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«Wir müssen am gleichen Strick ziehen»

Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region schaffen und neue Projekte anstossen: Peter Aeschimann blickt auf sein erstes Präsidialjahr der Regionalkonferenz Oberland-Ost zurück und schaut nach vorn.

Drückt der Regionalkonferenz Oberland-Ost den Stempel auf: Präsident Peter Aeschimann.
Drückt der Regionalkonferenz Oberland-Ost den Stempel auf: Präsident Peter Aeschimann.
Hans Urfer

Vor Amtsantritt haben Sie gesagt, dass bezüglich Arbeits- und Wohnregion das östliche Oberland noch Potenzial hat respektive Nachholbedarf besteht. Was konnten Sie diesbezüglich in Ihrem ersten Amtsjahr als Präsident der Regionalkon­ferenz Oberland-Ost (RKOO) ­bereits erreichen?

Peter Aeschimann: Der Verbleib der BLS-Werkstätten in Bönigen war ein wichtiges und positives Zeichen.

Die BLS fällte diesen Entscheid aber bereits in einem früheren Jahr.

Das stimmt. Die geplanten und sich im Bau befindenden Erweiterungsgebäude des Bahnunternehmens am gleichen Standort führen nun dazu, dass beispielsweise Grindelwald Bus seinen Standort ins Industriegebiet Flugplatz verlegt. Das Festhalten der BLS am Standort Bönigen hat einen Dominoeffekt zur Folge. Und löst somit weitere Aufträge aus, schafft zusätzliche Arbeitsplätze in der Arbeitsregion östliches Oberland. Ich bin auch überzeugt, dass die Realisierung des V-Bahnprojekts positive Impulse gibt respektive zusätzliche Arbeitsplätze schafft.

«Ohne die Genehmigung der behördenverbindlichen Richtplanung gibts keine wirtschaftliche Entwicklung.»

Wie gross ist der Anteil der Regionalkonferenz an solchen Erfolgsmeldungen?

Dass wir mit dem Entscheid der Regionalversammlung die planerischen Voraussetzungen geschaffen haben, um neue Projekte überhaupt erst möglich zu machen. Denn ohne die Genehmigung der behördenverbindlichen Richtplanung gibts keine wirtschaftliche Entwicklung. Und voran kommt die Region auch nur dann, wenn alle 26 Gemeinden an einem Strick ziehen. Unterschiedliche Meinungen dürfen schon Platz haben, aber am Ende muss ein Konsens gefunden werden.

Einseitig auf die Bödeli-Gemeinden ausgerichtetes Tourismuskonzept, Nein zur Erhöhung des Beitrags an das Kunsthaus Interlaken und wenig Verständnis für den neuen Status der Bödeli-Bibliothek Interlaken als künftige Regionalbibliothek: Gemeinden von oben am Brienzersee und aus dem Oberhasli liessen im Jahr 2019 vereinzelt an Regionalversammlungen ihre Solidarität vermissen. Wie viel Verständnis bringen Sie für diese Haltung auf?

Ich habe insofern Verständnis weil ich weiss, dass die Uneinigkeit geschichtlich bedingt ist.

Stabübergabe im November 2018: Peter Aeschimann (l.) übernimmt das Zepter von Vorgänger Peter Flück. Foto: Fritz Lehmann
Stabübergabe im November 2018: Peter Aeschimann (l.) übernimmt das Zepter von Vorgänger Peter Flück. Foto: Fritz Lehmann

Das müssen Sie jetzt erklären.

Ich erinnere daran, dass der Föhn und der Neid als die beiden ältesten Oberländer gelten. Unsere Kleinräumigkeit und Sprachenvielfalt wird gepflegt, das finde ich positiv. Auf der anderen Seite sind wir im Wettbewerb.

Aber nicht das Bödeli und das Oberhasli untereinander.

Natürlich nicht. Sondern mit anderen Regionen aus der Schweiz oder im Tourismus gar mit ausländischen Destinationen.

Und der Konkurrenzkampf bedingt was?

Dass wir künftig mehr zusammenarbeiten müssen. Und diesbezüglich sind wir auf einem guten Weg.

«Entscheidend ist, welche freiwilligen Aufgaben schlussendlich der Regionalkonferenz übertragen werden.»

Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Wir kennen einander besser. Alle Gemeindepräsidenten treffen sich dreimal pro Jahr an den Regionalversammlungen, nicht berücksichtigt ist dabei der gesellschaftliche Teil, der viel zum besseren Verständnis untereinander beiträgt.

Letzteres ist jedoch nicht immer vorhanden. So hat kürzlich die Gemeinde Meiringen das Energiestadtlabel erhalten. Gleiches wollte die Regionalkonferenz für das ganze östliche Oberland erreichen, was schlussendlich an mangelnder Bereitschaft einiger Gemeinden gescheitert ist. Somit werden nach wie vor kommunale vor regionale Interessen gestellt. Wie wollen Sie diesbezüglich Gegensteuer geben?

