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Zeit für Überraschungen

Die «stille Zeit» nach dem Jahreswechsel nutzt die Galerie Kunstsammlung Unterseen für eine Ausstellung mit bekannten und unbekannten Namen: 39 Kunstschaffende sorgen für Überraschungen.

Mit ihrem offenen Blick auf das aktuelle Oberländer Kunstschaffen lockte die Vernissage von «Stille Zeit» auch dieses Jahr wieder viele Neugierige in die KSU-Galerie.
Mit ihrem offenen Blick auf das aktuelle Oberländer Kunstschaffen lockte die Vernissage von «Stille Zeit» auch dieses Jahr wieder viele Neugierige in die KSU-Galerie.
Sibylle Hunziker
«Hoffnung» von Jeanette Mösching: Auf wunderbaren Wegen zu überraschenden Ausgängen.
«Hoffnung» von Jeanette Mösching: Auf wunderbaren Wegen zu überraschenden Ausgängen.
Sibylle Hunziker
Zum ersten Mal dabei: Barbara Wälti mit ihrer «mystischen Landschaft».
Zum ersten Mal dabei: Barbara Wälti mit ihrer «mystischen Landschaft».
Sibylle Hunziker
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«Das gabs noch nie», sagt Christoph Wyss, Präsident der Kunstsammlung Unterseen (KSU) an der Vernissage am Sonntag: 39 Kunstschaffende liessen Werke jurieren, und von jeder und jedem ist nun mindestens ein Werk ausgestellt. «Das liegt an der durchwegs hohen Qualität.»

«Wir waren uns praktisch immer auf Anhieb einig», sagt Uschi Rohrbasser vom KSU-Vorstand, die zusammen mit Ueli Sonderegger aus Thun und Martin Aeberhard aus Beatenberg die Werke jurierte. Es sei eine schöne Aufgabe gewesen – auch, weil es selbst für die mit dem Oberländer Kunstschaffen vertrauten Jurymitglieder viel Neues und Überraschendes zu entdecken gab.

Neugierig auf Farben

Zum ersten Mal überhaupt stellt zum Beispiel Barbara Wälti aus, die ihre Fantasie – und die ihres Publikums – mit Landschaften aus eher zufälligen Strukturen und Acrylfarbe auf Reisen schickt.

Den ersten öffentlichen Auftritt haben auch die Bilder der Töpferin Annador Caspari. Ihre Töpferei in Steffisburg hat sie geschlossen; «aber nichts machen geht auch nicht». Und so greift sie zu Pinsel und Feder, wenn sie das Kribbeln in den Fingern spürt. Die fröhlichen Figuren, die ihre Gwundernasen um jede Ecke stecken, spiegeln Casparis Neugier auf Farben. «Und hier in der KSU-Galerie haben sie eine wunderbare Umgebung.»

Überraschungen halten auch bekannte Kunstschaffende bereit: Bettina Dubois etwa hat neben ihrer Acrylmalerei schon immer mit feinen Tuschlinien experimentiert; aber diesmal sind die Engel, die aus dem filigranen Liniengewirr auftauchen, nicht im stillen Kämmerlein geblieben.

Die Leichtigkeit des Seins zeigt Renate Häberli mit tanzenden Gipsfiguren ebenso wie mit einem glitzernden Aquarell-Brienzersee. Und Valérie Poteau wechselte für einmal von der Schwarzweiss- zur Farbfotografie – und lässt die farbigen Lichtreflexe in ihren Makroaufnahmen von Wassertropfen auch gleich die Hauptrolle spielen.

Hansueli Urwyler und Peter Stähli setzen ihren Weg zu gewagten Farben in der Landschaftsmalerei auf ganz unterschiedliche Weise, aber gleichermassen konsequent fort.

Derweil zeigen Martin Otth, Rittiner & Gomez und Barbara Seiler, dass es ihnen mit Schwarzweiss noch längst nicht langweilig geworden ist. Nuanciert spielt Otth in seinen feinen Tuschzeichnungen das Spiel von Licht und Schatten in der Landschaft. Und Barbara Seiler geht so weit ins Detail, dass man mit ihren Scherenschnitten auch botanische und zoologische Studien betreiben könnte.

«Mir ist wichtig, dass eine Weinbergschnecke nach Weinbergschnecke aussieht», meint die Künstlerin und erzählt schmunzelnd, wie sie das stets hungrige Modell für «Naturleben» auf ihrem Arbeitstisch mit Salatblättern bei Laune hielt.

Vielfalt ohne Misstöne

Gabriele Stähli und Ernst Hanke vom KSU-Vorstand haben die 104 Bilder und Skulpturen so gehängt und gestellt, dass jedes Werk zur Geltung kommt. So weisen Ueli Bettlers füllige Keramikschönheiten mit grosser Geste auf die Nachbarbilder, ohne sich von ihnen die Show stehlen zu lassen. Und die Farbbombe von Heinz Kilchenmanns «Bergaquarium» kann platzen, ohne die Wirkung von Josephine Fischers dezenten Bergcollagen zu trüben.

Beim Hängen hat auch Ernst Hanke wieder gestaunt. Etwa über Corina Schulthess’ Zaunkönige, die bei aller Überlebensgrösse die federleichten und unvermittelten Hüpfer der Vögelchen eingefangen haben. «Und Martin Glausers Baumfotografie hielt ich wegen des speziellen Lichts zuerst für eine Solarisation.»

Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag: 15–18 Uhr; Freitag: 18–20 Uhr; Sonntag: 11–16 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 2. Februar 2020.

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