Gadmen

Wenn die Hebamme mit dem Helikopter kommt

GadmenHüttenwartin Nicole Müllers Baby hätte Ende Oktober im Tal zur Welt kommen sollen. Leo hielt sich aber nicht an den Terminplan.

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Als die Architektin Nicole Müller und ihr Lebenspartner Artur Naue, IT-Ingenieur, vor einem Jahr die SAC-Trifthütte in Pacht erhielten, ging für die beiden Bergenthusiasten ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Müller hatte im Rahmen ihres Nachdiplomstudiums eine Masterarbeit zu «Nachhaltigem Bauen» am Beispiel der SAC-Trifthütte abgelegt und dabei viel Herzblut investiert.

«Die Trifthütte war quasi mein Baby», beschrieb Hüttenwirtin Müller den bisherigen Zustand. Nun hat sich ein zweites Baby angekündigt, und dieser Umstand stellt eine neue Herausforderung dar.

Ausserordentliche Situation

Bei ihrem ersten Treffen mit Maria Kaiser, selbstständige Hebamme im Haslital, machte die werdende Mutter klar, dass sie die Schwangerschaft und die Geburt möglichst natürlich leben will. «Wir freuen uns riesig auf das Kind und sind glücklich, dass ich bislang eine problemlose Schwangerschaft ohne grosse medizinische Unterstützung verbringen konnte. Deshalb führe ich meine Aufgaben weiter, solange es mein Zustand erlaubt, und freue mich auf die Zukunft zu Dritt in der Trift», erklärte sie dezidiert.

Auch für Hebamme Maria Kaiser war dies eine Herausforderung. Fast zehn Jahre war die gebürtige Bayerin als Hebamme im Spital Riggisberg tätig, sie verfügt über grosse Erfahrung. «Hebamme ist mein Traumberuf. Für mich ist die Begleitung von Eltern und Kind vor, während und nach der Geburt eine faszinierende Herzensaufgabe», umschreibt sie ihre Einstellung. Darum war für sie klar: Wenn das werdende Elternpaar nicht in den Geburtsvorbereitungskurs kommen kann, dann geht respektive fliegt die Hebamme zum Einsatzort.

Baby hatte es eiliger

Am 22.September war es so weit, mit einem Helikopter traf die Hasli-Hebamme mitsamt ihrem Kursmaterial, Hebammenkoffer und Demo-Baby in der Trifthütte ein. «Es ist mir wichtig, dass die werdenden Eltern wissen, was im Vorfeld, bei und nach der Geburt alles auf sie wartet, und dass sie sich ohne Angst auf das grosse Ereignis freuen können», beschrieb Kaiser ihren Vorbereitungskurs.

Eine Hochgebirgsgeburt soll es allerdings nicht werden, Müller wollte ihre Hütte Mitte Oktober verlassen. Die einsetzenden Wehen stellten den Terminplan auf den Kopf. Nach einem Helikopterflug erblickte Leo am letzten Freitag das Licht der Welt im Spital Thun. Berggänger werden nächstes Jahr also von einem Trio in der Trifthütte empfangen.

Von der Theorie zur Praxis

Während ihrer Prüfungsarbeit über die Trifthütte bahnte sich bei der Architektin ein Wendepunkt an. «Wenn ich diesen Betrieb einmal übernehmen könnte, würde ich mein Leben und Arbeiten vollständig umkrempeln und meine Vorstellung von naturnahem, nachhaltigem Wirken persönlich umsetzen», erklärte Müller den Werdegang zur Hüttenwartin. 2014 war es dann so weit. Sie absolvierte die Wirteprüfung und erhielt den Zuschlag für die Hüttenpacht. Begeistert mit von der Partie war ihr Lebenspartner Artur Naue, gebürtiger Schwarzwälder.

Die Trifthütte führen sie heute als GmbH und beziehen einen bescheidenen Lohn, den sie mit Mandaten als selbstständige Berater in ihren ursprünglichen Berufen ergänzen. «Mit dem Hüttenlohn alleine könnten wir nicht existieren, aber Internet sei Dank: Mit den zusätzlichen Aufträgen kommen wir mit einem einfachen Lebensstil über die Runden», sagte Müller auf die Frage nach dem wirtschaftlichen Auskommen.

Nebst der Hüttenwartung bietet sie als eidg. diplomierte Wanderleiterin SBV (Schweizer Bergführerverband) Führungen und Events mit Fokus auf Natur und Kultur an. «Wir wollen unseren Gästen nicht nur die schöne Aussicht zeigen, sondern sie auch vertieft mit der Kultur in der Gegend, mit der Geologie und der Botanik oder der Tierwelt vertraut machen. In dieses Bild passt der handzahme Hüttenfuchs, der öfters mal vorbeikommt und bei den Hüttenwarten seine Goodies abholt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 05.10.2015, 07:27 Uhr

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