Därstetten

Warum Tischfussball nicht einfach «Töggele» ist

DärstettenDer TFC Simmental ist der wohl mitgliederstärkste Tischfussballclub der Schweiz. Beim Training stehen sich Schweizer Meister und Weltmeister gegenüber. Ein Glossar zu einem bekannten Spiel, von dem doch so vieles unbekannt ist.

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Tischfussball lautet der offizielle Name für das in Kneipen und Jugendheimen weit verbreitete Spiel, das in der Schweiz gemeinhin als «Töggele» bekannt ist. Der in Deutschland gebräuchliche Name Kicker geht gemäss Wikipedia auf die gleichnamige Firma aus Genf zurück, die die beliebten Spieltische einst herstellte. Die heutigen Tische haben ein fixes Grundgerüst, bestehend aus pro Partei vier drehbaren und horizontal verschiebbaren Querstangen. Dabei ist vieles dem Fussballsport nachempfunden, zum Beispiel die Anzahl der Spielfiguren. Es gibt dabei aber auch Ausnahmen (siehe: Material).

Feinmechanik bildet die Grundlage beim Tischfussball, zumindest ab einem gewissen Spielniveau. Mit kleinsten Handbewegungen wird der Spielball zwischen den Figuren einer Linie hin- und her­gepasst, gestoppt, gerollt, eingeklemmt. Zudem wird immer ­wieder trainiert, vom Fünfermit­telfeld auf die Dreiersturmreihe durchzustecken, was gegen die Cracks gar nicht so einfach ist.

Club: Im Jahr 2010 wurde der TFC Simmental von einigen «Töggeli»-Begeisterten gegründet. Ein Jahr später trat der junge Verein der Swiss Tablesoccer Federation (STF) bei und ist mittlerweile mit rund 40 Mitgliedern aus dem Raum Thun bis Zweisimmen der grösste Club der Schweiz, was sich auch an den Erfolgen ablesen lässt (siehe: Meisterschaft). Trainiert wird dienstags ab 20 Uhr im Clublokal an der Gassenmatte in Därstetten (im Gebäude von Swiss Alpine Herbs).

Snakeshot heisst eine der wichtigsten und beliebtesten Torschusstechniken. Dabei wird der Ball zunächst zwischen Spielfigur und Untergrund eingeklemmt. Die Stange wird anschliessend entlang der offenen Handfläche gerollt, sodass die Spielfigur eine 360-Grad-Drehung vollführt und sozusagen per Überschlag schiesst. Wichtig ist, dass die Stange nach dem Schuss abrupt ­wieder abgestoppt wird. Denn ein Paragraf aus dem 20-seitigen Regelwerk besagt, dass die Figuren vor und nach dem Ballkontakt beim Schuss nicht mehr als 360 Grad gedreht werden dürfen.

Intensiv ist das Spiel mit dem kleinen Ball allemal. Allein die wöchentlichen Trainingsturniere beginnen zwar in lockerer Atmosphäre. Doch nach drei oder manchmal vier Stunden an den Stangen ist der körperliche und mentale Verschleiss zu spüren. Eine gute Vorbereitung auf Turniertage, die bis zu acht Stunden dauern. «Die Technik hat auf diesem Niveau eigentlich jeder drauf. Worauf es ankommt, ist, sein Können im entscheidenden Moment abzurufen», sagt Vereinspräsident Christian Hodler.

Meisterschaften finden regelmässig sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene statt – und der TFC Simmental mischt kräftig mit. So gewann beispielsweise Clubpräsident Christian Hodler 2015 die Schweizer Meisterschaft im offenen Doppel. Und auch ein Weltmeister sowie eine aktuelle Nationalspielerin sind unter den Vereinsmitgliedern zu finden. Die Schweiz gehört übrigens zu den führenden Nationen beim Tischfussball. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften in Hamburg sicherte sie sich dreimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Die nächste Schweizer Meisterschaft steigt am 3./4. Februar in Bern (s. Kasten).

Material spielt natürlich auch beim Tischfussball eine wichtige Rolle. Je nach Land oder Region gibt es verschiedene Vorlieben bei den Tischtypen mit unterschiedlichen Beschaffenheiten. So spielt man in der Schweiz für gewöhnlich auf einem Garlando World Champion (Stückpreis 1500 Franken). In der Romandie ist der Ullrich Sport verbreitet, der eine stumpfere Spieloberfläche besitzt. In den USA beliebt ist der Tornado. Da der Hersteller auf die Schrägen am Spielfeldrand verzichtet, sind Bandenschüsse hier ein probates Mittel. Dafür gibt es zwei zusätzliche Figuren auf der Torhüterposition zum Ausgleich für die sonst üblichen schrägen Ecken. Die Profi­tische kommen ohne Aschenbecher und Bierflaschenhalter aus. Wer etwas auf sich hält, hat zudem seine eigenen Schweissbänder, die vor dem Spiel um die Griffe gewickelt werden.

