Adelboden

Sie wollen die Rekord-Hängebrücke in Adelboden bauen

AdelbodenTheo und Kevin Lauber sind beide Mitglieder der neunköpfigen Projektgruppe für den Bau einer neuen Rekord-Hängebrücke vom Adelbodner Sillerenbühl zum Höchsthorn.

Dort, wo alles begann: Theo Lauber, Etienne Supersaxo und Kevin Lauber (v. l.), die Köpfe hinter der Firma Swissrope, 
auf der 153 Meter langen Hängebrücke Hohstalden bei Frutigen.

Dort, wo alles begann: Theo Lauber, Etienne Supersaxo und Kevin Lauber (v. l.), die Köpfe hinter der Firma Swissrope, auf der 153 Meter langen Hängebrücke Hohstalden bei Frutigen. Bild: Claudius Jezella

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Eine 2200 Meter lange Rekordbrücke in Adelboden: Was eine Projektgruppe Ende letzter Woche verkündete, tönte zunächst wie ein schlechter Scherz – ist aber eine ernsthafte Absicht. Bedenken von Naturschützern, welche die Idee der längsten Fussgänger-Hängebrücke der Welt als überheblich und verrückt abtun, begegnen Vater und Sohn Lauber mit mehreren Argumenten: Theo und Kevin Lauber bezeichnen sich selber «als Grüne».

«Nur versteht uns keiner, denn Brückenbauer werden einfach alle in denselben Topf geworfen. Aber wir fühlen uns wirklich als Grüne», sagt Theo Lauber. Und er liefert auch gleich eine Erklärung dafür: «Wenn wir auf eine künftige Baustelle kommen, gilt unser Augenmerk als Allererstes dem Umstand, mit möglichst wenig Schaden an der Natur eine möglichst grosse Attraktion für die künftigen Besucher zu schaffen.»

«Völlig wartungsfrei»

Er werde immer wieder von Hängebrückeninitianten nach der Grösse des Installationsplatzes gefragt, so Theo Lauber. «Doch während gewisse Mitbewerber für einen solchen eine halbe Hektare Wald opfern, reicht bei uns im Bedarfsfall höchstens das Fällen von ein paar störenden Bäumen. Für den Bau der derzeitigen Rekordbrücke im Walliser Randa waren es genau sechs Bäume.» Sohn Kevin ergänzt: «Wir kommen nicht einfach und machen erst mal ein Riesenloch, sondern überlegen uns schon etwas, ehe wir einen Neubau angehen.»

«Während gewisse Mitbewerber einem Installationsplatz eine ­halbe Hektare Wald opfern, reicht uns im Bedarfsfall höchstens das Fällen von ein paar Bäumen.»Theo Lauber

Und wie sieht es denn mit der Ästhetik aus? ­Kevin Lauber: «Wir montieren keine hochglänzenden Gitterseitenwände, sondern arbeiten mit dünnem Drahtgeflecht. Auf eine Distanz von fünf Kilometern sieht man dies ohne Fernglas gar nicht mehr.» Heute gehe es den Naturschützern weniger um den Schutz der Natur, «sondern um die Verhinderung».

«Pioniertaten wie der Bau der Jungfraubahn oder des Lötschbergtunnels wären heute kaum noch machbar. Vom Bau der unzähligen Bachverbauungen ganz zu schweigen», sagt Theo Lauber. Sein Sohn Kevin ergänzt: «Der Energiebedarf für die geplante Hängebrücke liegt bei nahezu null, sie ist völlig wartungsfrei – im Gegensatz etwa zu einer Luftseilbahn, die den ganzen Tag 100 Kilowatt an Energie auffrisst.» Diese Hängebrücke werde zudem eine Lebensdauer von weit über hundert Jahren haben.

«Alles muss verrückt sein»

Eine Fussgängerbrücke wie die am Sillerenbühl geplante bringe den Leuten die Natur näher, «denn viele gehen wegen der Brücke zum Berg, sehen die Natur und beginnen zu verstehen, dass wir diese brauchen», so Kevin Lauber. Doch warum braucht der Mensch von heute das technische Spektakel, weshalb reicht die Berglandschaft an und für sich nicht mehr aus?

Theo Lauber: «Keiner geht im Kino einen Naturfilm anschauen. Tendenziell geht man ins Kino, um wenig realistische Filme mit viel Action zu sehen. Die Sinne der heutigen Menschen sind abgestumpft, das Gewöhnliche reicht heute nicht mehr aus. Alles muss verrückt und speziell sein. Wir bringen den Leuten dieses Spezielle wenigstens in der Natur näher.»

«Verdrehung unmöglich»

Ist denn ein solches Bauwerk überhaupt sicher? «Ja, eine zwei Kilometer lange Hängebrücke ist sicher», so die kurze, aber entschlossene Antwort von Kevin Lauber. Und die Erklärung: «Im Gegensatz zu herkömmlichen Nepalstegen steht die Plattform bei unserem System nicht auf den Tragseilen, sondern ist an diesen aufgehängt. Von uns patentierte hydraulische Schwingungsdämpfungssysteme kompensieren zudem die Bewegungen der Brücke, sodass diese unmöglich vom Wind verdreht werden kann.»

So könne die Brücke Windstärken bis zu 180 Stundenkilometern «problemlos standhalten». Gesteuert werde die durch die Schwingungsdämpfer regulierte Brückenspannung durch ein Computersystem und auf der Brücke angebrachte Neigungs- und Bewegungssensoren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.09.2018, 06:31 Uhr

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