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Wie die Eltern mit unseren Olympioniken mitfiebern

Was haben ein kleines Schwein oder die 1988er-Seoul-Hymne «Hand in Hand» mit den Winterspielen in Pyeongchang zu tun? Einiges, wie die Eltern der sechs Oberländer Olympioniken verraten.

Vorhang auf für die prestigeträchtigste Sportbühne der Welt: Seit Freitagmittag (mitteleuropäische Zeit) wird im südkoreanischen Pyeongchang nicht nur um olympische Ehren, sondern auch um Edelmetall gekämpft.

Gerne erinnern wir uns aus Oberländer Sicht zurück an die goldenen Tage von Turin 2006 (Maya Pedersen-Bieri, Gold im Skeleton; Tanja Frieden, Gold im Snowboard Boardercross, Martina Schild, Silber in der Abfahrt; Bruno Kernen, Bronze in der Abfahrt).

Oder an Vancouver 2010, wo Skicrosser Mike Schmid mit seiner Goldmedaille für den Oberländer Glanzpunkt sorgte und sich die helvetischen Curler mit Beteiligung von Markus Eggler und Toni Müller Bronze erspielten.

An den letzten Spielen 2014 in Sotschi gab es für Angela Frautschi allen Grund zum Jubeln: Die Lenkerin holte mit den Eisgenossinnen bronzenes Edelmetall im olympischen Eishockeyturnier. Es war dies die einzige Oberländer Medaille.

Und nun in Pyeongchang 2018? Eines ist sonnenklar: Die Eltern der Oberländer Starterinnen und Starter, allesamt Olympiadebütanten, wünschen ihren Sprösslingen nur das Allerbeste. Aber: Wo und wie erleben (und mutmasslich auch erleiden) sie die Einsätze ihrer Liebsten? Welches sind ihre Glücksbringer? Und was trauen sie dem Nachwuchs am bedeutendsten aller Sportanlässe zu?

Nathalie von Siebenthal, Lauenen

Die pfeilschnelle Langläuferin aus dem Saanenland zählt seit geraumer Zeit zur Weltspitze. Entsprechend darf die 24-Jährige mit einem Spitzenplatz liebäugeln. «Sie ist gut drauf», weiss Vater Christian von Siebenthal. Er hoffe, dass seine Tochter fit antreten und eine optimale Leistung abrufen könne. «Oder sogar noch etwas mehr . . .» Der Landwirt aus Lauenen, der die voraussichtlich vier Rennen im Familienkreis vor dem Fernseher verfolgen wird, warnt indes vor zu grossen Erwartungen: «Man muss immer zuerst unter die besten acht bis zehn laufen.» Zumindest ein olympisches Diplom dürfte für Nathalie von Siebenthal in Reichweite sein. Oder doch gar noch mehr...?

Einsätze: Samstag (8.15 Uhr) Skiathlon 2 x 7,5 km; Donnerstag, 15. Februar (7.30 Uhr), 10 km Freistil; Samstag, 17. Februar (10.30 Uhr), Staffel, 4×5 km; Sonntag, 25. Februar (7.15 Uhr), 30 km klassisch.

Moritz Thönen, Hilterfingen

Der junge Snowboarder darf auf die Unterstützung seiner Eltern zählen. Vorgestern reisten Vater Simon und Mutter Ulrike Richtung Südkorea ab. «Wir freuen uns, Moritz vor Ort die Daumen zu drücken.» Simon Thönen sagt, üblicherweise lehne sein Sohn Besuche von Wettkämpfen eher ab, «weil sie ihn nervös machen». Die Eltern des 21-jährigen Freestyle-Boarders haben keinen Talisman im Gepäck. «Ich bringe wohl Ovi-Güezi mit, die mag er, und ein Foto von unserem Labrador Kimbu, Moritz’ Kumpel.» Auch Vater Thönen hat eine Verbindung zu Olympia und Korea: Vor 30 Jahren war er als Delegationsleiter der Segler und Teamzahnarzt in Seoul dabei. Gerne erinnert er sich noch heute an den Olympiasong «Hand in Hand».

Einsätze: Samstagmorgen früh (2 Uhr) Slopestyle-Quali; evtl. Sonntag (2 Uhr) Slopestyle-Final; Mittwoch, 21. Februar (1.30 Uhr), Big-Air- Quali; evtl. Samstag, 24. Februar (2 Uhr) Big-Air-Final.

