Interlaken

Verhüllungsverbot am SVP-Feuer

InterlakenSchadet ein Verhüllungsverbot dem Tourismus? Auf Einladung der SVP diskutierte die Direktion von Interlaken Tourismus (TOI) mit Walter Wobmann, dem Initianten der Verhüllungsinitiative.

Diskutierten über die Verhüllungsinitiative (v.l.) Stefan Ryser, TOI-Vizedirektor, TOI-Direktor Daniel Sulzer, Gesprächsleiter Franz Christ und SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

Diskutierten über die Verhüllungsinitiative (v.l.) Stefan Ryser, TOI-Vizedirektor, TOI-Direktor Daniel Sulzer, Gesprächsleiter Franz Christ und SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Bild: Anne-Marie Günter

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«Niemand darf sein Gesicht im öffentlichen Raum und an Orten verhüllen oder verbergen, die allgemein zugänglich sind (ausgenommen Sakralstätten) oder der Erbringung von Publikumsleistungen dienen.» Dieser Satz soll, geht es nach den Initianten der Verhüllungsinitiative, in der Bundesverfassung festgeschrieben werden.

Die SVP Interlaken und der SVP Kreisverband Interlaken-Oberhasli organisierten im Grand Hotel Victoria-Jungfrau ein Kaminfeuergespräch zum heissen Eisen. Dank einer von SVP-Präsident und Gemeinderat Franz Christ geschaffenen Schale brannte im Saal ein echtes Feuerchen. «Es geht bei den Gesprächen um Brennpunkte, um Fragen, welche die Menschen beschäftigen», sagte er zur Begrüssung.

Um welche Verhüllung gehts?

Nationalrat Walter Wobmann liess keinen Zweifel darüber, um was es bei den zu verbietenden Verhüllungen wirklich geht: um Burka und Niqab vor den Gesichtern von muslimischen Frauen. «Sie sind ein Symbol für einen extremistischen Islam, den wir hier nicht wollen», sagte der Präsident des Egerkinger Komitees, das nach den Minaretten jetzt die Verhüllungen im Visier hat.

Es gehe um die steigende Gefahr, die von einem radikalen Islam ausgehe, dessen Ausbreitung auch mit finanziellen Mitteln von Saudiarabien und der Türkei gesteuert werde. Die meisten Asylsuchenden seien Muslime. «Diese Länder haben ein ganz anderes Wertesystem, das unseren freiheitlichen Werten widerspricht», sagte er.

«Diese Länder haben ein ganz anderes Wertesystem, das unseren freiheitlichen Werten widerspricht», sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

Daniel Sulzer, Direktor der Tourismusorganisation Interlaken, stellte klar, dass er nur zu den Auswirkungen des Verhüllungsverbots auf den Tourismus Stellung nimmt. «Es geht doch nicht, Chaoten und Touristen auf die gleiche Stufe zu stellen», sagte er. Die Interessen des Tourismus würden bei der Initiative nicht wahrgenommen.

Gute Gäste vergraulen?

«Die Initiative sendet Signale gegen Muslime aus», fand TOI-Vizedirektor Stefan Ryser. Mit Gästen aus den Golfstaaten und den Arabischen Emiraten erzielte Interlaken im Jahr 2015 119'636 der 908'564 Hotellogiernächte, nur aus der Schweiz kamen noch etwas mehr. «Es sind sehr gute Gäste. Sie bleiben durchschnittlich fünf Nächte, und der Umsatz stimmt», sagte Ryser. Er ist zuständig für das Marketing in diesen Ländern. Die dortigen Tour-Operators würden die Diskussionen über das Verhüllungsverbot durchaus wahrnehmen und sich Überlegungen dazu machen.

Wobmann fand, das Verhüllungsverbot im Tessin habe keine Auswirkung auf die Gäste aus dem arabischen Raum gehabt; die Interlakner Touristiker bezweifelten, dass die kurze Zeit seit seinem Inkrafttreten am 1. Juli 2016 eine gültige Aussage erlaube.

Keine Gefahr

«Im Leitbild von TOI steht, dass wir weltoffen und tolerant gegenüber andern Kulturen sind», sagte Daniel Sulzer. Wobmann fand, dass es durchaus zur Freiheit der Schweiz gehöre, Kleidervorschriften im eigenen Land zu erlassen, während Sulzer die Freiheit der Gäste, sich ihrem Kulturkreis entsprechend zu kleiden, eingeschränkt sieht.

«Im Leitbild von TOI steht, dass wir weltoffen und tolerant gegenüber andern Kulturen sind», betont Daniel Sulzer, Direktor Interlaken Tourismus.

Als Gefahr würden verhüllte Frauen nicht wahrgenommen, das zeige auch die Tatsache, dass Stefan Lanzrein, Chef der Regionalpolizei Berner Oberland, mitteilen liess, dass der Umgang mit den Gästen aus dem arabischen Raum im Rahmen der normalen Polizeiarbeit erfolge.

Ungute Gefühle

Mit Humor brach der Unterseener Gemeinderat Ernst Vögeli eine Lanze für sie. Bei ihm entdecken die arabischen Frauen das Glück auf dem Rücken der Pferde und lassen die Verhüllung nötigenfalls fallen. Andreas Grosni­klaus vom Hardermannli in Unterseen und Stefan Gross­niklaus vom Hotel Grindelwald Aspen hingegen fanden, dass sich andere Gäste, zum Beispiel im Frühstücksraum, angesichts dieser Gäste unwohl fühlen würden. Ursula Eisenhart unterstützt die Initiative, weil sie gesamtschweizerisch ist und auch das Schulwesen betrifft. Georges Zehnter vom Camping Alpenblick bekam Feedbacks, dass Gäste aus Europa Interlaken wegen der arabischen Gäste meiden.

Die Unterschriftensammlung zur Initiative startete offiziell am 15. März 2016. Laut Wobmann sind rund 75'000 Unterschriften gesammelt. Brauchtum, Gesundheit und Sicherheit sind Gründe dafür, auf das Verbot zu verzichten. In einigen Kanton, darunter auch Bern, besteht bereits ein Vermummungsverbot, das bei Demos zur Anwendung kommt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 26.01.2017, 17:50 Uhr

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