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Wie sich die Zeiten geändert haben

Mit einem Fest und einer Jubiläumsviehschau mit vielen Maximumkühen feierte der Viehzuchtverein Erlenbach das 125-Jahr-Jubiläum in der Markthalle.

Der Viehzuchtverein Erlenbach feiert Jubiläum. An der Viehschau wurden 212 Tiere aufgeführt.
Der Viehzuchtverein Erlenbach feiert Jubiläum. An der Viehschau wurden 212 Tiere aufgeführt.
Rösi Reichen

Vor 125 Jahren wurde die Viehzuchtgenossenschaft Erlenbach von 48 Bauern gegründet und als Präsident Nationalrat Jakob Rebmann gewählt. Seither hat sich vieles geändert.

«Ich war vor 25 Jahren auch schon dabei. Da hatten wir noch über 40 Mitglieder, heute sind es 21. Strukturwandel und Politik haben vieles geändert», erklärte der Präsident Markus Messerli gegenüber dieser Zeitung.

Er wünscht sich eine produzierende Landwirtschaft bei kostendeckenden Preisen. Es sei falsch, wenn eine Hektare Ökofläche mit höheren Direktzahlungen abgegolten werde als die gleiche Fläche Getreide. Die Betriebe seien grösser, viele Kleinbetriebe wurden aufgegeben.

Bei einem durchschnittlichen Bauernhof stehen im Simmental etwa 15 bis 20 Kühe im Stall, Vollzeitbetriebe gebe es etwa fünf Prozent. Aber etwas sei geblieben: die Begeisterung für die Alpwirtschaft. Fast alle Bauernfamilien ziehen im Sommer auf die Alp und etwa 90 Prozent davon stellen Käse her.

Markus Messerli, Präsident des Viehzuchtvereins Erlenbach, nimmt sich trotz viel Arbeit Zeit für seine Kuh Oriane. Bild: Rösi Reichen
Markus Messerli, Präsident des Viehzuchtvereins Erlenbach, nimmt sich trotz viel Arbeit Zeit für seine Kuh Oriane. Bild: Rösi Reichen

Die Viehzuchtgenossenschaften wurden in Vereine umgewandelt. Milchkühe werden künstlich besamt und linear bewertet. Früher gab es Genossenschaftsstiere in Erlenbach wie Bismark oder Hans im Gründungsjahr 1893. Heute halten noch einzelne Landwirte einen Stier, den sie gegen ein Sprunggeld ausleihen.

Dank des Strukturwandels gibt es weniger harte Handarbeit zu verrichten. Das übernehmen Maschinen, die aber teuer sind. Lohnunternehmer bieten ihre Dienste beim Ballenpressen und -wickeln an, aber Maschinen würden unter den Bauern selten geteilt, und «viele Bauern stellen auf Mutterkühe um», erzählte Messerli.

Bahn wurde für das Vieh gebaut

Erlenbach war wichtig als Umschlagplatz, wobei die Kühe bis nach Thun getrieben und dort auf die Bahn verladen wurden. Hauptsächlich für die Tiertransporte wurde die Bahn bis nach Erlenbach gebaut. Die Krone in Erlenbach war zwischen 1890 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs die Drehscheibe für die Händler. Da wechselten in drei Tagen gut und gerne um 5000 Stück Vieh den Besitzer.

Der kürzlich verstorbene, legendäre Antonio Corvi aus Italien exportierte viel Vieh. Bis 1980 florierte der Handel. Die Simmentalerrasse war als Zweinutzungskuh für Milchproduktion und Fleisch geeignet und wurde sogar als Zugtier eingespannt, weil Pferde zu teuer waren.

Es gab Zuchtfortschritte und durch Einkreuzen mit Red Holstein eine höhere Milchleistung. Reinzüchter gründeten 1978 die Schweizerische Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der reinen Simmentaler Fleckviehrasse, die weltweit mit ungefähr 50 Millionen Tieren eine der bedeutendsten Rinderrassen ist.

Am Samstag waren vom Dreikäsehoch bis zum Grossätti alle stolz und herausgeputzt versammelt, die Halle wunderschön blumengeschmückt, die Glocken und Ehrenpreise aufgereiht. Die Viehzucht interessiert, Besucher fachsimpelten, schauten genau hin und freuten sich an den Erfolgen der 212 Tiere der Rassen Simmentaler (SI), Swiss Fleckvieh (SF), Red Holstein (RH) und Holstein (HO) aus 15 Betrieben.

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