Zukunft mit neuem Geschäftsmodell – ohne Fleisch?

Spiez

Rund vierzig Personen liessen sich über die Zukunft des Dorfladens informieren.

Das Kapitel Dorfladen ist bereits wieder zu Ende: In einer Woche geht das Geschäft zu.

Das Kapitel Dorfladen ist bereits wieder zu Ende: In einer Woche geht das Geschäft zu.

(Bild: Guido Lauper)

Svend Peternell

Am Informationsanlass vom ­Freitagabend, der sich an ein breites Publikum richtete und rund vierzig Personen anzulocken vermochte, orientierte Sepp Zahner, Verwaltungsratspräsident der Dorfladen AG, über das weitere Vorgehen nach der Schliessung vom 9. Februar. An erster Stelle steht die Wiedereröffnung nach einer Pause, an zweiter die Lösung einer Untervermietung, an dritter der Verkauf der Dorfladen AG und an vierter Position die Liquidation.

Voll fokussiert wird auf eine der ersten drei Ansätze. Zahner entkräftete damit die von einem Anwesenden in den Raum gestellte Vermutung, der Verwaltungsrat (VR) habe resigniert und sehe ohnehin keinen anderen Weg als den letzteren.

Keine Zahlen genannt

Zahlen wurden trotz verschiedentlicher Nachfrage keine genannt. Diese seien zuerst den Aktionären vorbehalten, hiess es. Sie werden an der Generalversammlung orientiert. Natürlich musste sich der VR einige Vorwürfe anhören. So auch, dass das Startkapital mit 250'000 Franken zu tief gewesen sei und man einfach mal losgelegt habe – allerdings mit der Vorgabe einer Aktienkapitalerhöhung im letzten Jahr. Diese erfolgte zwar – ohne den gewünschten Effekt. Auch die zu tief berechneten Produktgewinnmargen wurden von einem Fleischlieferanten kritisiert.

Sepp Zahner begründete, man habe sehr wohl die Experten im Bereich Fleisch und Käse einbezogen. Der Umstand des ersten Jahres mit den neuen Begebenheiten habe keine grossen Möglichkeiten gelassen – zumal man von Langfristigkeit und Kundenbindung ausgegangen war. Geschäftsführerin Anne-Kathrin Spielmann wusste das eine oder andere Beispiel aufzulisten, wie Einkaufspreise verhandelt werden. Da hätten grosse Player wie die Landi schlichtweg andere Trümpfe mit der Menge als sie mit einem kleinen «Lädeli».

Und wie werde mit offenen Rechnungen umgegangen? Das wollte eine Frau wissen – gerade im Hinblick darauf, dass regionale Produzenten ihren Pflichten nachkommen müssten («Die hängen auch mit ihren Existenzen dran»). «Im Moment können wir die Rechnungen nicht zahlen», musste Sepp Zahner konstatieren. «Wir haben mit den Gläubigern gesprochen und prüfen, ob wir eine der drei ersten Varianten realisieren können.»

Innovativer Investor gesucht

Ein Unternehmer riet dringend zum Kapitalschnitt. Von Überprüfen des Geschäftsmodells war die Rede und natürlich vom Herbeisehnen eines innovativen Investors. Einen solchen müsste man noch in der gleichen Nacht aus dem Bett holen können, scherzte einer.

Dann kamen Ideen zur Sprache. Etwa die Bargeldlosvariante, die Sepp Zahner vor drei Jahren in Holland entdeckte – hier könnten Personalkosten massiv reduziert werden. Oder das offensivere Handling mit Online und der Kommunikation mit sozialen Medien, um den Dorf­laden bekannter zu machen. Oder die Idee einer Filiale eines auswärtigen Metzgers – mit ergänzendem Angebot. Oder gar der gänzliche Verzicht auf Fleisch wegen des Handicaps der Marge. Oder ein Workshop, um Ideen zu diskutieren. Der VR hat seine Aufgaben gefasst. Zeit bleibt ihm ohnehin nicht mehr viel.

Berner Oberländer

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