Vergessenes in Erinnerung bringen

Frutigen

Am 25. August würde die Frutigtaler Mundartschriftstellerin und -dichterin Maria Lauber 125-jährig. Am Freitag wird in Thun das neue Buch mit Texten von ihr vorgestellt, nächsten Freitag wird in Frutigen Geburtstag gefeiert.

Ausstellungsraum im Frutiger Spritzenhaus mit Originalmöbelstücken von Maria Lauber. Am Schreibtisch links hat sie viele ihrer Texte geschrieben.

Ausstellungsraum im Frutiger Spritzenhaus mit Originalmöbelstücken von Maria Lauber. Am Schreibtisch links hat sie viele ihrer Texte geschrieben.

(Bild: Archiv Kulturgutstiftung)

Nicht nur von jungen Leuten sind etliche ihrer Texte und Gedichte schwer zu verstehen. Viele Ausdrücke werden kaum mehr benutzt oder sind vergessen gegangen – es fehlt heute schlicht der Zugang zum ursprünglichen Frutiger Dialekt, in dem Maria Lauber (1891–1973) ihre Werke verfasste. Gerade dadurch sind sie jedoch ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte, und es ist wichtig, dass diese erhalten bleibt.

In einem neuen Lesebuch werden ihre Texte wieder ins Gedächtnis gerufen, die Vernissage ist am Freitagabend in Thun. In Frutigen kümmert sich die Kulturgutstiftung Frutigland um den Nachlass von Maria Lauber, sie gibt auch das Buch heraus, dem weitere Publikationen folgen sollen.

Das Leben der Maria Lauber

Geboren wurde Maria Lauber am 25. August 1891 im Prasten oberhalb des Dorfes Frutigen. Nach dem Lehrerseminar in Bern wirkte sie von 1910 bis 1924 als Primarlehrerin in Adelboden, Neuligen (Gemeinde Eriswil) und Oberried (Lenk), 1924 bis 1952 unterrichtete sie an der Unterschule in Kien bei Reichenbach, 1952 erfolgte die frühzeitige Pensionierung aus Gesundheitsgründen.

Gestorben ist Maria Lauber am 4. Juli 1973 in Frutigen. So weit der zusammengefasste Lebenslauf, der kaum erahnen lässt, welche kraftvollen sprachlichen Werke sie hinterlassen hat.

Dem wird ein Auszug ihrer Auszeichnungen gerechter: 1941 Ehrengeschenk des stadtbernischen Gemeinderates für ihre beiden Werke «Wa Grosatt nug het gläbt» (1939) und «Hab Sorg derzue» (1940); 1951 Ehrenpreis der Erziehungsdirektion des Kantons Bern; Buchpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für die Erzählung «Chüngold»; 1952 Literaturpreis des Gemeinderates der Stadt Bern in Würdigung ihres Gesamtschaffens und im Nachgang zu ihrem 60. Geburtstag; 1955 Ehrenpreis der Erziehungsdirektion des Kantons Bern für «Chüngold in der Stadt» und 1966 Literaturpreis des Kantons Bern.

Ihre Hinterlassenschaft

Wer sich heute auf die Suche nach Spuren der Frutiger Ehrenbür­gerin macht, findet ihr Grab am westlichen Ausgang des Friedhofes Frutigen, die Maria-Lauber-Strasse, einen Baum in Kien und einige persönliche Objekte wie den Schreibtisch, an dem ihre Werke entstanden sind, im Alten Spritzenhaus an der Ziegelgasse.

Ihre schriftstellerische Hinterlassenschaft ist im Keller des Amtshauses gelagert und bietet Stoff für weitere Veröffent­lichungen. Dafür sorgen unter anderem der Lauber-Biograf Erich Blatter sowie Urs Küffer, ein Verwandter Laubers. Zudem vertont der Musiker Trummer Texte von Maria Lauber. Davon können sich Besucher der Geburtstagsfeier ein Ohr voll nehmen und den ursprünglichen Frutiger Dialekt auf sich wirken lassen.

Berner Oberländer

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