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Start für die Heimgekommene

Im Spiezer Traditionsbetrieb Binoth bricht eine neue Ära an. Franziska Grossen, die Sonja Binoths Bäckerei-Konditorei mit drei Standorten gekauft hat, startet heute mit ihrem 25-köpfigen Team. Vorerst bleibe alles beim Alten, sagt sie.

Den «Schlüssel» übergeben: Sonja Binoth (l.) empfängt Franziska Grossen, die neue Besitzerin der S. Binoth AG, mit einem gebackenen ­Türöffner im Spiezer Traditionsbetrieb.
Den «Schlüssel» übergeben: Sonja Binoth (l.) empfängt Franziska Grossen, die neue Besitzerin der S. Binoth AG, mit einem gebackenen ­Türöffner im Spiezer Traditionsbetrieb.
Jürg Spielmann

«Ich mache nun weiter, wo ich vor 12 Jahren aufgehört habe», sagt die Mittfünfzigerin in unverkennbarem Stadtbasler Dialekt. Damals hatte Franziska Grossen mit ihrem Mann und den beiden 4- und 1-jährigen Mädchen die Zelte in Spiez abgebrochen. Nach 16 Jahren. Ziel: Schluchsee im Hochschwarzwald. Grund: ein Neuanfang. Ihr Mann, ein Informatiker, strebte mit fünfzig eine Veränderung an. Sie, die Hotel- und Touristikfachfrau, die für ihren Job in der Reisebranche wie er nach Bern pendelte, zog mit. Und so zogen sie aus.

Nun sind sie zurück. Wie diese Zeitung bereits Ende Oktober meldete, hat Franziska Grossen per Neujahr die S. Binoth AG zu einem nicht kommunizierten Preis übernommen. Mit der 25-köpfigen Belegschaft – die Hälfte arbeitet in Teilzeit – führt die neue Besitzerin die traditionsreiche Bäckerei-Konditorei in die Zukunft. Heute hat sie ihren offiziellen Start.

Nichts auf den Kopf stellen

Die 62-jährige Ära Binoth wird dann spätestens Ende März beschlossen, wenn Sonja Binoth ihre Nachfolgerin eingeführt hat. «Ich werde im selben Stil fortfahren», verspricht die neue Besitzerin. Sie verfüge über eine ähn­liche Wellenlänge wie Sonja Binoth. Am Anfang werde es keine Veränderungen geben, weder für die Kunden noch für die Angestellten. «Das wäre schlecht», findet sie – und lobt: «Es ist ein toller Betrieb von hoher Qualität.»

Zwar habe ihre Mutter in der Teppichetage des Basler Läckerli Huus gewirkt und sie einiges von der Zuckerbäckerbranche mitgekriegt, dennoch sieht sich Franziska Grossen als Quereinsteigerin. Eine, die vieles lernen müsse und das von der Basis her tun wolle. «Um die Arbeit sowohl zu verstehen, als auch zu schätzen.» Sie wolle morgens um 4 Uhr Sandwiches streichen oder abends abpacken.

Sie spricht von einem Heimkommen. Nicht nur, aber auch, weil ihr Ehemann als Sohn des letzten Einiger Bahnhofvorstandes in der Spiezer Aussenbäuert aufgewachsen ist. «Der Kontakt zu unseren Freunden ist in den letzten 12 Jahren nie abgebrochen», sagt Franziska Grossen. Trotzdem: Hätte ihr beim Wegzug jemand gesagt, dass sie in etwas mehr als einem Jahrzehnt zurück sei, hätte sie abgewinkt und gesagt: «Das kannst du vergessen!»

Nicht, weil es ihrer Familie am Thunersee nicht gefallen hätte. Sondern, weil sie ihr selbst gebautes Haus für ein Hotel am Ufer des Schluchsees aufgegeben hatte. «Wir erlebten im Hochschwarzwald, nahe meiner Eltern im Fricktal, eine tolle Zeit.» Wieso wird die von einem neuen Lebensabschnitt abgelöst? Die Ausbildung der jetzt 13- und 16-jährigen Töchter hätte sie zur Rückkehr in die Schweiz bewogen. «Nirgends sind die Voraussetzungen besser als hier.»

Darum hatten Grossens begonnen, nach Bäckereien Ausschau zu halten. «Es kamen nur Betriebe aus der Nordwestschweiz oder dem Oberland, wo unsere Wurzeln sind, infrage.» Dass sich hinter einem Inserat aus dem Berner Oberland das Spiezer Binoth verbarg, betitelt Grossen als «ein Puzzleteil für das Gelingen». Ein Weiteres war, dass sie fürs Hotel binnen nützlicher Frist einen Käufer gefunden hatten.

Das Wachsen als Ziel

Wohin soll die Reise des Binoth ­– nebst dem Hauptsitz mit Café umfasst es die Filiale Terminus und den Träffpunkt im Bahnhof – mittel- und langfristig führen? «Ich möchte es ausbauen, dessen Position im Berner Oberland festigen», sagt Franziska Grossen. Sie wolle eine Philosophie der «kleinen, stets gefestigten Schritte» verfolgt. «Das Geschäft wird dann langsam meine Handschrift erhalten.»

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