Innertkirchen

Zahlen und kämpfen

InnertkirchenDer Bernisch-Kantonale Fischereiverband (BKFV) akzeptiert eine Erhöhung der Patentgebühren. Mehr Sorgen machen sich die Fischer um die bedrohte Gewässervielfalt.

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Der Fischereibereich wurde schon bei der letzten Sparrunde des Kantons so massiv geschrumpft, dass Regierungsrat Christoph Ammann in der laufenden Sparrunde in die «Trickkiste» griff: Bei der ­Fischerei will der Kanton diesmal nicht sparen, dafür aber mehr einnehmen; so soll ein Jahrespatent statt 200 neu 250 Franken kosten.

Der Erhöhung der Patentgebühren widersetzt sich der BKFV nicht grundsätzlich. «Ein Referendum wäre angesichts der Spar­opfer im Sozial- und Bildungs­bereich nicht verhältnismässig», sagte Präsident Markus Meyer. Vor allem aber erfüllt das neue Fischereigesetz eine alte BKFV-Forderung: die Einführung eines Hegebeitrags für die rund 2500 Fischer, welche die Fischbestände im Kanton Bern nutzen, ohne sich in einem Verein für ihre Pflege zu engagieren.

Lasten fair verteilen

An der BKFV-Hauptversammlung in Innertkirchen legten die Delegierten der Berner Fischereivereine Regierungsrat Ammann eine faire Ausgestaltung des Hegebeitrags ans Herz. Insbesondere forderten sie, dass der Beitrag hoch genug angesetzt und von allen Fischern eingezogen wird, die nicht zu einem Verein gehören – nicht nur für Jahrespatente, wie der Kanton vorschlägt. Und sie ­erklärten dem Regierungsrat auch gleich, wie sich der Hegebeitrag selbst auf Tagespatenten ohne grossen administrativen Zusatzaufwand erheben lässt.

Vielfalt erhalten

Dass die Berner Fischer die Er­höhung der Patentgebühren hinnehmen, liegt auch an der grossen Vielfalt und Attraktivität der bernischen Gewässer. «Wir tun alles, damit diese Vielfalt erhalten bleibt», sagte Markus Meyer. So leisteten die gut 5000 Fischerinnen und Fischer in den 48 Vereinen des BKFV auch 2017 wieder unermüdlich Freiwilligenarbeit: 61'794 Stunden setzten sie unter anderem für den Besatz der Gewässer mit Jungfischen ein, pflegten und renaturierten Gewässer, informierten die Bevölkerung über das Leben im Wasser – zum Beispiel mit der neuen Fischausstellung im Tropenhaus Frutigen – und führten Kurse zum fach- und tierschutzgerechten Fischen durch.

Für die Erhaltung fischfreund­licher Gewässer kämpft der Verein auch auf dem Rechtsweg – etwa gegen Kleinwasserkraftwerke, die volkswirtschaftlich nichts nützen, aber viel Natur zerstören. «Nach der Goldgräberstimmung, die durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ausgelöst wurde, hat die Gewässerstrategie nun etwas Ruhe gebracht», berichtete BKFV-Jurist Urs Grütter.

Allerdings ist der Nutzungsdruck noch immer enorm. Der Verband bietet dem Kanton nun an, einzelne Kleinkraftwerke dort zu akzeptieren, wo sich der ökologische Schaden in Grenzen hält, wenn im Gegenzug intakte Bäche wirkungsvoll vor solchen Eingriffen geschützt werden. Auf Bundesebene wird auf eine Modifizierung der KEV hingearbeitet, damit es künftig keinen finanziellen Anreiz für die Naturzerstörung gibt.

Gewässerschutzanliegen vertritt der Verband auch in den Begleitgruppen zu Projekten der Kraftwerke Oberhasli (KWO). Die Versammlung genehmigte sämtliche Geschäfte und wählte Timon Bucher, den jungen Präsidenten des Verbands Seeländischer Fischereivereine, als Nachfolger von Hansueli Sterchi in den Vorstand.

Mit einem Überlebenspaket und guten Wünschen verabschiedete der BKFV den stellvertretenden Fischereiinspektor Christoph Küng, der sich seit 38 Jahren um die Berner Fischerei gekümmert hat. Gern nahmen die Fischer schliesslich das Lob von Grossratspräsidentin Ursula Zybach an, die darauf hinwies, dass das gesunde Lebensmittel Fisch nicht ohne den Einsatz für eine nachhaltige Nutzung der Gewässer zu haben ist. (Berner Oberländer)

Erstellt: 12.03.2018, 09:13 Uhr

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