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«Nussig, knusprig, wohlschmeckend»

Seit 1. Mai sind in der Schweiz drei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen. Fernsehkoch Torsten Götz hat drei speziellen Gästen in seiner Genusswerkstatt ein mehrgängiges Insektenmenü zur Kostprobe serviert.

Hans Heimann
Neugierige und zufriedene Gäste um TV-Koch Torsten Götz (v.l.): Raphaela Baumann, Lara Lack und Fredi Daumüller.
Neugierige und zufriedene Gäste um TV-Koch Torsten Götz (v.l.): Raphaela Baumann, Lara Lack und Fredi Daumüller.
Hans Heimann

Lange Zeit waren Insekten in unserem Kulturkreis nicht mehr auf dem Speiseplan anzutreffen, und sie werden häufig mit Ekelgefühlen verbunden.

Doch in der Antike galten sie bei den Griechen und den Römern als Delikatesse, und gemäss der Bibel war es dem hebräischen Volk schon zur Zeit von Moses erlaubt, Exemplare von vier genau bezeichneten Heuschreckenarten zu essen.

In der Schweiz werden mit der Revision des Lebensmittelgesetzes seit vergangenem Montag Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken als Lebensmittel deklariert und dürfen nun auch in Restaurants verkauft werden.

Doch wie schmeckt ein solches Insektenmenü? TV-Koch Torsten Götz («Kitchencase») lud drei Gäste zur Kostprobe in seine Genusswerkstatt in Unterseen: die Interlakner Eventmanagerin und Ernährungscoachin Raphaela Baumann, Lara Lack, die sich am Spital Interlaken zur Ernährungsberaterin ausbildet, und der Interlakner Fredi Daumüller, Gastronom und ehemaliger stellvertretender Direktor des Interlakner Grand Hotel Victoria-Jungfrau.

Auftakt mit pürierten Grillen

Als Einstieg servierte Torsten Götz einen Smoothie aus Bananen, Milch, Honig, Nüssen und pürierten Grillen, von dem besonders Raphaela Baumann angetan war: «Das ist ein wahrer Proteindrink, so was könnte ich jeden Morgen trinken.»

«Das ist ein wahrer Proteindrink, so was könnte ich jeden Morgen trinken.»

Raphaela Baumann

Und er weckte Kindheitserinnerungen: «Ich habe als Kind in den Ferien am Strand von Lima, im Heimatland Peru meiner Mutter, Muy Muy gesammelt. Das sind insektenartige Krustentiere, die dann meine Grossmutter wie Popcorn zubereitete.»

Es folgte eine Kokossuppe mit ganzen Grillen, die gut zu erkennen waren. Die Neugierde der Gäste wuchs. Lara Lack betonte den hohen Proteinanteil bei Insekten und ergänzte: «Es ist nicht nur die Menge der Proteine, sondern auch deren hohe biologische Wertigkeit, also ideal für Sportler.

Ich kann mir vorstellen, dass der Eiweissgehalt herkömmlicher Proteinprodukte, die sehr im Trend sind, mit Zugabe von Insekten erhöht werden könnte.»

Als Hauptgang kochte Torsten Götz vor den Augen der Gäste Reisplätzchen mit Mehlwürmern, reichte dazu ein Pesto mit Grillen, gefolgt von in der Pfanne gebratenen Wanderheuschrecken. Die Gäste beurteilten den Geschmack der Gerichte als «nussig, knusprig und wohlschmeckend».

«Sensationell gut»

Und der Gesamteindruck? Fredi Daumüller zog Bilanz: «Es hat sensationell gut geschmeckt. Ich habe ja schon allerlei gegessen in meiner beruflichen Tätigkeit und war sehr neugierig.

Ich kann mir vorstellen, dass vereinzelte Restaurants das in Zukunft anbieten werden. Es braucht Zeit, und dann muss es kreativ zubereitet sein und vom Service überzeugend zelebriert werden.»

«Es braucht Zeit, und dann muss es kreativ zubereitet sein und vom Service überzeugend zelebriert werden.»

Fredi Daumüller

Das gemeinsame Fazit aller drei Gäste: «Wir waren heute Abend alle auf Insekten essen eingestellt – und am besten schmeckten tatsächlich die Gerichte, in denen man die Insekten sehen konnte.»

«Noch etwas dauern»

Nach Angaben des Leiters Betriebswirtschaft beim Fachverband Gastro Bern, Konrad Gerster, sind im Kanton Bern noch keine Restaurants bekannt, die Insekten anbieten. Man beobachte die Entwicklung am Markt und werde bei genügend Interesse den Mitgliedern mit Informations- und Weiterbildungsangeboten zur Seite stehen.

Torsten Götz ist sich bewusst, dass neue Trends Zeit brauchen: «Es braucht überall Menschen, die Neues wagen, vorneweg ziehen. Ich kenne das Kochen mit Insekten bereits aus meiner beruflichen Tätigkeit in Asien. Dort ist es etwas Alltägliches. Hier wird es bestimmt noch etwas dauern, bis es vielleicht plötzlich trendig ist.»

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