Spiez

Seine Präsenz am Bahnhof wird fehlen

SpiezSeit 34 Jahren gehört Samuel Wyss zum Erscheinungsbild des Bahnhofs Spiez. Zuerst beim Gepäckumlad, seit 2004 beim Clean Team und beim Schmieren von Weichen. Ende Monat steigt er letztmals von der Wischmaschine.

Noch bis Ende  Oktober ist  Samuel Wyss  mit der Wisch­maschine am Bahnhof Spiez  anzutreffen.

Noch bis Ende Oktober ist Samuel Wyss mit der Wisch­maschine am Bahnhof Spiez anzutreffen. Bild: Guido Lauper

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Im Dorf Burgistein im Gürbetal hörte der 1955 geborene Samuel Wyss die Züge der damaligen Gürbetal-Bern-Schwarzenburg-Bahn nur, wenn der Föhn blies. Doch während der Schulzeit oder wenn er mal auf den Schienen unterwegs war, wurde ihm bald klar «Kondukteur will ich werden.» Nicht zuletzt weil er die Personenzüge mit offenen Plattformen bewunderte.

Wegen der Augen wurde es dann nichts mit Kondukteur, doch nach dem damals üblichen Welschland-Jahr begann er mit 17 als Jungarbeiter. «Als Stationsarbeiter war ich bis ins Seeland unterwegs, doch harte Arbeit fiel mir nie schwer», sagt er. «Wir waren auf dem Bauernhof meiner ­Eltern von Kindesbeinen an gewohnt anzupacken.» Er erinnert sich vor allem an das prächtige Herbstwetter, als er mit seinen Kollegen beim Kiesablad für den Bau der Autobahn bei Gümmenen am Abend alles andere als sauber aus den Arbeitskleidern stieg.

Wanderjahre und Geissböcke

Nach Wanderjahren quer durch manchen Bahnhof begann Samuel Wyss 1984 seine Karriere als Betriebsangestellter in Spiez. Was fast banal klingt, war mit viel Abwechslung und spannenden Erlebnissen verbunden. «Damals luden wir noch lebendige Tiere aus, vom unruhigen Kalb bis zum stinkenden Geissbock», erzählt er. «Dabei wurden wir von staunenden Asiaten beobachtet, die vermutlich zum ersten Mal einen Geissbock am Bart streicheln durften – und den Gestank mit auf die Reisen nahmen.»

«Damals luden wir noch lebendige Tiere aus, vom unruhigen Kalb bis zum stinkenden Geissbock.»Samuel Wyss

Aber auch jene Dame im wahrsten Sinn des Wortes erwähnt er, «die mir mehrmals den Schlüssel ihres Mercedes in die Hand drückte mit der Bitte, ihn zu parkieren, und ab in Richtung Italien verreiste.» Da war auch jene Sängerin vom Schloss Spiez, der Samuel Wyss das Glätten ihres Kleides durch eine Kollegin im Bahnhofbuffet vermittelte.

«Wir luden Stückgut aus, lagerten es im Schopf, bis es die Camioneure abholten. Da schleppten wir noch Milchkannen und ver­luden den ‹Oberländer› mit Zielort Thun», sagte er beim Gespräch mit dieser Zeitung. 2003 schafften die Schweizer Bahnen den Gepäckumlad ab. Die Mitarbeitenden gehörten fortan zum Clean-Team. Seither sind die BLSler in allen zum Unternehmen ge­hörenden Bahnhöfen unterwegs. Geblieben ist der Ein- und Auslad von Reisenden in Rollstühlen.

Dankbarkeit herrscht vor

Wie dankbar er seiner Arbeit­geberin ist, illustriert er an einem Beispiel: «Der Gefahr der leisen Züge mit Scheibenbremsen beim Weichenschmieren begegnete die BLS mit einem speziellen Sicherheitssystem und umfangreicher Instruktion der Arbeitenden. Dort, wo der Überblick fehlte, durften wir Weichen sogar sperren lassen.»

Dankbar ist er auch für 45 Jahre ohne grosse Unfälle – und für die abgeschaffte Gefahrenquelle der Gleisübergänge von Perron zu Perron für Gabelstapler und Kofferkulis. «Heute benützen wir ausnahmslos die Unterführung», freut er sich.

Samuel Wyss oblag unter vielem andern die Sauberkeit des Bahnhofs. Wobei das Liegenlassen von «Ghüder» und zunehmender Vandalismus zu den weniger schönen Seiten seines Berufes gehörten.

Tempi passati. Am 1. November wirds ruhiger. «Ich war Vollbluteisenbahner, da konnte ich in der Freizeit kaum loslassen», gesteht er. Nun will sich der zweifache Vater mit seiner jetzigen Frau Bea­trice den Hobbys und dem Haushalt widmen. Dazu ausgedehnt Velo fahren oder auch mal die Kawasaki aus der Garage holen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.10.2017, 11:05 Uhr

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