Wenn die Alphütte zu Trauffers Tonstudio wird

Für die Produktion seiner neusten CD hat sich Trauffer auf die Alp verzogen. Im Justistal oberhalb von Sigriswil entstand sein neustes Album. Warum er fast zum Älpler wurde, erklärt er bei einem Studiobesuch der besonderen Art.

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Schnupf, Schnaps und Edelwyss» heisst das neue Album von Marc A. Trauffer, das bald in die Läden kommt. «Am 24. November erscheinen die Single und ein Videoclip», erklärt der Unterhalter aus Hofstetten.

«Trauffer bleibt Trauffer», sagt er, die Fans müssten keine Angst haben. «Wir haben jetzt kein Free-Jazz-Album aufgenommen», meint er schmunzelnd. Er sei Unterhalter und verstehe sich nicht als Künstler, der jetzt unbedingt Brüche in seiner Arbeit brauche, um sich weiterzuentwickeln. «Wenn die Leute an meinen Konzerten Freude haben, mitsingen und sich wohlfühlen, habe ich mein Ziel erreicht.»

«Ich bin für die Unterhaltung zuständig»: Trauffer sieht sich selber nicht als tiefgründigen Musiker. Video: Fritz Lehmann

Bodenständig ist er geblieben, bodenständig war auch das Er­scheinungsbild von Trauffer in den letzten Wochen: Holzfäller­jacke, Lederstiefel, Mütze. So produzierte er im Justistal sein neustes Album. Dafür hat er gelebt: Er mietete für den Sommer das Bergrecht und kaufte die Kuh Senta. «Wir haben eigentlich mehr oder weniger den ganzen Sommer auf der Alp verbracht, haben mitgeholfen, haben die Menschen hier oben kennen gelernt, haben uns angepasst.»

In diese Welt müsse man sich einleben, da könne man nicht einfach schnell, schnell mal reinschauen und sich breitmachen, das würde nicht goutiert. Er wollte das Vertrauen der Menschen gewinnen. «Wäre ich einfach für ein Fotoshooting auf die Alp gefahren und hätte das Justistal als Kulisse missbraucht, das hätte nicht funktioniert», sagt er am langen Holztisch in der Sennhütte, den er mit seinen Mitarbeitern teilt.

Züpfe, Landjäger, Pulverkaffee steht herum, Trauffer räumt ab und stellt Tassen für die Gäste auf den Tisch, legt ein Holzscheit in den Ofen, der Wärme spendet. Das einfache Leben hat es ihm angetan.

«Man lernt Demut hier oben und lernt auch einen heis­sen Kaffee wieder zu schätzen.» Bodenständig war er ja schon immer, aber das hier, ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? «Früher hat man Alben in drei Wochen produziert, mit der heutigen Technik steht einem das Equipment quasi 24 Stunden zur Verfügung. Ich wollte wieder eine CD in drei Wochen produzieren und habe als Studio die Alp gewählt.» Dafür wurde die Heutenne umfunktioniert, «die Akustik mit dem vielen Holz ist genial», sagt er.

Zur Vermeidung von Vibrationen wurden Heu­ballen aufgeschichtet, die alte Holzleiter dient als Gitarrenhalter. Jagdtrophäen «von einem Freund» schmücken den Raum, ebenso die Lampe, «selbst gebastelt mit Käseharfen», so Trauffer. Ganz in der Ecke hinten hängt sein neuster Frack, sein Mar­kenzeichen, «jagdgrün und mit Kapuze», sagt er lachend.

Obwohl Trauffer sich selber treu bleibt, ist das neue Album anders, denn die «Alpziit», so der Titel des letzten Songs auf der künftigen CD, habe ihn geprägt. «Wie der Senner quasi mit den Kühen aus nichts als Gras ein Lebensmittel erschafft, haben auch wir mit unserem Willen etwas erschaffen, das hoffentlich mundet.»

Er und sein Team ­hätten mitgeholfen, den Käsespeicher Anfang Sommer zu rei­nigen, Wiesen gereinigt, Zäune instand gestellt, also das Tagwerk gemacht, zu dem jeder, der eine Kuh auf die Alp bringe, verpflichtet sei. «Die Älpler stecken sehr viel Herzblut in die Herstellung des Käses, wir wollten ebenso viel Herzblut in unsere neuste Produktion hineinstecken.»

Das spüre man den Texten sicher an, anders als der Albumtitel vermuten lasse, gebe es nicht nur Partysongs, gewisse Lieder seien auch emotional, eben «Alpziit», das den letzten Moment vor der Alp­abfahrt beschreibe. «Aber das Album ist auch laut, fetzig, un­terhaltsam, spassig, eine volle Ladung Trauffer-Musig mitts a d Schnurre», erklärt er lachend.

Aber Moment, ein Tonstudio braucht doch auch immens Energie...? «Wenn wir jetzt drei Wochen lang einen Dieselgenerator hätten laufen lassen, wäre das alles andere als authentisch gewesen», sagt er. Hinter dem Haus hat er etliche Solarpanels stehen, die Strom liefern. Zwischengespeichert wird das alles mittels Autobatterien.

«Die Stromkonzerne haben gesagt, das funktioniere nicht, wir beweisen das Gegenteil.» Zur Not steht immer noch ein Dieselgenerator zur Verfügung, der aber nur gebraucht wurde, um die Scheinwerfer für eine Fernsehsendung zum Leuchten zu bringen. Geheizt wird mit einer mobilen Pelletanlage, «einer der wenigen in Europa».

Diese diene dazu, die gemietete Sennhütte zu wärmen, denn wenn die Produzenten an ihren PC sitzen, könne ein bisschen Wärme nicht schaden. «Es ist doch schon recht kühl jetzt im Herbst», sagt Trauffer. Er selber nächtigt ausserhalb der Hütte in einem fassähnlichen Anhänger, die Hüt­te hätte zu wenig Schlafplätze für das ganze Team. Im Anhänger sei es saukalt, aber der Mensch gewöhne sich an alles.

Der Chästeilet im Justistal Ende September sei ein ganz emotionaler Moment gewesen, sagt er. «Wenn man vor den 14 Käselaiben steht, die nun einem gehören, ist das ganz schön bewegend.» Wenn man die Älpler bei ihrem Tagwerk begleite, das um 4 Uhr in der Früh beginne, lerne man den Wert der Lebensmittel wieder schätzen. Da stecke sehr viel Herzblut drin.

«Als mir der Älpler Beat Santschi beim Alpabzug beim zweiten Viehgatter zugerufen hat, ich solle nach vorne kommen und die Herde anführen, war das ein besonderer Moment, den ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde.» Denn eigentlich sei der Alpabzug die Show der hart arbeitenden Älpler, die Landschaft die Kulisse, und das klatschende Publikum stehe am Wegesrand.

www.trauffermusic.ch (Berner Oberländer)

Erstellt: 11.10.2017, 21:30 Uhr

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