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Gwattlischenmoos: Statthalter bewilligt neuen Schutzzaun

GwattNeuer Schilfschutzzaun, künstliches Riff und Totholzstrukturen am Seeboden: Für 1,5 Millionen Franken wird der Naturschutz im Gwattlischenmoos verbessert.

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Im und rund um den Bonstettenpark im Gwatt wird es verteilt auf die nächsten drei Jahre einige Veränderungen und Instandstellungen geben. So baut die Stadt etwa einen neuen Spielplatz beim TCS-Campingplatz ausserhalb des Parks, und am Standort des heutigen Spielplatzes im Park realisieren die Stadt und der Kanton als Eigentümer eine Kiesinsel.

Am Dienstag hat der Regierungsstatthalter von Thun grünes Licht für den Ersatz des alten Schilfschutzzauns und weitere Aufwertungsmassnahmen im Gwattlischenmoos gegeben. Marc Fritschi hat die beiden hängigen Einsprachen abgewiesen und die Baubewilligung erteilt, wie er in einer Medienmitteilung wissen lässt.

«Finanziert werden die Baukosten von rund 1,5 Millionen Franken zu einem grossen Teil durch den Bund, über den Re­naturierungsfonds des Kantons Bern sowie durch weitere Subventionen und Beiträge», ergänzt Andreas Fuchs. Er präsidiert den Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee (UTB), der die Bauherrschaft für das Vorhaben übernommen hat.

Totholz und Pfahlbauresten

In den Baukosten enthalten ist der Ersatz des Zaunes, der in Koordination mit der neuen Kiesinsel einen veränderten Verlauf erhält. «Der Zaun wird in einer versetzten Linie zur bestehenden Vogelinsel geführt – und von dort weiter ins Gwattlischenmoos», erklärt Andreas Fuchs. Der Naturschutz werde zudem mit einem künstlichen Riff aufgewertet. «Wir setzen neue Schilfpflanzen, und in den Seeboden stecken wir Totholzstrukturen.»

«Die Arbeiten und verwen­deten Materialien sind nach der entdeckten Pfahlbausiedlung durch den archäologischen Dienst bei unserem Vorhaben entsprechend geändert worden», ergänzt Andreas Fuchs (siehe weiter unten). Es sei wichtig, dass mit den Baumassmassnahmen keine archäologischen Schätze im Seeboden beschädigt würden.

Flachmoor und Naturschutz

«Das Gwattlischenmoos in den Gemeinden Thun und Spiez ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung, dessen Naturschutzgebiet rund 18 Hektaren umfasst», begründet Fritschi seinen Entscheid. Die Schilfflächen sind für Vögel und Fische ein wichtiges Brut- beziehungsweise Laichgebiet. Der Zaun sei in einem schlechten Zustand, und das Naturschutzgebiet Gwattlischenmoos brauche optimalen Schutz. «Seit dem Kanderdurchstich von 1714 wird das Schilf durch Wellen und Schwemmholz beeinträchtigt», erläutert der Statthalter.

Die abgewiesenen Einsprachen betreffen eine befürchtete Beeinträchtigung der Hafenbenutzung in Einigen und die Angst vor einem verminderten Hochwasserschutz. «Die nachbarrechtlichen Ansprüche werden als Rechtsverwahrungen vorgemerkt», sagt Fuchs. «Ohnehin erscheint uns zumindest fraglich, ob die Massnahmen überhaupt zu den befürchteten Problemen führen würden.» Er hoffe, dass die Beschwerden nicht vor die nächste Instanz gezogen würden.

Submission und Baustart

Bevor der UTB mit dem Bau starten kann, erfolgt jetzt die Submission. «Wenn alles klappt, liegen die Offerten Anfang Juni vor, und Mitte Juni können wir die Arbeiten vergeben», erläutert Andreas Fuchs das weitere Vorgehen. Und: «Die erste Etappe startet im August, die zweite erfolgt im Sommer 2019.»

