«Spiez, glaube ich, ist das Paradies»

Soulröhre Stefanie Heinzmann spielte am Freitag am Seaside-Festival. Im vorgängigen Interview sprach die Sängerin aus Visp-Eyholz über das «Phänomen Spiez» und ein «herziges» Open Air.

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Was dauert exakt 25 Minuten?
Stefanie Heinzmann: (überlegt angestrengt ...) Genau 25 Minuten? (überlegt angestrengt) Ich weiss es: 25 Minuten!

Auch korrekt. So lange dauert auch die Fahrt von Visp via ­Neat-Basistunnel nach Spiez.
Sind das nicht 24 Minuten? Nein, es ist doch länger ...

... ja, bis zu 27 Minuten, die kürzeste Verbindung dauert deren 25. Sie sind per Zug ans Seaside Festival gereist?
Ja, ich bin sehr viel mit dem Zug unterwegs. Speziell die Strecke von Visp nach Zürich Flughafen fahre ich äusserst oft.

«Ehrlich gesagt ist Spiez ein Phänomen für mich.»

Welchen Bezug haben Sie als Oberwalliserin zu Spiez?
Ehrlich gesagt ist Spiez ein Phänomen für mich. Ich bin so selten da, fahre aber immer durch. Ich kenne sehr viele Leute, die hierhergezogen sind. Spiez ist, glaube ich, das Paradies, wo jeder hinwill, weil es das hat, was das Wallis eben nicht hat, den See. Es ist einfach wunderschön hier.

Ist das heute ein Heimspiel für Sie?
Definitiv, ja. Meine Familie ist da, ebenso mein Freund und meine Kolleginnen – alle sind sie heute gekommen, weil es so nah ist.

Sie haben hoffentlich nicht Fendant in die «Üsserschwiiz» mitgenommen und trinken Spiezer.
Nenei, ich trinke gar keinen Wein, ich bin mit meinem Wasser (tippt auf ihre Flasche) ganz gut bedient (lacht).

Polo Hofer, Hanery Ammann, Gölä, Philipp Fankhauser, Sandee, Trauffer oder Veronica Fusaro: Das Oberland hat unzählige namhafte Stimmen. Was glaubt die erfolgreiche Oberwalliserin – wirkt da die Kraft der Berge?
Ganz bestimmt sogar! Das muss die Kraft der Berge sein. Mir persönlich haben die Walliser Berge viel Energie gegeben. Und vor allem so viel Rückhalt. Das machte mich zu dem Menschen, der ich bin.

Ihr nunmehr fünftes Studio­album steht an. Wann hören wir etwas Neues von Ihnen?
Wir sind im Studio und ganz fleissig an der Arbeit. Es wird im September schon mal eine kleine Überraschung geben. Ich kann aber nicht mehr sagen, sonst wäre es ja keine Überraschung ... Es wird definitiv im Januar die erste Single vom Album geben, welches im Frühjahr veröffentlicht wird.

Sie feiern dieses Jahr Ihr ­10-Jahr-Jubiläum als Solokünstlerin. Welches war da Ihr Sommer-Highlight?
Ich bin zum ersten Mal seit zehn Jahren in den Ferien gewesen, ganze drei Wochen lang, in Norwegen. In den letzten zehn Jahren habe ich zur Sommerzeit sonst immer gearbeitet und die Festivals gespielt.

2014 wählten Sie als Jurorin der TV-Show «The Voice of Switzerland» die junge Thunerin Veronica Fusaro in Ihr Team. Heute spielt sie am Abend auf der Seaside-Session-Bühne. ­Hören Sie bei ihr rein?
Ich werde dann leider schon weg sein, wir fahren nach dem Konzert mit dem Bus für einen Auftritt von morgen nach Deutschland.

«Es gibt absolut kein Festival, das es nicht brauchen würde!»

Das Spiezer Seaside Festival steckt zweijährig noch in den Kinderschuhen. Wie ist Ihr erster Eindruck – hat es bei der Fülle an Festivals seine Daseins­berechtigung?
Es gibt absolut kein Festival, das es nicht brauchen würde! Ich finde es megaschön, ganz herzig gemacht. Ich habe aber leider noch nicht allzu viel gesehen.

«Ihrem» Open Air Gampel macht es aber noch nicht Konkurrenz ...
... Gampel tüen ich mit nix vergliiche. Das hat einen ganz anderen Stellenwert für mich, das isch halt mis Deheime!

Vor just zehn Jahren sind Sie mit dem Castingsieg in Stefan Raabs «TV total» durchgestartet, um dann kometenhaft aufzusteigen. Was täte Handelsschulabsolventin Stefanie Heinzmann heute, hätte sie damals bei Raab nicht reüssiert?
Diese Frage kann ich Ihnen wirklich nicht beantworten. Das ist zehn Jahre her – ich wollte damals Sekretärin werden. Ich würde aber sicher singen, doch ganz sicher nicht auf dem Level.

Bei Bigfish, Ihrer Mundartband, die vor Ihrem Aufstieg den Hit «Chum ins Wallis» landete?
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich habe keine Ahnung, ob ich ­jemals wieder Mundart singen werde. Ich blicke nicht so gerne in die Zukunft ...

(Berner Oberländer)

Erstellt: 24.08.2018, 19:55 Uhr

Stefanie Heinzmann

In einer Dekade vom Casting-Sternchen zur Soul- und Popgrösse: Die inzwischen 29-jährige Stefanie Heinzmann aus Visp-Eyholz wurde 2008 bekannt, als sie in Stefan Raabs «TV total» die Castingshow «SSDSDSSWEMUGABRTLAD» (Abkürzung für «Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf!») gewann – und einen Plattenvertrag erhielt. Sie war die erste Schweizerin, die bei einer deutschen Talentshow obenaus schwang.

Seither hat die Oberwalliser Powerstimme vier Alben veröffentlicht, allein das Debüt verkaufte sich fast eine Viertelmillion Mal. Das fünfte folgt noch in diesem Herbst. Mit ihrer Band tourt die frühere Handelsschülerin am Kollegium Brig hauptsächlich durch Deutschland und die Schweiz, ist aber auch schon in den USA sowie in Teilen Europas aufgetreten. An Preisen erhielt sie unter anderem den Prix Walo, den Echo und drei Swiss Music Awards. Ihre meist breitrandige Sehhilfe ist das optische Markenzeichen Stefanie Heinzmanns. 2009 wurde sie in Deutschland gar zur «Brillenträgerin des Jahres» gekürt. (jss)

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