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Patricia Schauss – Frau mit deutschen Tugenden

VolleyballPatricia Schauss, Mittelblockerin von Volley Köniz, will heute in Aesch-Pfeffingen und morgen im Cuphalbfinal gegen Neuenburg (16 Uhr, OZK) den Schwung aus dem erstklassigen Voléro-Spiel mitnehmen. Die Zuschauer geniessen am Sonntag in Köniz Gratiseintritt.

Selbst ist die Frau: Patricia Schauss nimmt ihren ganzen Mut zusammen und wählt die Telefonnummer von Teamchef Dirk Gross. Eine Woche später erscheint die 1,88 Meter grosse Mittelblockerin in Köniz zum Probetraining – und überzeugt. Schauss erhält einen Vertrag und wechselt vom NLA-Aufsteiger zum Schweizer Meister. Das geschah vor eineinhalb Jahren. «Neuenburg hatte mit Laetitia Portmann und den neuverpflichteten Kelly Russell und Sabine Frey drei starke Mittelblockerinnen. Deshalb suchte ich in Köniz eine neue Herausforderung», sagt die 22-jährige Kerzerserin. Schauss’ Eigeninitiative verärgerte Trainer Philipp Schütz, der gerne weiter auf ihre Dienste gezählt hätte. Sie könne die Enttäuschung ihres Jugendausbildners verstehen, meint Schauss. «Ich habe diesen Schritt aber nicht bereut. Mein Ziel ist es, einen Stammplatz im Schweizer Nationalteam zu erkämpfen und an der Heim-Europameisterschaft 2013 teilzunehmen.» Nachfolgerin von Sabine Frey Schauss trat beim Berner Vorortsklub ein schweres Erbe an: Sie musste Meistercaptain Frey ersetzen. Anfänglich hatte sie Mühe mit dem höheren Rhythmus, aber allmählich gewöhnte sich die inzwischen elffache Nationalspielerin an ihre neue Aufgabe. «In Neuenburg trainierte ich viermal wöchentlich, in Köniz absolviere ich bis zu zwölf Einheiten pro Woche», begründet Schauss ihre Fortschritte, die besonders vor einer Woche beim überraschenden Coup gegen Voléro Zürich (3:2) augenfällig wurden. Schauss spielte herausragend und gehörte mit sieben Blockpunkten zu den Matchwinnerinnen. Naticamp als InspirationsquelleEinen Leistungssprung vollzog die Absolventin der Fachmittelschule Freiburg auch im vergangenen Sommer. Schauss weilte drei Monate lang im Trainingsstützpunkt der Schweizer Auswahl in Zürich. Mit leuchtenden Augen erzählt sie: «Die Einheiten mit Nationaltrainerin Svetlana Ilic waren inspirierend und motivierten mich, mehr Zeit in den Volleyballsport zu investieren.» Ilic lebe Professionalität vor und fordere von allen Spielerinnen, in jeder Trainingseinheit hundertprozentigen Einsatz zu geben, meint Schauss, die seit ihrem Schulabschluss vor zwei Jahren gewissermassen Profisportlerin ist und es vorläufig bis zu den kontinentalen Titelkämpfen in zwei Jahren bleiben will. «Das Risiko, auf die Karte Volleyball zu setzen, nehme ich in Kauf.» Gratiseintritt in Köniz Patricia Schauss denkt ständig an den Cuphalbfinal am Sonntag (16 Uhr, OZK) gegen ihren früheren Verein. «Wir haben eine grosse Chance, uns für den Final in der Berner Wankdorfhalle zu qualifizieren», sagt die Freiburgerin. «Wer von uns hat schon einmal vor über 3000 Zuschauern gespielt?», fragt Schauss. Um anzufügen: «Wir sind motiviert bis in die Haarspitzen.» Die Zuschauer geniessen am Sonntag in Köniz Gratiseintritt – der neue Hauptsponsor, die Schweizerische Treuhandgesellschaft, deckt die entgangenen Einnahmen in Höhe von geschätzten 4000 Franken. Aber erst müsse die Pflichtaufgabe in Aesch-Pfeffingen erledigt werden, betont Schauss. Das Ensemble von Dirk Gross hat es im letzten Spiel der Qualifikationsrunde heute (18 Uhr, Löhrenacker) selbst in der Hand, mit einem Sieg (egal, wie hoch das Resultat ausfällt) den angestrebten dritten Platz zu verteidigen. So kann Köniz den vorzeitigen Clash im Playoff-Halbfinal gegen Voléro Zürich verhindern. Bald mit deutschem Pass «Deutsche Wertarbeit», ein Gütesiegel, das von Medien gerne vergeben wird, könnte dereinst auch für die Leistungen von Patricia Schauss stehen. Sie wird bald den deutschen Pass beantragen. «Mein Vater kommt aus Deutschland», sagt der jüngste Drilling der Familie. Wählt sie bald die Telefonnummer eines Bundesligatrainers – schliesslich würde sie das Ausländerkontingent mit dem neuen Ausweis nicht belasten? «Nein, nein», sagt Patricia Schauss und lacht herzhaft auf. «Mein Vertrag läuft Ende Saison zwar aus, aber ich kann mir vorstellen, bei Volley Köniz zu verlängern. Aber erst möchte ich die Entwicklungen im Verein abwarten.» Thomas Wälti>

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