gafner und ihre Kollegen Filme von und zu «jungen Frauen in Ost und West» ausgewählt.
Claudius Jezella

«Machen wir einen einfachen Test, der es aber in sich hat: Treten in einem Film zwei Frauen auf, die beide einen Namen haben? Sprechen die beiden Frauen miteinander? Sprechen sie über etwas anderes als über Männer? Erstaunlich, aber wahr: Die meisten Filme bestehen diesen Test nicht. Und hinter der Kamera? Erst eine einzige Frau wurde in der Geschichte der Oscars für die beste Regie ausgezeichnet.»

Mit diesem Gedankenspiel weist das Team von Hirsch-Ku, dem Kulturprogramm im Hirschen Erlenbach, auf sein Filmfestival hin, das vom 19. bis 21. Januar zum dritten Mal durchgeführt wird. Denn: Die sieben Filme, die dort gezeigt werden, bestehen den Test im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Blockbustern allesamt.

Frauen an den Herd?

Es sind Filme von Frauen über Frauen. Und: «Es sind Geschichten, die wir alle in irgendeiner Weise selbst erlebt haben und die uns deshalb berühren», sagt Ruth Gafner vom Hirsch-Ku-Team. ­Gemeinsam mit ihrer Tochter Lina hat sie die Filme nach diesem Kriterium ausgesucht.

Wie beispielsweise «Just Like Our Parents» aus Brasilien, in dem die Hauptdarstellerin, eingezwängt in die verschiedenen Rollen als Mutter, Ehefrau, Tochter und Berufstätige, ihre Suche nach Selbstbestimmung startet.

Ein nach wie vor hochaktuelles Thema – auch oder gerade im Berner Oberland, findet Ruth Gafner und nennt Beispiele: Als sie und ihr Partner Res Dubach vor 22 Jahren den Hirschen übernahmen und regelmässig einen Abend für Frauen reservierten, war das Misstrauen gross. Doch den Frauen habe es gutgetan, aus dem Schatten ihrer Männer zu treten und über verschiedene Themen zu reden.

Noch immer sei es schwierig für Frauen, als Mutter berufstätig zu sein, da das Angebot zur Kinderbetreuung eher dünn sei. «Die Meinung, eine Frau gehört an den Herd, sorgt für die Kinder und hat sonst zu schweigen, ist bei vielen noch in den Köpfen», meint Ruth Gafner. Und die Frauen passten sich dem allzu oft an.

Durch Zuzug aus anderen Regionen, Ländern und Kulturkreisen gebe es jedoch mittlerweile eine Durchmischung auch in den Tälern. «Da kommen Frauen, die ein anderes Selbstverständnis haben.»

Wie dies zum Beispiel in der islamischen Welt aussieht, soll gleich eine ­Reihe von Filmen beim Festival zeigen, denn der Nahe Osten bildet ein Schwerpunktthema. Die Filme sollen laut Ruth Gafner zum Verständnis beitragen. «Wir sehen ja mittlerweile auch hier immer mehr Frauen in Burkas, die zum Blausee oder aufs Stockhorn fahren.

Vielleicht bieten die Filme eine Möglichkeit, sich deren Lebensrealität und Empfinden zu nähern.» Interessant sei, dass die Selbstfindung bei jungen Frauen in West und Ost mit ähnlichen Bedürfnissen verlaufe.

Wie schon in den vergangenen beiden Ausgaben des Hirsch-Ku-Filmfestivals sollen die Filme den Horizont öffnen.

Auch Tabuthemen gehören dazu

Das setzt eine gewisse Offenheit beim Publikum voraus, das wissen auch Ruth Gafner und ihre Mitstreiter. Doch die Besucherzahlen der vergangenen Jahre geben ihnen Zuversicht, auf dem rich­tigen Weg zu sein. Im Schnitt kämen 30 bis 50 Personen zu den Filmvorführungen.

«Wir haben ein Stammpublikum, aber immer mal wieder auch interessierte neue Gäste, die unserer Auswahl vertrauen.» Und so haben die Verantwortlichen Filme ausgesucht, die das Frausein ins Zentrum stellen, zum Teil sehr intim sind und auch vor Tabuthemen nicht zurückschrecken.

Es sind die Werke von Filmemacherinnen, die in ihren Herkunftsländern mit teils erheblichen Widerständen zu kämpfen haben – nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Westen. Im Hirschen werden sie gezeigt. «Es sind gute Filme», sagt Ruth Gafner.

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