Interlaken

Überraschungen dank sieben Austritten?

Interlaken 78 Mitglieder von 7 Parteien bewerben sich um die 30 Sitze im Interlakner Grossen Gemeinderat (GGR), 18 Mitglieder von 4 Parteien um die sieben Sitze im Gemeinde­rat. Für Spannung könnten die sieben frei werdenden GGR-Sitze sorgen.

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Na ja, Wahlkampf scheint ein gar grosses Wort für die wenigen Aktivitäten, mit denen sich die Interlakner Ortsparteien bisher ins rechte beziehungsweise linke Licht rückten. Das hat nicht nur, aber vor allem mit der wenig spannenden Ausgangslage zu tun: Alle 7 Mitglieder des Gemeinderates (GR), also der Exe­kutive, stellen sich am 25. September zur Wiederwahl, Gemeindepräsident Urs Graf ist mangels Gegenkandidatur bereits wiedergewählt.

Und im GGR, also der ­Legislative, treten auf SVP- und SP-Seite genau gleich viele Bisherige, deren drei, nicht mehr an.Und trotzdem: Oft sind es gerade solche unspektakulären Situationen, die das grösste Potenzial an Überraschungen bergen. Doch wie wollen die Parteien dieses Potenzial zu ihren Gunsten ausschöpfen?

Bürgerliche wollen zulegen

«Mit einer guten Liste, und zwar ohne Kanonenfutter», beantwortet SVP-Präsident Franz Christ die Frage. Entsprechend das Wahlziel: Im GGR will man zu den neun bisherigen Sitzen noch einen dazugewinnen, im Gemeinderat die bisherigen zwei Sitze behalten.

Gelingen soll das dank den Wahlkampfthemen, denen sich die SVP vorrangig widmet, Finanzen und Sicherheit. Christ: «Die Finanzen dürfen nicht aus dem Ruder laufen, bei den Investitionen müssen wir etwas bremsen. Und der Leistungskatalog im Vertrag mit der Kantonspolizei muss optimiert werden.» Für den Wahlkampf setze die SVP gegen 20'000 Franken ein.

Ungefähr die gleiche Summe wird auch die FDP einsetzen. Und ihr Präsident Fredi Daumüller nennt ebenfalls ambitiöse Ziele: «Im GGR streben wir mit unserer beruflich breit gefächerten Kandidatenliste einen bis zwei zusätzliche Sitze an, und auch im Gemeinderat ist ein Sitzgewinn möglich.»

Eines der Hauptanliegen für die FDP sei die Verbesserung der Verkehrssituation «nicht nur in Interlaken, sondern auf dem ganzen Bödeli». Zudem der Wirtschaftsstandort. Daumüller: «Es geht darum, neben dem Tourismus auch andere Branchen zu fördern, beispielsweise, indem Start-up-Unternehmen zu uns kommen.»

Linke wollen bewahren

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sind die Wahlziele etwas weniger ambitiös. «Wir möchten die bisherigen neun GGR- und drei GR-Sitze halten, und zwar dank unseren 15 qualifizierten Kandidierenden», sagt SP-Präsident Alfred Schenk. Zuoberst auf der Themenliste stünden «Tourismus und Wirtschaft, wobei dem Umfeld Sorge getragen werden muss».

Dazu gehöre auch die Lösung von Verkehrsproblemen. Schenk: «Es gilt einen Konsens zu finden zwischen den Bedürfnissen der Einheimischen und der Touristen, und dabei ist auch das Gespräch mit den Nachbargemeinden zu führen.» Für den Wahlkampf setze man 14'000 Franken ein.

Um weitaus weniger Geld und weniger Sitze geht es bei den restlichen Parteien. So wäre denn Bernhard Weinekötter, Präsident der Grünen, «zufrieden, wenn wir die bisherigen drei Sitze bewahren können». Das sei der Partei rund 6000 Franken wert. Man kämpfe weiterhin mit Mitgliedermangel. Weinekötter: «Wir haben nur eine schmale Basis und sind darum auch offen für Parteilose.» Seine Partei setze sich insbesondere «für die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung ein, denn Interlaken ist nicht nur ein Tourismusort, sondern auch ein Wohnort».

