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Von rauen Nächten und ein wenig Mist

Alle Jahre wieder, und alle Jahre wieder besonders: 2018 passte das Wetter speziell gut zum Ubersitz-Geistervertreiben in den Strassen von Meiringen.

Der Start in eine lange Trychelnacht: Kurz nach 20 Uhr zieht der Trychelzug Meiringen mit seinen vielen Trommeln vor dem Gemeindehaus vorbei.
Der Start in eine lange Trychelnacht: Kurz nach 20 Uhr zieht der Trychelzug Meiringen mit seinen vielen Trommeln vor dem Gemeindehaus vorbei.
Anne-Marie Günter
Ein immer wieder gern gesehener Trychelzug sind die Unterbächler im Sennen-Mutz und mehr oder weniger aufgekrempelten Hemdsärmeln.
Ein immer wieder gern gesehener Trychelzug sind die Unterbächler im Sennen-Mutz und mehr oder weniger aufgekrempelten Hemdsärmeln.
Anne-Marie Günter
Vier Williger Frauen, die mit an Sicherheit grenzenderWahrscheinlichkeit im Leben vor und nach dem UbersitzMänner sind.
Vier Williger Frauen, die mit an Sicherheit grenzenderWahrscheinlichkeit im Leben vor und nach dem UbersitzMänner sind.
Anne-Marie Günter
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Aus dem Nebel tauchten die Bäume in einem filigranen weissen Spitzenkleid auf, die Matten waren trotz dem fehlenden Winterschnee weiss überzuckert: Raureif. Ein Wetterphänomen, das auf dem Aareboden bei andauerndem Nebel nicht selten ist.

Rau war auch die Nacht. Nach alten Überlieferungen heissen die Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar Raunächte. Im Mondjahr fallen sie gewissermassen aus dem Kalender, denn dieses Jahr ist nach354 Tagen fertig. Dämonen, Geister oder die Toten sollen es in diesen Nächten leicht haben, in die Welt der Lebenden einzudringen. Lärm scheinen sie alle nicht zu mögen, deshalb die Treicheln. Am 28. Dezember war trotz Strassenbeleuchtung zu spüren, dass es wahrscheinlich solche Nebel- und Raureifnächte waren, welche das Brauchtum vom Geistervertreiben erstarken liessen.

Grosse Züge

2018 war es sehr stark. Es sind schon fast Monsterzüge, die sich da durch Meiringen bewegen, mit Fahrplangenauigkeit gestartet, damit es schön aufgeht mit dem Einkehren in den Gaststätten und immer wieder ein Zug am Publikum am Strassenrand vorbeikommt. Beim kostümierten Meiringer Zug, der pünktlich um 20 Uhr beim Alpbach startete, gab es sechs Reihen zu sechs Trommeln, die den Takt für Plumpen, Klopfen und Glocken angaben. Ein Takt, der den Oberhaslern im Blut ist. Gesagt wird, dass es der Takt eines Söldner-Totenmarsches aus Italien ist.

Es sind schon fast Monsterzüge, die sich da durch Meiringen bewegen.

Eine halbe Stunde später starteten die Hasliberger, sie als einziger Zug ohne ein besonderes Outfit. Die Unterbächler trugen den Mutz, die Trychler aus Eisenbolgen allerlei Naturmaterialien an Kopf und Körper. Um 22 Uhr griffen auch die Trychler aus Willigen, ein grosser Männerzug in mannigfachen Frauenkostümen, ins Geschehen ein, mit einer wendigen kleinen und einer grossen Schnabelgeiss. Man sagt, dass die Geiss früher bei den Mädchen an die Scheiben im ersten Stock klopfte, heute stiehlt sie Kinderkappen.

Gute und böse Worte

Zwischen den Zügen hatte das Publikum Zeit, sich an verschiedenen Ständen zu verpflegen: Gaststätten, Pfadi, Pikettclub, das Volkstheaterfestival boten Speis und Trank an. Es blieb auch Zeit zu dorfen. Peter Boss zum Beispiel stellte den Feuerwehr-Jeep aus dem Jahr 1922 vor, den der Pikettclub in eine Bar umgebaut hat, inklusive eines kleinen Kindertischs und der Möglichkeit, bei schlechtem Wetter ein Dach anzubauen.

Böser berichtet wird traditionellerweise im «Ubersitzler». Für acht Franken verstehen Nicht-Hasler vieles nicht, was in dieser Brattig in mehr oder weniger freier Versform über Leute aus dem Hasli erzählt wird. Zur Kasse kam der Gemeinderat Meiringen, der eine Abstimmung ab­sagen und die Absage zum Turnhallenbau hinnehmen musste, die etwas besondere Gemeindepräsidentenwahl am Hasliberg und, ziemlich prominent, unsachgemässes Ausfahren von Mist.

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