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Paulus überwältigt die Thuner

In einem über zweistün-

Schlichtweg fulminant brachte der Kirchenchor Thun-Strättligen gemeinsam mit dem Berner Jubilate Chor und dem Orchester Bach-Collegium am Samstagabend Felix Mendelssohn Bartholdys «Paulus» in der Stadtkirche Thun zur Aufführung. Das 1836 uraufgeführte Oratorium erzählt die Geschichte des jüdischen Christenverfolgers Saulus, welcher sich bekehrt und als Apostel Paulus zum bedeutendsten Missionar für das Christentum wird, um in Rom schliesslich den Märtyrertod zu sterben, in Form von einzelnen Szenen. Die meisten Texte hierfür wählte der Komponist persönlich aus der Bibel aus, was seine fundierte Kenntnis der Heiligen Schrift beweist. Durch die abwechslungsreiche Vertonung, insbesondere die meisterhafte Instrumentierung, wird der ohnehin eindrückliche Lebensweg des Saulus/Paulus so plastisch und emotional dargestellt, dass einem beim Zuhören teilweise angst und bang wird, die Bekehrung unter die Haut geht, man aber gleichzeitig von der wunderbaren Musik ergriffen und getröstet wird. Auf höchstem Niveau Beispielsweise singt der vierstimmige Frauenchor die zu Saulus sprechende Stimme Jesu aus dem Jenseits in Schwindel erregender Höhe und mit solch flüchtigem, feinem Klang, dass sie wirklich etwas Überirdisches an sich hat. Es war aber nicht nur Mendelssohn, sondern auch der hervorragenden Interpretation seines Werks zu verdanken, dass der «Paulus» in Thun zu einer Sternstunde wurde. Während des mehr als zweistündigen Konzerts herrschte bei den über 150 Mitwirkenden äusserste Konzentration, die ihren Teil zu einer Darbietung auf lückenlos höchstem Niveau beitrug. Es war jedoch auch klar zu erkennen, dass der langjährige Leiter und Dirigent von allen drei Ensembles, Josef Zaugg, mit ihnen so ausdauernd geübt und an den Details gefeilt hatte, dass sie sich zu einer glatten, ja annähernd perfekten Einheit zusammenfügten. Fantastische Solisten Zu betonen ist die hervorragende Lautstärkenbalance zwischen Chor, Solisten und Orchester sowie die Homogenität der Register, deren einzelne Stimmen bei den Streichern wie auch bei den Sängerinnen und Sängern zu einem runden Wohlklang verschmolzen. Beachtlich war auch der von allen Beteiligten synchron ausgeführte dynamische Reichtum, welcher von zarten Piani bis zu gewaltigen Fortissimi reichte. Nicht zuletzt seien die fantastischen Solisten Maria C.Schmid (Sopran), Christophe Einhorn (Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass) zu loben. Einhorn und Schmid sangen wunderbar schlicht und einfühlsam, gestalteten aber dennoch differenziert. Er überzeugte gerade in der Höhe durch Natürlichkeit, sie mit ihrer anmutigen, glänzenden Stimme. Friedrichs mächtige, warme Bassstimme war auf die Rolle des Paulus wie zugeschnitten. Dank Mendelssohns gottesdienstähnlichem Oratorium vermag Paulus auch noch heute, fast zweitausend Jahre nach seinem Tod, Menschen zutiefst zu ergreifen – wenn wohl gerade auch wegen der Musik. Das Publikum in der fast ausverkauften Thuner Stadtkirche brachte seine Überwältigung mit einer Standing Ovation zum Ausdruck.Miriam Schild >

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