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Trift: Nur eine Einsprache in Sicht

Die Gesamtkonzession für das Kraftwerk Trift liegt nun auf. Die grossen Umweltverbände waren bei der Ausarbeitung des Projekts involviert. Anders der Grimselverein, der Einsprache erheben will.

An der Trift hat sich der Gletscher zurückgezogen. Die freigelegte Mulde möchten die KWO nutzen.
An der Trift hat sich der Gletscher zurückgezogen. Die freigelegte Mulde möchten die KWO nutzen.
Bruno Petroni

Im September war das Konzessionsgesuch für den Bau einer Staumauer beim Triftgletscher fertig, im November reichten die Kraftwerke Oberhasli (KWO) dieses beim Kanton ein – jetzt liegt das Gesuch zur Anpassung und Erweiterung der Gesamtkonzession bei der Gemeinde Innertkirchen auf. Die KWO wollen den Stausee in erster Linie als Winterbatterie nutzen.

Damit das Projekt (siehe Kasten) gebaut werden kann, muss die Gesamtkonzession der KWO angepasst und erweitert werden. Diese datiert auf den 12. Januar 1962. Die Gegner haben nun bis zum 5. Februar Zeit, Einsprache zu machen.

Weniger Widerstand

Das Projekt ist breit abgestützt, bereits bei dessen Lancierung vor vier Jahren hatte der Regierungsrat eine Begleitgruppe installiert. Von den Umweltverbänden sind Pro Natura Bern, der kantonale Fischereiverband, der Fischereiverein Oberhasli und der WWF mit an Bord. Der Widerstand ist deutlich weniger stark als beispielsweise bei der Erhöhung der Grimselstaumauer, wo die Naturschutzverbände sich bis heute erfolgreich wehren.

Die Verbände liessen bereits verlauten, dass das Triftprojekt akzeptiert werde – wenn der Kanton dafür auf weitere Kleinwasserkraftwerke an unberührten und wertvollen Gewässern verzichte. Dies bleibt grundsätzlich so, wie Lene Petersen, Verantwortliche für die ökologische. Wasserkraftnutzung beim WWF, auf Anfrage sagt. «Sofern die in der Begleitgruppe diskutierten Bedingungen eingehalten werden und der Kanton zu seiner Aussage bezüglich weiterer Kleinwasserkraftwerke steht, gibt es für uns keine Gründe, sich gegen das Projekt zu wehren.»

Ein wichtiger ­Aspekt sei die hohe zusätzliche Energiemenge, dazu wären unzählige Kleinwasserkraftwerke notwendig. Mit dem Triftprojekt würden die Ziele der Berner Wasserstrategie erreicht. Petersen: «Wir erwarten, dass nun die wertvollen noch ungenutzten Flüsse und Bäche von einer Nutzung ­ausgeschlossen werden.» Allerdings seien die Unterlagen umfangreich und die Prüfung durch die Umweltverbände noch nicht abgeschlossen.

Einsprache des Grimselvereins

Nicht Teil der Arbeitsgruppe ist der Grimselverein. Dementsprechend anders ist dort die Haltung: «Ja, wir werden Einsprache gegen das Triftprojekt erheben», sagt Präsident Hans Anderegg. In der oberen Trift entstehe eine Flora und Fauna mit viel Potenzial. «Bei der Beurteilung darf man sich nicht auf den momentanen Zustand berufen, sondern muss das Potenzial berücksichtigen», so Anderegg. Ausserdem sei das Projekt für die Stromversorgung der Schweiz irrelevant, «dies in Bezug auf den zusätzlich produzierten Strom wie auch in Bezug auf die Leistung».

Anderegg äussert auch seine persönliche Meinung: «Dass wir mehr Strom benötigen, ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Wir werden in Zukunft im Sommer zu viel Strom haben, vor allem wegen Solaranlagen.» Eine Alternative zum geplanten Projekt ist aus seiner Sicht, ein Pumpspeicherwerk zwischen der unteren und der oberen Trift zu bauen und den natürlichen See in der oberen Trift als Stausee zu nutzen. Das würde die Verlagerung der Stromproduktion in den Winter allerdings stark einschränken, da «der natürliche See nicht 85 Millionen Kubikmeter Wasser fasst, sondern bloss 5».

Möglicher Baubeginn 2022

Bei den KWO rechnet man weiter damit, dass die Konzession im besten Fall in zwei Jahren rechtskräftig sein wird, wie Christine Häsler, Leiterin Kommunikation, bestätigt. Anschliessend soll das Baugesuch eingereicht werden, was weitere zwei Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Der frühestmögliche Baubeginn wäre ­also 2022. Welchen Einfluss eine allfällige Einsprache des Grimselvereins hätte, sei schwierig abzuschätzen. «Einsprachen beeinträchtigen den Zeitplan natürlich immer», meint Christine Häsler. «Andererseits sind sie ein demokratisches Mittel, das genutzt werden darf und das wir selbst­verständlich vollumfänglich respektieren.»

Wie die anderen Verbände sei auch der Grimselverein eingeladen gewesen, mitzuwirken und seine Vorstellungen direkt einzubringen. Die anderen Verbände hätten das genutzt, was dem Projekt zugutegekommen sei, erklärt die KWO-Sprecherin. «Es wäre sehr wünschenswert, auch mit dem Grimselverein noch zu einem konstruktiven Austausch zu finden. Unsere Türen stehen auch weiterhin offen.»

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