Ziel: ein neuer Treffpunkt

Lauterbrunnen

Die Genossenschaft Schulhaus Gimmelwald ist gegründet. Ihr Ziel: die Übernahme des Schulhauses, damit dem Bergdorf weiterhin ein Treffpunkt zur Verfügung steht.

Vor dem Schulhaus blicken (v.l.) Daniela Zurbuchen, Christian Abbühl, Präsident Emil von Allmen und Corinne Jahn vom Vorstand der neu gegründeten ­Genossenschaft Schulhaus Gimmelwald optimistisch in die Zukunft.<p class='credit'>(Bild: Anne-Marie Günter)</p>

Vor dem Schulhaus blicken (v.l.) Daniela Zurbuchen, Christian Abbühl, Präsident Emil von Allmen und Corinne Jahn vom Vorstand der neu gegründeten ­Genossenschaft Schulhaus Gimmelwald optimistisch in die Zukunft.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Das grosse Holzhaus an bester Aussichtslage von Gimmelwald wirkt mit seinem mit Lukarnen bestückten Walmdach fast ein bisschen herrschaftlich. Es ist das Dorfschulhaus, hat aber seit 2010 in dieser Funktion ausgedient. Zu wenig Kinder im Dörfchen; auch eine Lösung mit Oberschülern aus Stechelberg und Mürren war nicht von langer Dauer. Die Gemeinde Lauterbrunnen entschloss sich, das Schulhaus zu verkaufen.

Der Verkauf war schon fast unter Dach und Fach und wurde im November 2017 der Gemeindeversammlung vorgelegt. 484'122 Franken hätte er in die Gemeindekasse gespült; der vorgesehene Käufer war ein Ehepaar aus Interlaken. Das mobilisierte die Gimmelwalder, haben sie doch im Parterre des Schulhauses mit der Gemeindestube den einzigen Raum, wo sie sich öffentlich treffen können, und sie haben ihn in Schuss gehalten. Der Raum wäre nach Vertrag mit den Käufern nur eine beschränkte Zeit lang für das Dorf gesichert geblieben.

Das überzeugte die Gimmelwalder nicht, zudem ging es ihnen auch um die Nutzung der Umgebung des Schulhauses. Eine Interessengemeinschaft wurde gegründet und mobilisierte die Stimmberechtigten: Der Verkauf wurde wuchtig abgelehnt. Eine neue Ausschreibung sollte erfolgen.

Jetzt mit Genossenschaft

Für die Interessengemeinschaft ging die Arbeit weiter. Nach diversen Abklärungen wuchs die Überzeugung, dass die Gimmelwalder ihr Schulhaus selber ­kaufen sollten, um über seine ­Zukunft bestimmen zu können. Seit Ende März wird aktiv an der Finanzierung gearbeitet.

Am 19. Mai unterbreitete die IG dem Gemeinderat ein Kaufangebot von 250'000 Franken, welches noch mit dem Gemeinderat ausgehandelt werden muss. «Wir ­sehen diesen Preis darin begründet, dass die Genossenschaft ja anstelle der Gemeinde eine öffentliche Aufgabe für das Dorf, einen Teil der Gemeinde, wahrnimmt», sagt Emil von Allmen.

Am Freitag fand die offizielle Gründung der Genossenschaft Schulhaus Gimmelwald statt mit über 70 künftigen Mitgliedern, die an der Gründungsversammlung teilnahmen. Sie genehmigten die Statuten, die mit dem ­Zusatz «gemeinnützig» ergänzt wurden, und wählten ihren Vorstand. Präsident ist Emil von Allmen. Er kennt das Schulhaus: Sein Vater war hier Lehrer, und er zog als Neunjähriger mit seiner Familie in eine der Lehrerwohnungen.

Konkrete Sanierungspläne

Mit dem geplanten Kauf ist es nicht getan. Dach, Heizung, Elektro- und Sanitärinstallationen müssen saniert werden. Neuer Wohnraum soll geschaffen werden. Das wird rund 1,5 Millionen Franken kosten. Die Unterstützung ist beachtlich: Genossenschaftskapital von 346'000 Franken und Spenden von 148'000 Franken sind bereits zugesagt. Gimmelwald selber hilft kräftig mit: 180'000 Franken kommen aus dem kleinen Dorf.

Finanziell tragen soll sich das Haus nach dem Umbau mit den geplanten Mieteinnahmen. Angedacht sind Erstwohnungen. Obschon Gimmelwald seit 1965 mit der Schilthornbahn öffentlich gut erschlossen ist – die of­fizielle Eröffnung fand damals auf dem Schulhausplatz statt –, schrumpft die Einwohnerzahl. Um über die Runden zu kommen, wird die Genossenschaft ihren Wohnraum fast durchgehend vermieten müssen. «Wir wissen nicht, wie es mit Angebot und Nachfrage steht. In Gimmelwald ist der Wohnungsmarkt sehr klein», sagt von Allmen.

Berner Oberländer

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