Priscilla Annen, Lauenen

Die furchtlose Skicrosserin hat bis zu ihrer erstmaligen Olympiateilnahme einiges erdulden müssen. «Sie war die letzten vier Jahre immer wieder verletzt», sagt Mutter Caroline Annen. «Ich wünsche Priscillia, dass sie ihr bestmögliches Resultat herausfahren kann.» Mit einer Medaille dürfe man nicht rechnen, «toll wäre ein Rang in den Top 15, super gut einer in den Top 10». Sowohl Mutter Caroline als auch Priscillias Bruder Michael, ihr Freund sowie ein Kollege reisen nach Pyeongchang. «Wir sind ihre Glücksbringer!» Die 25-jährige Skicrosserin, die ihren Vater als Zehnjährige verloren hat («er wäre mächtig stolz auf sie», so Caroline Annen) und Nathalie von Siebenthal sind die ersten beiden Olympiafahrerinnen aus Lauenen überhaupt. jss

Einsatz: Freitag, 23. Februar (ab 3.30 Uhr Setzliste, dann eventuell 1/8-, 1/4-, 1/2- und Final) Skicross.

Jonas Hunziker, Brienz

Der akrobatische Ski-Freestyler weilte bereits vor zwei Jahren an der Olympiahauptprobe in Pyeongchang. Damals noch mit seinem älteren Bruder Cyrill, der letzten Winter vom Spitzensport zurückgetreten ist. Nun wird Letztgenannter für seine Eltern Samuel und Madlene den Fremdenführer geben. «Wir verfolgen Jonas’ Auftritt live vor Ort», so Vater Samuel Hunziker. Sie seien nicht sehr erfahren in interkontinentalen Reisen. «Ich mag ihm die Teilnahme extrem gönnen, er hat in den letzten Jahren viel dafür investiert.» Er werde mutmasslich nervöser sein als sein Spross, meint Vater Hunziker – und lacht. «Mein Wunsch ist es, dass Jonas zeigen kann, was er draufhat. Der Slopestyle-Kurs ist sehr anspruchsvoll. Die Finalteilnahme, ein Platz in den ersten zehn, ist sein grosses Ziel.»

Einsatz: Sonntag, 18. Februar (2 Uhr Qualifikation, eventuell 5.15 Uhr Final), Slopestyle.

Joana Hählen, Lenk

Die aufgestellte Speedfahrerin darf sich auf einen Glücksbringer aus ihrer Lenker Heimat freuen. Mehr mag Monika Hählen dazu indes nicht verraten. «Ich plane, mit Joanas Zwillingsschwester Simona am 15. Februar nach Südkorea zu reisen», erzählt die Mutter der 26-jährigen Skirennfahrerin. Joana Hählen musste in der internen Ausscheidung Corinne Suter den letzten Startplatz im Super-G überlassen. Nun konzentriert sich die Athletin auf die Abfahrt. «Ich bin stolz, hat sie es geschafft. Es ist sehr schön, konnte sie sich für die Spiele qualifizieren – das ist alles andere als selbstverständlich», weiss Monika Hählen. Beim Gedanken ans Olympiaabenteuer ihrer Tochter «böppele» ihr Herz schon jetzt ein wenig. «Ich hoffe, Joana gelingen gute Fahrten.»

Einsätze: Mittwoch, 21. Februar (3 Uhr), Abfahrt (evtl. nach interner Ausscheidung); Abfahrtstrainings 18./19./20. Februar (jeweils 3 Uhr).

Michael Schärer, Spiez

Der trickreiche Snowboarder, seines Zeichens Juniorenweltmeister von 2014, hat Schwein. Im Wortsinn. «Ich habe ihm ein kleines Schweinchen, welches er in die Hosentasche stecken kann, als Glücksbringer mitgegeben», sagt Imke Schärer. Die Mutter des 21-jährigen Spiezers – er startet wie Moritz Thönen in Slopestyle und Big Air – wird nachts den Wecker stellen, um die Auftritte ihres Sohnes miterleben zu können. «Ich wünsche Michael, dass er seine Tricks zeigen und stehen kann.» Es sei halt immer auch etwas Glück dabei. «Die Spiele sind für ihn etwas ganz Tolles – er hat sich sehr auf das Leben im olympischen Dorf und die Stimmung dort gefreut.»jss

Einsätze: Samstagmorgen früh (2 Uhr) Slopestyle-Quali; evtl. Sonntag (2 Uhr) Slopestyle-Final; Mittwoch, 21. Februar (1.30 Uhr), Big-Air-Quali; evtl. Samstag, 24. Febr. (2 Uhr) Big Air Final.

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