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Pioniergeist und Protest gegen die Zensur

Interlaken Wikipedia-Gründer Jimmy Wales erzählte am Alpensymposium vom Werdegang seines Projekts, nahm Stellung zum Gesetzesprotest und war auch um lustige Anekdoten nicht verlegen.

Als einen der «wichtigsten Erfinder der Menschheitsgeschichte» pries Moderator Stefan Klapproth den Erfinder der Internetenzyklopädie Jimmy Wales in Interlaken an. Dieser habe entscheidendere Spuren in der Geschichte hinterlassen als viele Politiker oder Regierungschefs, die bald am World Economic Forum in Davos teilnehmen würden. Der mit so viel Vorschusslorbeeren bedachte Gast am Alpensymposium begrüsste das Publikum mit dem Satz: «Ich habe etwas Deutsch gelernt», bevor er in englischer Sprache weiterfuhr. Gleich zu Beginn erklärte er, warum die englischsprachigen Wikipedia-Seiten gestern die Nutzer mit einem schwarzen Hintergrund begrüssten: Sie wurden 24 Stunden vom Netz genommen, um gegen neue Gesetze zur Kontrolle des Internets in den USA zu protestieren. Ein Millionenpublikum «Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jede einzelne Person freien Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit erhält. Genau das tun wir», sagte Wales. Mittlerweile ist Wikipedia eine der fünf meistbesuchten Internetsites und bietet mehrere Millionen Einträge in über 270 Sprachen an. Monatlich wird Wikipedia von 460 Millionen Nutzern besucht. Wales erklärte, dass Wikipedia Fakten zur Weltgeschichte möglichst neutral formuliere. Deshalb könne es auch vorkommen, dass Artikel von verschiedenen Seiten verfasst werden. Als Beispiel nannte er den Nahost-Konflikt. Im Artikel würde die Mauer zwischen Israel und Palästina sowohl als Mauer als auch als Schutzzaun bezeichnet. «In der Wikipedia-Gemeinschaft lernen die Menschen, dass es unterschiedliche Sichtweisen zu einem Thema gibt.» Wikipedia soll neutral bleiben. Wales sparte auch nicht mit Selbstkritik: Er erklärte, dass für die Autoren die Benutzeroberfläche noch verbessert werden müsse. Wales erzählte, dass viele Gerichte in China den Zusatz «Wikipedia» tragen würden. Als Grund vermutete er, dass vor den Olympischen Spielen viele Restaurantbesitzer ihre Speisekarten auf Englisch übersetzt hatten. Bei der Suche nach den richtigen Begriffen hätten sie die Suchmaschinen im Internet bemüht, und «Wikipedia» – als Onlineenzyklopädie – erschien oft zuoberst in der SuchabfrageFritz LehmannWeiterer Bericht: Der Auftritt von Josef Ackermann am Alpensymposium, Seite 13.>

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