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So sah der Alltag im Schloss Wimmis aus

Das Schloss Wimmis und dessen Bewohner sind zu wenig bekannt. Die Kommission für Dorfgeschichte will das ­ändern. Am Freitag schon mal mit einem Vortrag, der die ­Frage «Was ist dort oben passiert?» zum Teil beantwortete.

Wenig ist bekannt über das Schloss Wimmis und seine Bewohner.
Wenig ist bekannt über das Schloss Wimmis und seine Bewohner.
zvg
Franz Rudolf Frisching war letzter Landvogt auf Schloss Wimmis.
Franz Rudolf Frisching war letzter Landvogt auf Schloss Wimmis.
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«Wie eindrücklich das beleuchtete Schloss Wimmis ist, haben Sie bei der Ankunft heute Abend gesehen.» Mit diesen Worten begann Rudolf Schneiter seinen Vortrag vor den 40 Besuchern in der Pfrundscheune Wimmis. Schloss Wimmis ist kein Museumsschloss, darum ist allgemein wenig über seine Geschichte und Bewohner bekannt. Der Vortrag der Volkshochschule Spiez-Niedersimmental gab einen Überblick der Baugeschichte und deren Besonderheiten und Einblicke in das Leben der Bewohner. Der Schwerpunkt galt der Zeit der bernischen Herrschaft.

Rudolf Schneiter, Präsident der Kommission für Dorfgeschichte Wimmis, hat bei verschiedenen Quellen recherchiert und interessante Berichte und Hinweise gefunden. Rund um das Schloss gibt es jedoch viele Geschichten, die interessant klingen, aber nicht stimmen. Daher präsentierte der Referent nur eindeutig dokumentierte Fakten und setzte verschiedene Fragezeichen.

Der Turm am Rebberg

Spuren erster, frühgeschichtliche Befestigungen wurden auf dem Pintel gefunden. Fraglich ist, ob zur Zeit der Römer anstelle des heutigen Schlosses ein Turm stand. Wohl aber wurden von ihnen am Pintel Reben gepflanzt, was sich von der Deutung des ­Namens Wimmis (Vin-demias =Rebberg) ableiten lässt. Zur Zeit des ersten schriftlichen Nachweises von Wimmis um 994 bestand wohl eine erste Burg, vielleicht auch nur eine Holzburg am Fusse der Burgfluh.

Ab circa 1100 gehörte Wimmis den Herren von Strättligen und später mit dem Städtchen den Freiherren von Weissenburg. Zusammen mit anderen Burgen und beiden Letzimauern in Port und Spissi bildete die Burg Wimmis einen eindrücklichen Verteidigungsriegel zum Eingang ins Simmental.

Zwischen 1286 und 1349 wurde Wimmis während der Weissenburger Kriege insgesamt neunmal von den Bernern belagert. Dabei wurde das Städtchen mehrmals zerstört und die Burg zweimal erobert. Nach dem Friedensschluss 1334 zwischen den Bernern und den Weissenburgern kam Wimmis durch Erbgänge in verschiedene Hände, bis 1449 der erste der rund 70 bernischen Tschachtlane (Kastlane oder Landvögte) im Schloss einzog. Nach 1803 beherbergte es die Oberamtmänner, nach 1830 Regierungsstatthalter sowie das Amtsgericht, bis 2015 die Waldabteilung Alpen einzog. Grössere Umbauten erfolgten 1557 sowie 1740 und Renovationen um 1900 sowie 1949/1950.

Beim Käsmahl wurde getafelt

Anhand eines Gedichts «Reime über das Käsmahl zu Wimmis» von Kastlan Franz Ludwig Steiger an Schultheiss Frisching in Thun schilderte der Referent eindrücklich die vielfältige Speisefolge des traditionellen Käsmahls: Huhn an gelber Sauce, Kalbs- und Ochsenbraten, gebratene Lerchen, Lungenmüsli und delikater Spiezer Wein.

1741 waren rund 70 Personen im Schloss versammelt, und ein Schulmeister sang das Lied «Vreneli vom Guggisberg», was der älteste Nachweis dieses melancholischen Volksliedes ist. Das Käsmahl war eine Zusammenkunft der Amtsleute und wichtiger Vertreter der Talschaft mit dem Kastlan zum Anfang des neuen Jahres. Die Talleute spendeten als Gastgeschenk für die obrigkeitliche Bewirtung einen braven Laib Simmentalerkäse.

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