Akutspital-Standort nicht infrage gestellt

Die Versorgung im Spital Zweisimmen sei nicht gefährdet. Dies versicherte Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg an einem offiziellen Treffen.

Gesundheitsminister Pierre Alain Schnegg sicherte dem Spital Zweisimmen seine Unterstützung zu.

Gesundheitsminister Pierre Alain Schnegg sicherte dem Spital Zweisimmen seine Unterstützung zu. Bild: Andreas Blatter

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Die Reaktionen in Thun und im Oberland fielen Mitte September harsch aus, als die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) verkündete: Der Kanton beteiligt sich nicht mit 3,4 Millionen Franken pro Jahr am defizitären Betrieb des Spitals Zweisimmen im Bereich Akutversorgung, Alterswohnen und Hausarztmedizin. Um diesen Betrag hatte die Spital STS AG am 27. Februar angesucht, damit es dem gesetzlich verankerten Versorgungsauftrag in der Region Obersimental und Saanenland nachkommen kann.

«Enttäuscht und bestürzt»

Hintergrund ist der seit dem Sommer 2014 geplante Neubau des Spitals am Standort Zweisimmen, um die drei Angebote Akutversorgung, Alterswohnen und Hausarztmedizin unter einem Dach zu betreiben. Von der Investition von 51,8 Millionen Franken betreffen 43 Millionen das neue Akutspital. Auf den abschlägigen Bescheid des Kantons, sich am Betriebszdefizit zu beteiligen, reagierte das Spitalunternehmen enttäuscht: «Eine Lösung rückt damit in weite Ferne», kommentierte es am 16. September in dieser Zeitung.

Bestürzt reagierte damals auch der Gemeinderat von Zweisimmen. Die Regierung stelle mit diesem Entscheid das Projekt mit Akutversorgung, Alterswohnen und Hausarztmedizin grundsätzich infrage, hiess der Vorwurf. Die Exekutive verlangte umgehend Gespräche unter den beteiligten Partnern.

Alternativen skizziert

Eine solche rund zweistündige Gesprächrunde mit Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) hat nun mit 22 Grossräten, Behördenmitgliedern, Delegierten der Bergregion aus dem Simmental und Saanenland und SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal (Gstaad) am frühen Mittwochabend im Berner Rathaus stattgefunden. Dabei wurden die Hintergründe des Beschlusses der GEF detailliert erläutert.

Die GEF hatte schon Mitte September festgestellt, dass es viele offene Fragen hinsichtlich des künftigen Betriebs und insbesondere des Angebotsportfolios gibt. Daher hat sie das Gesuch der STS AG in der gegenwärtigen Form abgelehnt und ihre Bereitschaft geäussert, ein allfälliges neues Gesuch zu prüfen, sobald die offenen Fragen zum vorgesehenen Neubau und zum Betriebskonzept geklärt sind.

Im Gespräch am Mittwoch wurden Alternativen zum Neubauprojekt der STS AG skizziert, ohne jedoch die Kompetenzen des zuständigen Verwaltungsrates zu tangieren, der letztlich entscheiden wird. Vom Verwaltungsrat erwartet die GEF weiterhin zusätzliche Abklärungen sowie neue Vorschläge.

Nächstes Treffen im Winter

Die Versorgung des Spitals Zweisimmen bleibt «auf einem hohen Niveau» – so die GEF – gewährleistet. Daran ändert auch der Beschluss des Verwaltungsrats der Spital STS AG nichts, dass der geplante Neubau des Spitals für die Region Obersimmental und Saanenland vorläufig sistiert wird (siehe Infobox).

«Der Grundsatz eines Akutspitalstandortes in der Region wird von keiner Seite infrage gestellt», teilt die GEF mit. Vereinbart wurde, dass die GEF und die Vertreterinnen und Vertreter der Region im engen Kontakt bleiben. Ein weiteres Treffen der Delegierten aus dem Obersimmental und dem Saanenland mit Regierungsrat Schnegg ist schon provisorisch für Dezember oder Januar angesetzt worden. «Wichtig war, dass am Mittwochabend alle auf den gleichen Wissensstand aus erster Hand gekommen sind», erklärte der Gstaader SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal als Sprecher auf Anfrage.

«Offenes und gutes Gespräch»

Er spricht von einem «offenen und guten Gespräch», in dem Schnegg zusicherte, dass der Regierungsrat alles tun werde, um eine zuverlässige Lösung für das Spital Zweisimmen zu finden. Es wird allerdings zu Verzögerungen kommen. Denn Fakt ist: Das Spital Zweisimmen kann seine Kosten nicht decken.

«Für uns ist eine gute Zusammenarbeit mit der Gesundheitsdirektion und der STS AG eine wichtige Voraussetzung, damit der gesetzlich verankerte Ver­sorgungsauftrag erfüllt werden kann», sagt von Siebenthal. «Es geht uns nicht darum, irgend­jemandem den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern Lösungen anzustreben und alle ins gleiche Boot zu holen.» Bis der politische Entscheid fällt, wird es noch Zeit brauchen.

Zusammen mit der Waadt?

Vor diesem Treffen hat Regierungsrat Pierre Alain Schnegg bilateral mit dem Präsidenten des Verwaltungsrates der Spital STS AG, Thomas Bähler, das weitere Vorgehen besprochen. Er hat ihm seine Erwartungen mitgeteilt und ihm zugesichert, dass die GEF alles daransetzt, auch mittel- und langfristig die Versorgung der Region mit einem Akutspital sicherzustellen (siehe Infobox).

So ist die GEF insbesondere bereit, ein neues Finanzierungsgesuch zu prüfen. Sie ist aber auch offen, Alternativen zu prüfen, zum Beispiel den Betrieb des Standortes Zweisimmen durch oder in Kooperation mit einem dritten Leistungserbringer, privat oder öffentlich. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Nachbarkanton Waadt wird nicht aus­geschlossen. Für genauere Aus­führungen zu letztgenannten Punkten war Pierre Alain Schnegg gestern leider nicht zu erreichen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 12.10.2017, 12:08 Uhr

Sas sagt die STS AG

Thomas Bähler, Verwaltungsratspräsident der Spital STS, bestätigt die vorläufige Sistierung des Spital-Neubaus in Zweisimmen: «Wir haben in unserem Antrag geschrieben, dass wir den Neubau nur bei nachhaltiger Deckung der Vorhalteleistungen auslösen werden.» Der Gesundheitsdirektor engagiere sich laut dem Verwaltungsratspräsidenten «persönlich stark für eine Lösung und wird sich auch mit seinen Vorstellungen einbringen». Und zudem wollen alle Beteiligte – die Region, Spital STS und die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) – eine baldige Klärung und eine gute Gesundheitsversorgung im Simmental-Saanenland.

«Herr Schnegg zeigt Leadership und Engagement für unsere Region, soviel ist klar», meint Thomas Bähler. «So kann die STS die einstweilige Abweisung unseres Antrags auch besser einordnen», so der Verwaltungsratspräsident der Spital STS AG. «Wir stehen weiterhin hinter unserem Projekt. Es ist die beste Lösung bei den vorgegeben Rahmenbedingungen. Die Karten werden neu gegeben, und wir sind offen für die neuen Ideen und Ansätze.» Die konkreten nächsten Schritte werden nun mit der GEF noch geklärt, so Bähler. sp

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