Im Seeboden beim Schilfschutzzaun fand der Kanton Resten von Pfahlbauten
Bei der Planung für den Ersatz des Schilfschutzzaunes hat der archäologische Dienst den Seeboden untersucht. Das Resultat: Er fand Beweise für eine Pfahlbausiedlung.

Auch im Gebiet beim Schilfschutzzaun im heutigen Naturschutzgebiet im Gwatt stand in der Stein- und Bronzezeit eine Pfahlbausiedlung. Der Kanton Bern hat immer mit Siedlungsresten auf der gesamten Uferstrecke zwischen Thun und der Kandermündung gerechnet und – im Bereich Schadau zum Beispiel – auch schon welche entdeck. Seit den Bohrungen im letzten Sommer hat sich für den archäologischen Dienst aber bestätigt, dass auch im Gwatt Pfahlbauer gelebt ­haben.

Die Bohrungen ausgelöst hat der bevorstehende Ersatz des rund 550 Meter langen Zaunes, der von der Schorenkopfinsel im Bonstettenpark in einer Entfernung von rund 100 Metern parallel zum Ufer verläuft.

Auch später Grabungen

«Damit die archäologische Schicht im Bereich der Pfahlbausiedlung nicht zerstört wird, dürfen unsere Baumassnahmen nur über dem bestehenden Seegrund entstehen», sagt Andreas Fuchs, Präsident des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee (UTB). Der UTB ist Bauherr, da mit dem Zaunersatz Aufwertungsmassnahmen im Uferbereich einhergehen. Es handle sich dabei um ein Riff aus Flusskies und sogenannten Totholzstrukturen aus Wurzelholz. «Dieses bietet ideale Laichplätze und beschädigt weder Seegrundschichten noch darunterliegende archäologische Schätze.» Der Kanton könne jederzeit wieder graben und bohren.

Wie im Bericht des archäologischen Dienstes steht, wurden im Bereich des Zaunes und in Ufernähe 75 Kernbohrungen vorgenommen. «Die Bohrkerne wurden in Halbschalen ausgepresst, geschnitten und die Schichtabfolge dokumentiert», ist zu lesen. Und: «In einigen Bohrungen konnten organische Bänder beobachtet werden.» Im Seeboden befanden sich auch viele Holzkohlen und weitere verbrannte Reste. «Wir konnten verkohltes Getreide, Druschreste und Reste von typischen Sammelpflanzen wie Haselnüssen, Bucheckern sowie Himbeer- und Brombeer­samen nachweisen», steht im Bericht. Zwar hätte es mehr Bohrungen dazu gebraucht, die Ausdehnung der Siedlung zu erkennen. Klar ist aber trotzdem: «Es handelt sich hier um eine bedeutende Neuentdeckung. Nur wenige Pfahlbaufundstellen besitzen eine vergleichbar mächtige Überdeckung und sind nicht akut ­erosionsgefährdet.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.04.2018, 12:38 Uhr

Stadt Thun

Keine Einsprachen

Der Ersatz des Schilfschutz­zaunes ist mit den geplanten Vorhaben im Bonstettenpark im Gwatt koordiniert. Der Kanton Bern und die Stadt Thun als Eigentümerin des Parks wird den Bereich Freizeit und Naturschutz trennen. Im Park entsteht anstelle des Spielplatzes eine Kiesinsel, wird der Kanal vom Schilf befreit und der Parkplatz aufgehoben. Stattdessen realisiert die Stadt vor dem TCS-Campingplatz einen neuen Spielplatz und verbreitert den Parkplatz, der sich entlang der Gwattstrasse befindet.

Die Baugesuche für den neuen Spielplatz, die Verlegung und die Verbreiterung des Parkplatzes sind erfolgt. «Es sind keine Einsprachen eingegangen», sagt Katja Brunetta Brunner, stellvertretende Leiterin Amt für Stadtliegenschaften, auf Anfrage. Mit den Parkplatzarbeiten wird im Juni begonnen, mit dem Bau des Spielplatzes im September. Das Gesuch für die Landschaftsarbeiten im Park ist derzeit publiziert.

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