Emotionen erlebt man nur bei wenigen Sportarten so hautnah wie am engen «Töggelikasten», bei dem der Gegner gerade mal anderthalb Meter entfernt schwitzt, flucht, jubelt oder verzweifelt. Erst recht, wenn das Duell eine Stunde dauert, weil das Spiel so ausgeglichen ist. Die Spieler gehen mit so grossem Ehrgeiz und vollem Einsatz zur Sache, dass dabei auf Mensch oder Material wenig Rücksicht genommen wird. Zum Glück lassen sich geköpfte Puppen und verbogene Stangen mit ein paar Handgriffen wieder ersetzen.

Nachwuchsrekrutierung gehört natürlich auch beim TFC Simmental zu den wichtigen Vereinsaufgaben. Da diese jedoch hauptsächlich im Pub stattfindet, hat der Nachwuchs immer bereits ein gewisses Alter erreicht, bevor er sich intensiver mit dem Tischfussball beschäftigt. Die ersten Kontakte zum Sport gebe es normalerweise im Jugendheim, wo der Töggelikasten zur Grundausstattung gehöre, weiss Clubpräsident Christian Hodler. Dafür lasse sich der Sport auch noch mit 40 oder 50 erfolgreich betreiben, denn mit Technik und Erfahrung lasse sich abnehmendes Reaktionsvermögen kompensieren.

Tempo ist aber trotzdem das Charakteristikum des Sports, nicht nur wegen diverser Zeitlimits im offiziellen Regelwerk. Wenn die Cracks zum Snakeshot ansetzen, schlägt die Kugel mit solch brachialer Gewalt an der Bande oder im Tor ein, dass das Auge kaum folgen kann. Auf 40 bis 50 Stunden­kilometer würden die Bälle dabei beschleunigt, so Vereinspräsident Christian Hodler. Ein besonders gross gewachsenes Clubmitglied mit auffallend kräftigem Händedruck gibt sogar an, bei einer Messung am Tisch 82 km/h erreicht zu haben. Er wirkt glaubhaft.

Angriff und Verteidigung sollten ausgewogen sein, wenn man erfolgreich spielen möchte: Schüsse abgeben und blocken. Dennoch hat jeder Spieler seine Vorlieben, die gerade beim Doppel gut zum Tragen kommen können, wenn zwei Spezialisten sich optimal ergänzen. Gleichzeitig ist bei vielen beliebt, das Spiel komplett in den eigenen Händen zu haben. Beim sogenannten Einzel müssen die Spieler alle vier Stangen selbst bedienen. «Das lässt einem mehr Raum für Spielzüge, während das Doppel strategischer ist», erklärt Clubpräsident Christian Hodler.

Lucien Rosengart, französischer Ingenieur, gilt nach Wikipedia als Entwickler des ersten Tischfussballtischs, bei dem allerdings die Stangen noch an den Kopfenden gewesen sein sollen. Belegbare Patente weisen gemäss Wikipedia jedoch einen Engländer als Erfinder des Tischfussballs aus: Harold S. Thornton meldete am 14. Oktober 1922 ein Gerät mit Drehstangen beim Patentamt an. Sogar der grobe Aufbau des Urtisches entspreche den heutigen Tischen. Einige Jahrzehnte später trat der Tischfussball dann auch im deutschsprachigen Raum seinen Siegeszug in die Kantinen, Kneipen und Jugendheime an. Dass auf Vereinsebene gespielt wird, ist nach wie vor eher selten. Insgesamt gibt es in der Schweiz circa 20 Clubs mit rund 500 Mitgliedern und 200 lizenzierten Spielern.

www.tischfussball-simmental.ch (Berner Oberländer)

Erstellt: 18.11.2017, 07:12 Uhr

Finalturnier in Oey

Am Samstag und Sonntag, 18./19. November, richtet der TFC Simmental gemeinsam mit der Swiss Tablesoccer Federation (STF) das Garlando Final Turnier der Swiss Tablesoccer Series 2017 aus. Das Turnier, das in der Sporthalle in Oey-Diemtigen ausgetragen wird, ist das Garlando Finalturnier der Swiss Tablesoccer Series 2017.

Es ist die letzte Chance, sich für die Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften am 3./4. Februar in Bern zu qualifizieren. In Oey sind die besten Tischfussballerinnen und Tischfussballer der Schweiz live und in Action zu sehen. Zuschauer sind willkommen. Der Eintritt in die Halle ist gratis.

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