Der Verlust der KWO-Arbeitsplätze trifft die Region hart

Innertkirchen

Die Verantwortlichen der Kraftwerke Oberhasli AG rechtfertigten in Innertkirchen vor den Medien den angekündigten Abbau von rund 50 Stellen. Sie können mit Verständnis von Vertretern der Region rechnen.

Walter Brog, Gemeindepräsident von Innertkirchen, zeigte an der Medienkonferenz Verständnis für die Situation der Kraftwerke Oberhasli AG, vertreten durch Verwaltungsratspräsident Werner Luginbühl (Mitte) und Andreas Stettler (rechts), Projektleiter «KWO in neuem Umfeld» bei der Hauptaktionärin BKW.

Walter Brog, Gemeindepräsident von Innertkirchen, zeigte an der Medienkonferenz Verständnis für die Situation der Kraftwerke Oberhasli AG, vertreten durch Verwaltungsratspräsident Werner Luginbühl (Mitte) und Andreas Stettler (rechts), Projektleiter «KWO in neuem Umfeld» bei der Hauptaktionärin BKW.

(Bild: Markus Hubacher)

Samuel Günter@samuel_guenter

«Ein Verlust von 50 Arbeitsplätzen am Standort Innertkirchen ist im jetzigen Zeitpunkt hart», erklärte Innertkirchens Gemeindepräsident Walter Brog am Donnerstag an der Pressekonferenz der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) zur Restrukturierung des Unternehmens. Dadurch verschärfe sich die ohnehin angespannte Situation in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und im Tourismus.

Allerdings zeigte er, der als Mitglied des Verwaltungsrates der KWO die Innensicht kennt, Verständnis für den Schritt. «Die Region anerkennt die Notsituation der Branche und schätzt umso mehr den bisher gegangenen Weg der KWO, als Partner mit der Region.»Die nötigen Massnahmen würden mit «hohem sozialen Engagement und der nötigen Zurück­haltung» umgesetzt, ist Brog überzeugt. «Ob ein Angestellter in Innertkirchen verwurzelt ist, Familie und Kinder in der Schule hat, wurde mitberücksichtigt. Da geht es auch um die Schule und die Schliessung von Klassen.»

Keine Kritik an der KWO

Brog wies darauf hin, dass es sich um keinen einmaligen Vorgang handle. Die Region kenne solche Prozesse von anderen Grossprojekten aus den 1970er-Jahren. «Auch als die Grossbaustellen Transitgas und Umwälzwerk an der Grimsel fertiggestellt waren, ging eine beachtliche Anzahl Arbeitsplätze verloren.» Der Unterschied sei, dass die Leute heute bei den KWO direkt angestellt seien. «Nur deshalb tritt heute jemand vor die Medien.» Brog deutet dies als Zeichen der Offenheit und Transparenz.

Peter Flück nennt die Auswirkungen, die der Stellenabbau bei den KWO für die Region hat, «bedeutungsvoll». «Es gehen viele Arbeitsplätze verloren», stellt der Präsident der Regionalkonferenz Oberland-Ost fest und plädiert dafür, die 50 Stellen im Verhältnis zur Bevölkerung zu sehen.

«Für den Raum Bern müsste man die Zahlen mit dem Faktor acht hochrechnen und wäre dann bei 400 wegfallenden Arbeitsplätzen.» Gleichwohl möchte Flück das Unternehmen nicht kritisieren und verweist in diesem Zusammenhang auf den gescheiterten Ausbau der Grimselstaumauer. Und: «Ich rechne es den KWO hoch an, dass sie beispielsweise den Bereich Tourismus weiter fortführen wollen.»

Bauabteilung stark betroffen

Rund die Hälfte der Stellen werden in den Bereichen Engineering, Projektleitung, Bauleitung und Montage abgebaut. Dies weil wegen des Strompreises nach Abschluss des Tandemprojekts kein neues Grossprojekt in Angriff genommen werden könne, wie Andreas Stettler Projektleiter «KWO in neuem Umfeld» bei der BKW erklärte.

