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Seilpark verwüstet und Glück in Adelboden

Der Sturm vom Mittwoch zerstörte nicht nur den Seilpark in Matten, sondern behinderte auch die Arbeiten an der Weltcupskipiste in Adelboden.

Zwei Plattformen des Seilparks in Matten in Schräglage. Auch die anderen Elemente des Parks sind durch den Strum zerstört worden.
Zwei Plattformen des Seilparks in Matten in Schräglage. Auch die anderen Elemente des Parks sind durch den Strum zerstört worden.
Hans Urfer

Erich Balmer ist fassungslos. «So etwas hab ich noch nie gesehen», sagt der Initiant des auf seinem Grund und Boden stehenden Seilparks in Matten. Vor rund zehn Jahren ist die Infrastruktur des Adven­ture-Angebots am oberen Ende der Wagnerenschlucht erstellt worden – und ist seit am Mittwochmittag völlig zerstört. «Mehr als zweihundert Jahre alte Bäume wurden einfach so entwurzelt», sagt Balmer mit leiser Stimme.

Mehrere der sich in 20 Metern Höhe befindenden Plattformen sowie Verbindungsbrücken des neun Parcours umfassenden Parks liegen auf dem Boden, von entwurzelten Bäumen bedeckt.

Ob Balmer den Seilpark wieder aufbauen lässt, um wie angekündigt am 30. März in die Sommersaison starten zu können, liess er am Mittwoch offen. «Ich kann es noch immer nicht glauben und muss diesen ­Anblick zuerst einmal verarbeiten», sagte Balmer.

Weltcup Adelboden: Keine Zäune

Das Fixieren von Zäunen entlang der Weltcupskipiste in Adelboden stand am Mittwoch auf dem Programm. Daraus wurde nichts. «Die stürmischen Winde, aber auch die Tat­sache, dass die Bahn nicht in Betrieb war, machten das Anbringen der Zäune unmöglich», sagte Kathrin Hager, Geschäftsführerin des Weltcupevents, auf Anfrage. «Glücklicherweise sind jedoch keine grossen Schäden zu vermelden», sagte Hager und ist überzeugt, dass der Arbeitsrückstand mit Nachtschichten wieder wettgemacht werden kann.

Aus Sicherheitsgründen musste das Ice-Magic-Areal in Interlaken geschlossen werden.

Zerfetzte Plastikplanen auf dem Areal von Ice Magic. Bild: Hans Urfer
Zerfetzte Plastikplanen auf dem Areal von Ice Magic. Bild: Hans Urfer

Gäste mit Schneeräumzug befördert

Unterbrochen war auch die Brünig-Berg­strecke der Zentralbahn, und sämtliche Oberländer Bergbahnen stellten ihren Betrieb ein.

Auf der Kleinen Scheidegg hielt der Sturm die Feriengäste im Haus fest. Wer abreisen musste, wurde mit einem Schneeräumzug der Jungfraubahnen ins Tal gebracht. Auf den Postautolinien musste der Betrieb zwischen Reichenbach und Kiental, zwischen Interlaken-West und Beatenberg sowie zwischen Brienz und Axalp eingestellt werden. Störungen gab es auch bei RBS und Bernmobil. Auf dem Thunersee verkehrten zudem keine Schiffe, und auch der Grossteil der Bergbahnen im Berner Oberland stand still.

Zufahrt blockiert: Äste liegen bei der Tankstelle «Drei Tannen» in Interlaken. Bild: Hans Urfer
Zufahrt blockiert: Äste liegen bei der Tankstelle «Drei Tannen» in Interlaken. Bild: Hans Urfer

40'000 Kunden ohne Strom

Im Tierpark Dählhölzli sind von Burglind 25 Buchen gefällt worden. Auch seien mehrere Zäune beschädigt worden, etwa bei den Wölfen, den Bären, den Wildschweinen und den Wisenten. Tierparkdirektor Bernd Schildger schliesst nicht aus, dass Tiere entweichen konnten. Er spricht von Schäden im sechsstelligen Bereich. «Insgesamt ist der Schaden bei uns viel grösser als nach dem Sturm Lothar.»

Gemäss BKW-Mediensprecher Gilles Seuret waren 40'000 BKW-Kunden ohne Strom. Am schlimmsten betroffen waren die Gebiete Jura, Emmental und Oberland, insgesamt wurden im Einzugsgebiet der BKW 35 Leitungen vom Sturm beschädigt, dies grösstenteils durch umgestürzte Bäume. Wann die Störungen behoben sein werden, konnte Seuret nicht sagen.

Nicht vergleichbar mit Lothar

Gesamthaft gingen bei der Kantonspolizei Bern bis Mittwochabend 700 Meldungen wegen Sturmschäden ein. Zehn Personen wurden verletzt. Neben den acht Betroffenen beim Zugunglück an der Lenk mussten in Worb ein Mann und ein Kind leicht verletzt ins Spital gebracht werden, nachdem ein Baum auf ihr Auto gestürzt war.

Die Berner ­Gebäudeversicherung spricht von einem «mittelgrossen Ereignis mit einer beachtlichen Anzahl Schadenmeldungen innert kurzer Zeit». Sie verzeichnete bis am Nachmittag rund 1000 Meldungen, so Mediensprecherin Julia Zosso.

Umgestürzte Bäume bedecken dieses Fahrzeug auf dem Parkplatz der Heimwehflubahn in Interlaken. Bild: Hans Urfer
Umgestürzte Bäume bedecken dieses Fahrzeug auf dem Parkplatz der Heimwehflubahn in Interlaken. Bild: Hans Urfer

Und weiter: «Aufgrund von Erfahrungswerten schätzen wir, dass das Ereignis insgesamt zwischen 3000 und 5000 Schadenmeldungen nach sich ziehen und eine Gesamtschadensumme von 6 bis 10 Millionen Franken ­aufweisen wird.» Somit sei Burglind «in keiner Weise» mit dem Sturm Lothar vergleichbar. Damals verzeichnete die Gebäudeversicherung Bern Schäden von 150 Millionen Franken.

Weitere Bilder zu den Sturmschäden aus dem ganzen Kanton Bern:

«Burglind meint: ‹Meine Arbeit ist getan, ich muss mich ausruhen!›», schreibt Andreas Schaller.
«Burglind meint: ‹Meine Arbeit ist getan, ich muss mich ausruhen!›», schreibt Andreas Schaller.
Andreas Schaller, Leserreporter
In der Gemeinde Köniz sind bis Donnerstagvormittag 50 Schadensmeldungen eingegangen.
In der Gemeinde Köniz sind bis Donnerstagvormittag 50 Schadensmeldungen eingegangen.
zvg/Gemeinde Köniz
Dieser Baum knickte um wie ein Streichholz: Burglind wütete auch auf dem Huttwilberg.
Dieser Baum knickte um wie ein Streichholz: Burglind wütete auch auf dem Huttwilberg.
Walter Mosimann
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