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Menschen pflegen als Passion

Viel arbeiten, wenig verdienen – das ist die Realität in Pflegeberufen. Julia Bütikofer aus Adelboden lässt sich davon nicht abschrecken. Für sie zählen die schönen Momente der Arbeit.

Traumberuf Pflegefachfrau: Seit ihrer Kindheit weiss Julia Bütikofer, dass sie mit alten Menschen arbeiten will.
Traumberuf Pflegefachfrau: Seit ihrer Kindheit weiss Julia Bütikofer, dass sie mit alten Menschen arbeiten will.
Christian Pfander
Verantwortung: Jeden Tag verteilt sie die Medikamente.
Verantwortung: Jeden Tag verteilt sie die Medikamente.
Christian Pfander
Die Zeit ist knapp: Immer mehr Arbeit gilt es zu erledigen.
Die Zeit ist knapp: Immer mehr Arbeit gilt es zu erledigen.
Christian Pfander
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Sofas im Rokokostil und Fenster mit Ausblick auf schneebedeckte Berge: Was nach Nobelhotel klingt, ist der Salon des Alters-und Pflegeheims Reichenbach. «Ein schöner Arbeitsort», bemerkt die diplomierte Pflegefachfrau Julia Bütikofer. Von Äusserlichkeiten lässt sich die 22-Jährige aber nicht blenden: «Immer mehr Arbeit müssen wir in möglichst kurzer Zeit erledigen.

Unsere Belastung steigt, während der Lohn stagniert.» Sie kenne viele Leute, die mit ihr die Ausbildung machten und sich nach dem Abschluss der garstigen Arbeitsbedingungen wegen anders orientierten. Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums bestätigen Bütikofers Eindrücke: 2013 wechselte mehr als jede fünfte Pflegefachkraft den Beruf.

Wenig Zeit für Gespräche

«Für mich kam nie ein anderer Beruf infrage. Als Siebenjährige verteilte ich mit meiner Grossmutter das Zvieri im Altersheim, in dem sie arbeitete. Die Gespräche mit den alten Leuten faszinierten mich, davon wollte ich mehr», erinnert sich Bütikofer.

«Sehe ich, dass unsere Arbeit wirkt, befriedigt mich das. Solche Momente machen meine Arbeit wertvoll.»

Julia Bütikofer

Nach der Schulzeit folgten drei Lehrjahre zur Fachfrau Gesundheit im Alters- und Pflegeheim Oberhofen, dann zwei weitere zur diplomierten Pflegefachfrau im Spital Frutigen und im Altersheim Reichenbach, wo sie heute in einem Pensum von 80 Prozent arbeitet.

Jeden Morgen verteilt Julia Bütikofer die Medikamente an die 21 Bewohnerinnen und Bewohner auf der Abteilung, wäscht sie, führt sie in den Speisesaal. «Diese Arbeiten nutze ich, um die Leute nach ihrem Befinden zu fragen. Zeit für lange Gespräche kann ich mir selten nehmen, ­darum schätze ich diese kurzen Momente.»

Wissen weitergeben

Nachdem sie selber erst im September letzten Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, übernahm Bütikofer gleich die Verantwortung für die drei Lernenden ­im Team. «Es macht mir Freude, jungen Leuten mein Wissen und meine Leidenschaft für die Pflege weiterzugeben.»

Bütikofers eigene Ausbildungszeit war schwierig: «Ich hatte oft ­Rückenschmerzen vom vielen Hochheben der Leute.» Heute seien die Beschwerden weniger schlimm, weil sie ihre Hebe­technik verbessert habe. Neben dem Körper fordert der Pflege­beruf auch die Seele der Fachkräfte. «Mit 16 Jahren sah ich die erste Verstorbene, das war ein Schock.» Heute verstehe sie den Tod als «natürlichen Prozess».

Vor starken Gefühlen schütze sie diese Sichtweise aber nicht: «Kurz vor Weihnachten starb ein Bewohner, während ich neben ihm sass. Danach brauchte ich fünf Minuten Pause, bevor ich weiterarbeiten konnte.»

Kleine Erfolge sind wertvoll

Um solche Erlebnisse zu verarbeiten, spreche sie am liebsten mit ihren Teamkolleginnen und ihrem Freund. Oder sie verbringt Zeit draussen: Skifahren, Reiten, Spazieren – Hauptsache, in der Natur. Auch den Blick auf kleine Erfolge zu richten, helfe ihr, mit dem Leid umzugehen. Etwa, wenn eine Bewohnerin Schmerzen hat, die dank der richtigen Pflege verschwinden.

«Sehe ich, dass unsere Arbeit wirkt, befriedigt mich das. Solche Momente machen meine Arbeit wertvoll.» Für Julia Bütikofer überwiegen die schönen Augenblicke, trotz allen Belastungen – «sonst würde ich nicht hier arbeiten».

Unter einem Umstand würde sie aber ihre Arbeit aufgeben, oder mindestens reduzieren: «Ich möchte später eine Familie gründen und dann Zeit mit meinen Kindern verbringen.»

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