Weniger Bergtote im letzten Jahr

Die SAC-Unfallstatistik 2017 belegt, dass im Kanton nur bei den Mountainbikern die Unfälle zugenommen haben. Im Berner Oberland starben sieben Alpinisten durch Sturz und je einer durch Steinschlag und eine Lawine.

Alpinisten auf dem exponierten Mittellegigrat (Eiger): Sieben Bergsteiger starben im vergangenen Jahr in den Berner Alpen durch Absturz, einer überdies im Challifirn in einer Gerölllawine. Das Challifirn befindet sich rechts im Hintergrund unterhalb der schneebedeckten Nase.

Alpinisten auf dem exponierten Mittellegigrat (Eiger): Sieben Bergsteiger starben im vergangenen Jahr in den Berner Alpen durch Absturz, einer überdies im Challifirn in einer Gerölllawine. Das Challifirn befindet sich rechts im Hintergrund unterhalb der schneebedeckten Nase. Bild: Bruno Petroni

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Der schneearme Winter, Hitzeperioden und Wetterkapriolen haben die Bergtourenaktivitäten eher negativ beeinflusst, was auch die Übernachtungsstatistik der SAC-Hütten bestätigt.

«Werden weniger Touren unternommen, gibt es auch weniger Unfälle, was sich in der neuen Notfallstatistik widerspiegelt», sagt Ueli Mosimann, Bergführer und Statistiker der SAC-Fachgruppe Sicherheit im Bergsport.

Die Bergrettungs­organisationen in der Schweiz mussten im vergangenen Jahr 2712 Personen retten oder bergen (Unverletzte, Erkrankte und Todesopfer eingeschlossen), was einer Abnahme von 4 Prozent gegenüber 2016 entspricht.

Gelmer-Bergsturz: Viel Glück

In den Alpen des Berner Oberlandes wurden 384 Personen geborgen – ein Rückgang von 113 Personen (-13 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Den grössten Teil der Unfallopfer bilden die Bergwanderer.

Unter diesen 180 Personen figurieren auch die sechs Verletzten aus dem Bergsturz vom 20. August am Gelmersee, die nur mit sehr viel Glück überlebt haben. Selbst diese 180 Wanderer sind aber 41 weniger, als noch 2016 gezählt wurden.

Hier gibt es denn auch die einzige markante Abweichung zur landesweiten Statistik, welche bei den Bergwanderern mit 1237 ihrerseits eine Zunahme von 41 Betroffenen ausweist.

Die Ursachen lassen sich laut Ueli Mosimann nicht auf einen einfachen Nenner bringen: «Beim Bergwandern sind die Wetterverhältnisse ein weniger limitierender Faktor als bei den anderen Disziplinen, und so waren auch bei wechselhafter Witterung viele Wanderer unterwegs.»

Durch die häufigen Gewitterlagen mit teilweise kräftigen Niederschlägen blieben viele Wege und Pfade oft länger feucht und rutschig, womit auf einem exponierten Weg bereits eine kurze Unachtsamkeit zu einem Stolpern führen konnte.

Besonders bei älteren Personen, deren Reaktionsvermögen nachlässt, kann ein solches Straucheln oder Ausrutschen zu einem fatalen Absturz führen. «2017 waren mehr als die Hälfte aller tödlich abgestürzten Bergwanderer über 60 Jahre alt, zudem oftmals Alleingänger», so Mosimann.

Bei den Hochtouren waren 45 Personen in einen Unfall verwickelt (schweizweit 367), was einer Abnahme von 21 entspricht. Am zahlreichsten waren Blockierungen. «Solche Notlagen entstehen häufig aus Zeitmangel oder wegen Überforderung», sagt Ueli Mosimann. Einer der Hochtourengeher wurde auf dem Challifirn hinter der Eiger-Ostflanke durch eine Gerölllawine getötet.

Unter den Skitouren-Unfallopfern befindet sich im Berner Oberland ein Todesopfer; mit 26 Geborgenen sind es aber 15 Personen weniger als im Vorjahr.

Seil ausgefädelt – Absturz

Auch bei den Kletterern gab es mit 21 Verunfallten eine Abnahme von 9 Betroffenen. Einer von ihnen stürzte an der Wandfluh im Gastlosengebiet (Abländschen) in den Tod. Es wird davon ausgegangen, dass die zwei Seilstränge ungleich lang waren und das kürzere Seilstück am Ende durch das Abseilgerät glitt, wodurch das Opfer mit den Seilen 70 Meter bis zum Wandfuss abstürzte. «Einmal mehr hätte ein Knoten in den Seilenden einen solchen Unfall sehr wahrscheinlich verhindern können», so der Sicherheitsexperte des SAC, Ueli Mosimann.

Zwei Tote am Mönch

Derweil sind mit 6 Mountainbikern mehr verunfallt als im Vorjahr, insgesamt waren es 26. In der Kategorie «Andere» werden Jäger, Gleitschirmpiloten, Variantenskifahrer und weitere geführt. Von diesen sind 86 verunfallt – das sind 33 weniger als im Jahr zuvor. 7 Alpinisten sind im Jahr 2017 infolge eines Absturzes tödlich verunfallt (landesweit 99), das sind 4 weniger als im Vorjahr. Zu ihnen zählen auch zwei in den Tod gestürzte Mönch-Besteiger. (Berner Oberländer)

Erstellt: 05.06.2018, 18:17 Uhr

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