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Unbekannter Mozart und bekannter Schubert

Die Singkreise Bethlehem und Thun mit Solistenquartett und dem Kammerorchester E Musicae Gaudio wussten zu gefallen. Sie erfreuten mit bekannter Schubert-Messe und Mozarts selten aufgeführten «Litaniae de venerabili altaris sacramento».

Die Singkreise Betlehem und Thun mit Solistenquartett und Kammerorchester mit Leiter Lucius Weber.
Die Singkreise Betlehem und Thun mit Solistenquartett und Kammerorchester mit Leiter Lucius Weber.
Heidy Mumenthaler

Die Chorgemeinschaft Singkreis Bethlehem und Thun stellten in der Dorfkirche Spiez ein unbekanntes Werk von Wolfgang Amadeus Mozart der bekannten G-Dur-Messe von Franz Schubert gegenüber, die er im Alter von 18 Jahren komponiert hatte.

Die «Litaniae de venerabili altaris sacramento» war zu Lebzeiten Mozarts sehr beliebt, wird aber heute kaum aufgeführt. Die Aufführenden meisterten die grossen Herausforderungen mit Bravour. Mit viel Gefühl unterstützte das Kammerorchester E Musicae Gaudio (Konzertmeis­terin Barbara Nydegger) die 65 Sängerinnen und Sänger. Unter der ruhigen, präzisen Leitung von Lucius Weber gelangte das kontrastreiche Werk zu einer eindrücklichen Aufführung.

Bis in die feinsten Details gestalteten Chor, Orchester und Solistenquartett mit Leticia Kahraman (Sopran), Madeleine Merz (Mezzosopran), Laurent Galabru (Tenor) und Viktor Majzik (Bariton) ihre strukturierten, oft von Takt zu Takt mit Überraschungen gespickten wechselnden Partien. Bezaubernd, teils dramatisch opernhaft wirkten die koloraturreichen Arien – präzis und farbig vom Orchester begleitet. Kontrastreich wirkten die unmittelbar aufeinanderfolgenden Sätze. In alternierendem Wechselgesang – eine der ältesten Formen des liturgischen Singens – kamen die Bitten in gregorianischen Melodien und klangvollen sinfonischen Sätzen zum Ausdruck.

Wortdeutlich, mit klaren, ausgeglichenen Stimmen beeindruckten die Sängerinnen und Sänger in homofonen und polyfonen Chorpassagen. Auffallend wirkte der Effekt, als im «Tremendum» (Leben spendendes Sakrament) ehrfurchtsvoll drei Posaunen einsetzten. In der vielschichtigen Sakramentslitanei entzückte nach der grossen chorischen und orchestralen Doppelfuge «Pignus futurae gloriae» das innige Finale des Solistenquartetts im Agnus Dei.

Mit Vertrautem umrahmt

Mit formaler Einheit, teilweise mit volksliedhafter Melodik ausstrahlend, stimmten Chor, Orchester und Solistentrio (Sopran, Tenor, Bariton) in Schuberts Messe G-Dur ein. Im Benedictus bestachen die Solisten mit italienischem Belcanto, und im Agnus Dei wurden ausdrucksstarke Kantilenen vom Chor echoartig, verhalten beantwortet.

Als Überleitung zu Mozarts Litaneivertonung erfreute E Musicae Gaudio mit erfrischender Musizierweise – oft im kammermusikalisch spielerischem Charakter und mit einer Fülle an Klangfarbe in der Sinfonie B-Dur von Schubert.

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