Wir dürfen nie erwarten, dass alles gutgeheissen wird, was von der Geschäftsleitung präsentiert wird.

Ein Blick in die Finanzplanung der RKOO zeigt, dass mit jährlichen Verlusten und einer Halbierung des Eigenkapitals (EK) gerechnet werden muss. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll das EK auf 200'000 Franken sinken, 50'000 Franken über der Liquiditätsschwelle. Wie lässt sich diese Talfahrt stoppen?

Die Regionalkonferenz soll keine Institution sein, die das Geld hortet. Die Planung für die kommenden fünf Jahre sieht positiv aus. Wir werden in keinen Liquiditätsengpass hineinrutschen. Entscheidend bezüglich der finanziellen Situation ist, welche freiwilligen Aufgaben schlussendlich der Regionalkonferenz übertragen werden sollen.

Nun ist es ja nicht so, dass die Regionalkonferenz keine Einnahmen generiert. Wie hoch ­waren beispielsweise die erhaltenen Kantonsbeiträge für Projekte im Jahr 2019?

Wir haben 1,1 Millionen Franken Darlehen und 900'000 Franken à fonds perdu erhalten, was ein ein Investitionsvolumen von 9 Millionen Franken generierte.

Die RKOO beantragte im abgelaufenen Jahr dem Regierungsrat, unter anderem den Verein Tellspiele Interlaken als Kulturinstitution von regionaler Bedeutung anzuerkennen und im Rahmen der kantonalen Kulturförderung mit 105'000 Franken zu unterstützen. Was ist daraus geworden?

Der Kanton hat die Bereitschaft signalisiert, die Tellspiele in den nächsten vier Jahren finanziell zu unterstützen. Nicht aber im Rahmen unseres Antrags. Argumentiert wurde, dass die Professionalität, was die Darsteller angeht, fehlt, ansonsten der Kanton mehrere andere Freilichtaufführungen auch finanziell mittragen müsste. Der Tellspielverein ist nun gefordert, ihr Produkt so zu modernisieren damit vermehrt Gäste, vorwiegend ausländische, die Aufführungen besuchen.

Was hat dies mit dem Kantonsbeitrag zu tun?

Der Tellspielverein hat nun ein Konzept vorzulegen, wie die Modernisierung gelingen soll. Wird dies vom Kanton genehmigt, leistet dieser einen Beitrag von 40 Prozent, die Standortgemeinden Interlaken, Matten, Unterseen IMU 50 Prozent und die Regionalkonferenz deren 10. Schlussendlich käme dann der Betrag von rund 100'000 Franken zusammen, was dem beantragten Kulturbeitrag ziemlich genau entspricht.

Kontakte zu übergeordneten Stellen herstellen und die Position der Region vertreten ist Aufgabe der Grossratsmitglieder, haben Sie mal gesagt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Informationsaustausch, wenn man bedenkt, dass die Präsenz der Kantonsvertreter aus dem östlichen Oberland an den Regionalversammlungen unterdurchschnittlich ausfällt?

Zwei Grossräte repräsentieren auch ihren Gemeinderat in der Regionalkonferenz und sind somit an den Versammlungen anwesend.

Stimmt. Deren Präsenz ist nach Geschäftsreglement obligatorisch.

Ich bin realistisch. Unsere Region ist im Grossen Rat untervertreten. Auf der anderen Seite empfinde ich es als Plus, dass wir mit Christine Häsler und Christoph Ammann zwei Mitglieder in der Regierung stellen, die die Probleme unserer Region bestens kennen.

Zurück zur Frage: Wie wichtig ist ein aktiver Informationsaustausch mit den regionseigenen Mandatsträgern aus dem Grossen Rat?

Haben wir seitens der Regionalkonferenz ein bestimmtes Thema oder Projekt, das wir auf der Stufe Kanton einbringen möchten, werden wir die Grossratsmitglieder gezielt kontaktieren.

Welches werden die «grossen» Themen im noch jungen 2020 sein?

Nebst der erwähnten Neufinanzierung der Tellspiele und der angesprochenen Problematik bezüglich ÖV/Därligen-Einfahrt ist die Abbau- und Deponierichtplanung ein zentrales Thema. Bei Letzterem geht es um das Hartsteinabbauprojekt aber auch um den Verlad und um sämtliche Fragen rund um den Abbaustandort. Nicht zu vergessen ist die Aktualisierung des Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzepts der Region Oberland-Ost aus dem Jahre 2016. Hier ist die überarbeitete regionale Veloplanung nur einer von mehreren Eckpfeilern.

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