Kleine mit Hoffnungen

Um zwei bisherige Sitze geht es bei der EVP. Lorenz Schütz fügt aber an, «dass wir durchaus auf einen dritten Sitz hoffen» – obgleich der Bisherige David Bühler nicht mehr antreten kann. «Die finanziellen Ressourcen sinnvoll einzusetzen», ist für Schütz ein Hauptanliegen.

Und: «Beim Thema Verkehr gilt es einen guten Mittelweg zu finden für Einwohner und Touristen.» Den Wahlkampf lässt sich die EVP 8000 Franken kosten. Auf eine gemeinsame Liste mit der EDU, so wie vor fünf Jahren, wird dieses Mal «aus wahltaktischen Gründen» verzichtet.

Das bestätigt auch der Bisherige Ueli Balmer von der EDU. Sein Ziel sei es, mindestens diesen Sitz zu halten. Zu den politischen gehöre, «christliche Werte zu pflegen, ein offenes Ohr für alle Altersgruppen zu haben und soziale Anliegen zu berücksichtigen». Die Partei, die weiterhin noch ohne Vorstand ist, setzt knapp 2000 Franken für den Wahlkampf ein.

Und schliesslich möchte Verena Lobsiger mit ihrer neuen Partei der unbegrenzten Möglichkeiten ihren bisherigen GGR-Sitz, den sie noch als SP-Mitglied ergatterte, bewahren – oder sogar in einen Exekutivsitz umwandeln. Dafür investiere sie maximal 1000 Franken. Die Wiedereingliederung der über 50-Jäh­rigen in die Arbeitswelt, eine ­bessere Schulbildung und ein Carterminal auf dem Flugplatz seien ihre wichtigsten Anliegen.

Und wer gewinnt?

Glaubt man den Prognosen von Parteivorsitzenden und Wahlleitern, so sind weder im Grossen noch im Kleinen Gemeinderat grössere Verschiebungen zu erwarten. Als am wahrscheinlichsten wird ein leichter Rechtsrutsch im GGR vorausgesagt. (Die SVP und die FDP kommen bisher auf 15 der 30 Sitze.) Und unisono ist man der Meinung, dass nicht alle der 6 Gemeinderäte sicher wiedergewählt werden. Nur bei den Namen ist man sich noch nicht ganz einig... (Berner Oberländer)

Erstellt: 05.09.2016, 16:23 Uhr

Für oder gegen Burkaverbot

Arabische Touristen, ob verhüllt oder nicht verhüllt, gehören je länger, je mehr zu den wichtigsten Gästesegmenten auf dem Bödeli. Kein Wunder also, dass die angekündigte nationale Volksinitiative für ein Vermummungsverbot, die das Tragen von Gesichtsschleiern verbieten will, in dieser Tourismusregion besonders intensiv diskutiert wird. Ebenfalls nicht erstaunlich ist, dass zu diesem Thema die hiesigen Ortsparteien nicht alle gleicher Meinung sind mit ihrer jeweiligen Schweizer Mutter-partei.

Wie eine kurze Umfrage ergab, haben sich aber noch nicht alle der sieben an den Wahlen beteiligten Parteien entschieden. Von bürgerlicher Seite lautet die Antwort, eine gemeinsame Parole sei noch nicht möglich, der Entscheid noch offen. Sowohl SVP als auch FDP wollen sich also noch nicht festlegen; FDP-Präsident Fredi Daumüller hingegen hält fest, er persönlich sei gegen ein Burkaverbot. «Noch offen» antworten auch EVP und EDU. Eine klare Antwort gibts von der SP: «Wir sind gegen ein Burkaverbot.» Genau gleich antwortet Bernhard Weinekötter für die Grünen – und Verena Lobsiger: «Mir ist es wirklich egal, wie sich die Leute kleiden.»

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