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Wenn Gewalt Leben vergiftet

Mit «Die Wespe» spielen Deborah Lanz und Jeanne Zaugg im Interlakner Schlosskeller einen Psychothriller, der viel mit sozialer Ungerechtigkeit und deren Folgen zu tun hat.

Anne-Marie Günter
Szene aus dem Stück «Die Wespe» im Schlosskeller Interlaken: Deborah Lanz und Jeanne Zaugg unter einem Abbild der giftigen Wespe, die Vogelspinnen tötet. Foto: Anne-Marie Günter
Szene aus dem Stück «Die Wespe» im Schlosskeller Interlaken: Deborah Lanz und Jeanne Zaugg unter einem Abbild der giftigen Wespe, die Vogelspinnen tötet. Foto: Anne-Marie Günter

Der Mann von Heather ist Sammler: Er hat eine Plastikwespe und zwei Plastikspinnen in der Wohnung aufgehängt. Die Wespe mit den orangefarbenen Flügeln ist eine Pepsis formosa, zu Deutsch Tarantulafalke, die in Süd- und Nordamerika beheimatet ist. Ihr Stich soll der zweitschmerzhafteste Insektenstich der Welt sein, und ihre Larven fressen nach einem immobilisierenden Stich Vogelspinnen bei lebendigem Leib auf, als Letztes das Herz.

Eine grausame Geschichte

Nach dieser Wespe benannte die 1980 in London geborene Schauspielerin und Schriftstellerin Morgan Lloyd Malcolm ihren Zwei-Frau-Psychothriller «The Wasp». Heathers Mann, der im Leben der beiden Frauen eine zentrale Rolle innehat, steht nicht auf der Bühne. Dafür Heathers Schulfreundin Carla. Heather ist wohlhabend und kinderlos verheiratet, Carla erwartet ihr fünftes Kind und kann in Sachen Geldverdienen gar nicht zimperlich sein. Heather will etwas von Carla. Nach und nach entwickelt sich im Dialog die gemeinsame Geschichte der beiden Frauen.

Und diese Geschichte ist grausam, ein Teenager-Mobbing, wie es sich in seiner Gewaltbereitschaft nur schwer ertragen lässt. Heather war das Opfer, und zwanzig Jahre später rechnet sie ab. Obschon sie weiss, dass die bitterarme Carla mit einem gewalttätigen Vater damals selber ein Opfer war. Und Heathers wohlbehütete Kindheit der Schulkollegin vielleicht wie eine Art psychische Gewalt erschien. Heather ist aber darauf fixiert, dass sie mit einem eigenen Kind die Gewaltspirale auf der Welt hätte begrenzen können. Ob der ultimative Gewaltakt damals sie physisch oder psychisch unfruchtbar machte, bleibt offen. Der Ausgang des Treffens kann aber nur vernichtend sein.

Unter dem Sternenhimmel

Die Profischauspielerinnen Deborah Lanz als Heather und Jeanne Zaugg spielen «Die Wespe» im Schlosskeller Interlaken, dessen Gewölbe mit Sternen übersät ist. Er ist irgendwie ein intimes Wohlfühltheaterchen mit wenig Distanz von der Bühne zum Publikum, und damit kommt die Gewalt, die sehr viel mit sozialer Ungerechtigkeit zu tun hat, diesem ganz nah. Auch den beiden Profischauspielerinnen, die im Stück Rollen spielen, die eigentlich weit weg von der eigenen Persönlichkeit sind, geht sie an ihre Reserven. Das Tempo der Wortwechsel ist rasant, und es wird viel Hintergründiges in Gesten und Mimik erzählt.

Ungewöhnliche Spielorte

«Es ist für mich zentral, über das eigene Gewaltverhalten nachzudenken», sagt Deborah Lanz. Den Schlosskeller wählte sie bewusst als Spielort. Hier hat die Schauspielerin, die aus dem lokalen und regionalen Kulturleben nicht mehr wegzudenken ist, vor 13 Jahren zusammen mit Sabine Wohlleber ihre erste Produktion vorgestellt: «Endstation Sehnsucht» von Tennessee Williams.

Seither hat sie die Theatergruppe und -schule Art 7 gegründet, gibt umfassenden Schauspielunterricht für Kinder und Erwachsene und hat viele Produktionen an spannenden und ungewöhnlichen Spielorten inszeniert und gespielt. Diesen Sommer war sie im Jungfrau-Park und spielte in den weitläufigen Räumen der von-Däniken-Rätsel mit einem Art-7-Ensemble ein eigenes bilderreiches und fantasievolles Märchen von einer Reise ins Ausserirdische und zurück. «Es war ein Erfolg», erklärt Deborah Lanz auf Nachfrage stolz.

Noch Zusatzvorstellungen?

Sie hat inzwischen viele Freunde, die als Sponsoren wirken, und kann auch bei den Gemeinden um einen Beitrag nachfragen. Mit «Die Wespe» hat sie ins Schwarze getroffen: Das Publikum füllt den Schlosskeller an den kommenden vier Vorstellungen über den letzten Platz hinaus, und Deborah Lanz überlegt sich, ob sie noch weitere Vorstellungen anfügen will.

«Die Wespe»: Freie Plätze gibt es noch für die Vorstellungen am Sonntag, 16. Februar, um 16 Uhr und am Donnerstag, 20. Februar, um 20.15 Uhr. Infos: www.art-7.ch

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