Rellerli: Ohne Bertarelli-Deal gehts nicht

An seiner ersten Generalversammlung hat der Verein Freunde des Rellerli ein neues Bahnprojekt vorgestellt, wenn die Konzession für die jetzige Anlage Ende 2018 abläuft. Um den Bahnabbruch zu verhindern, muss Investor Ernesto Bertarelli mitmachen.

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Svend Peternell

Der Verein Freunde des Rellerli (FDR) – am 17. März gegründet – ist voller Tatendrang. Nur zu gerne möchte er für den Hausberg und das Saanenland Geschichte schreiben, die da hiesse: Die Rellerlibahn wird nicht eingestellt und wieder zu neuem Leben erweckt. Dass die 36-jährige Anlage bis Ende 2018 betrieben und dann rückgebaut werden soll, ist Bestandteil des Sanierungskonzepts der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG), in welche das Rellerli eingebunden ist. Am 18. September 2015 befand das Saaner Stimmvolk, dass die Tage der Rellerlibahn gezählt sein sollen (siehe Box «Beschluss der Gemeindeversammlung ist für uns rechtskräftig und bindend»).

Der beliebte Ausflugsberg soll aus dem Gesamtangebot gestrichen werden, um die anderen Anlagen zu stärken. Die Gemeinden Gsteig, Lauenen und Zweisimmen entschieden genauso.Nun regt sich aber schon seit einiger Zeit erheblicher Widerstand gegen diesen Entscheid. Vor allem Zweitwohnungsbesitzer Max Baur aus Bremgarten war massgeblich daran beteiligt, dass der Verein FDR initiiert wurde. Das Ziel: Der Aussichtsberg soll weiterhin durch die Bahn zugänglich bleiben – ganzjährig und mit einem Restaurationsteil am Berg, um der regionalen touristischen Gesamtjahresstrategie zu dienen.

743 sind im Verein dabei

Innert zweier Monate hatte der Verein FDR fast 500 Mitglieder hinter sich geschart. Etliche von diesen – genau 145 – liessen sich am Samstag mit der ehrwürdigen Bahn aufs Rellerli transportieren, wo zur ersten Generalversammlung geladen wurde. Offiziell sind es nun 565 Vereinsmitglieder, im Total gar 743 Sympathisanten.

Ein wichtiges Ziel des Vereins ist es, für die Rettung der Rellerlibahn andere ins Boot zu holen. Das ist die grosse Knacknuss, denn die Behörden halten sich an den Beschluss der Gemeindeversammlung (siehe unten rechts) und die BDG möchte das Kapitel möglichst schmerz- und risikolos abschliessen, um ihr Sanierungskonzept umzusetzen. Sie wird für die von den FDR vorgebrachten Win-win-Argumente kaum empfänglich sein.

Bleibt noch Investor Ernesto Bertarelli, der das Berghaus für 5,5 Millionen erworben hat – ohne weiteren Bahnbetrieb, aber mit einem öffentlich zugänglichen Restaurationsteil von nicht klar definierter Grösse. Das Berghaus will Bertarelli in eine luxuriöse Mountain-Lodge umbauen. Nur ist diese Umnutzung für Max Baur und die Anwälte des Vereins FDR laut Raumplanungsgesetz nicht bewilligungsfähig, da das Gebäude in der Landwirtschaftszone liegt. Und an der Zufahrt zur Bergstation über das bestehende Alpsträsschen bemängeln sie, dass dieses dem Unterhalt der Bahn dient. Fahrten auf Alpwegen sind gemäss bestehenden Dienstbarkeiten verboten, sagen sie. Wie der Verhandlungsstand mit Bertarelli und seiner Familie aussieht, konnte an der GV noch nicht gesagt werden. Für August ist immerhin ein Treffen mit dem Milliardär vorgesehen.

Der Vereinsvorstand FDR kommt zum Schluss, dass die Familie Bertarelli ihr erworbenes Eigentum nur nutzen kann, wenn eine Seilbahn besteht. Max Baur: «Und wir können unser Bahnprojekt nur realisieren, wenn wir mit der Familie Bertarelli ‹einen Weg finden›.» Besonders angewiesen sind die FDR auf die Talstation, auf die Bertarelli ein Vorkaufsrecht besitzt. Diese liegt im Geltungsbereich der Zonen für öffentliche Nutzung. Würde die Bahn aufgegeben und Bertarelli die Talstation privat nutzbar machen, entfällt der Zonenzweck, und die Fläche müsste umgezont werden. «Wir gehen von einer ordentlichen Änderung aus, die von der Gemeindeversammlung beschlossen werden müsste», wurde die Einschätzung der Anwälte der FDR an der GV zitiert.

10 bis 12 Millionen für neue Bahn

Die FDR hoffen aber nun, dass Bertarelli vom Talstations-Vorkaufsrecht Gebrauch macht und dieses für die Nutzung der neuen Talstation zur Verfügung stellt. Dazu bräuchte es auch einen gewissen Teil der neuen Lodge, die von Bertarelli der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Dann könnten die FDR ihre Pläne für eine neue Rellerlibahn in Angriff nehmen – wenn sie das erforderliche Kapital von 10 bis 12 Millionen aufbringen.

So hoch schätzt die von den FDR beauftragte Garaventa AG die Kosten gemäss ihrer Projektstudie. Sie geht bei der Erschliessung des Rellerli von einer Zehnergondel mit direkter Linienführung aus, die rund 600 Personen pro Stunde transportiert. Pro Kabine können auch 2 bis 3 Bikes mitgeführt werden. Bertarelli könnte die Bahn auch als Privatlift mit der von ihm bestellten Anzahl VIP-Kabinen nutzen.

Nächster Schritt bei der BDG

«Wir sind mit dem kantonalen Amt für Wald in Kontakt», erklärte Ernst B. Frautschi von der Strategiegruppe FDR den Stand. Er verwies auf das Datum 20. Dezember 2020, wenn die neue Bahn in Betrieb gehen sollte. «Ein Gast hat uns die Augen aufgetan», lobte er das Engagement von Baur. Und spielte der BDG den Ball zu: «Der nächste Schritt ist, dass sie als Betreiberin die Betriebsverlängerung eingibt.» Mit 67 000 Franken in der Vereinskasse werden Vorstand und Strategiegruppe die Planung weiter vorantreiben.

Zuvor waren neben Max Baur als Präsident auch Heinz Welten (Kassier), Heinrich Welten (Sekretär), Paul Wehren, Roland Reichenbach und Ernst B. Frautschi in den Vorstand gewählt worden.

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