Ebenfalls betroffen sei Grimsel-Hydro. Bei der Werkstatt, die nicht nur Dienstleistungen für die KWO, sondern auch für Dritte erbringt, sollen rund 10 Stellen gestrichen werden. Da auch andere Kraftwerksbetreiber mit ­Investitionen, aber auch Erneu­erungsarbeiten zurückhaltend seien, könne das vorhandene ­Auftragsvolumen nicht gehalten werden.

Hotels und Bahnen bleiben

Relativ ungeschoren kommt der Tourismusbereich – die Grimselwelt – davon. «Wir werden keine Hotels oder Bahnen schliessen», erklärte Verwaltungsratspräsident Werner Luginbühl. «Die einzelnen Segemente weisen sehr hohe Frequenzen und einen ansehnlichen Kostendeckungsgrad auf», sagte Stettler. Und die Entwicklung sei positiv. Beim Tourismus orten die Verantwortlichen Sparpotenzial beim «Overhead», bei der Koordination und der Planung der Leistungserbringung. Optimierungen seien möglich, ohne den Personalbestand erheblich zu verändern.

Dass am Standbein Tourismus festgehalten wird, ist für Gemeindepräsident Brog ein klares Bekenntnis zur Region, die vom starken touristischen Angebot profitiere.

Weitere circa 10 Stellen will man bei den verschiedenen Unterstützungsprozessen, den Diensten, einsparen. Dies auch durch den Verkauf von Liegenschaften. «Die KWO verfügt aus historischen Gründen über viele, verzettelte Liegenschaften», erklärte Stettler.

Als Arbeitgeber wolle man den Mitarbeitern günstigen Wohnraum innert em Kirchet anbieten können. «Andere Liegenschaften talabwärts befinden sich aber in Ortschaften mit genügend Wohnraum.» Diese sollen abgestossen werden.

Die Rolle der KWO als Lernbetrieb werde durch den Abbau nicht tangiert. «Wir werden weiter Lehrlinge ausbilden», erklärte Luginbühl. «Wir sind uns bewusst, wie wichtig dies für die Region ist.»

Betroffene brauchen Zeit

Obwohl der Abbau über die nächsten zwei Jahre stattfinden soll, sind die Betroffenen schon definiert und werden dieser Tage im persönlichen Gespräch informiert.

Die Verantwortlichen erstellten gemeinsam mit dem Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) einen Sozialplan, obwohl man von Gesetzes wegen nicht dazu verpflichtet war. «Die KWO und den VPOD verbindet eine gelebte Sozialpartnerschaft», erklärte VPOD-Regionalsekretär Claudio Marrari. «Wir waren uns einig, dass den Betroffenen für eine erfolgreiche berufliche Neuorientierung vor allem Zeit zur Verfügung gestellt werden muss.»

Der Sozialplan sehe deshalb anstatt Abgangsentschädigungen ein Modell vor, welches den Betroffenen abgestuft nach Dienst- und Lebensalter Zeit über die ordentliche Kündigungsfrist hinaus bietet. «Der VPOD ist überzeugt, dass die KWO mit dem vorliegenden Sozialplan das richtige Ins­trument offeriert, um die ­wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Betroffenen abzu­fangen.»

Steuern wenig tangiert

Was die Steuereinnahmen anbelangt, können die Standortgemeinde und auch der Kanton aufatmen, diese dürften nur wenig zurückgehen. Die KWO wollen weiter jährlich einen Gewinn von 7 Millionen Franken ausweisen. Dieser existiere in dem Sinn aber nur in den Büchern und werde ausgewiesen, damit man Steuern zahlen könne. Und überhaupt spielt für die Gemeinden Innertkirchen und Guttannen die Liegenschaftssteuer eine viel wichtigere Rolle. An diesen ändert sich nichts.

Berner Oberländer

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