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Plättlileger statt Schwermetaller

ROOOOOAAAAARRRR!!!!! Etwa so klingt Black Metal. Stellen Sie sich das musikalische Äquivalent einer Vorschlaghammersymphonie auf der nächsten Baustelle vor. Dann sind Sie in der Nähe dessen, was Ihnen beim Genuss dieser nicht eben frohgemuten Musikrichtung blüht. Nichts für Zimperliche und Zartbesaitete also. Aber ein wichtiges norwegisches Kulturgut. Kein Scherz: Auf DRS3 war zu hören, dass Black Metal in der Ausbildung von angehenden norwegischen Diplomaten nicht fehlen darf. Eben: Kulturgut. Das ergibt bei netten Cüpli-Anlässen sicher interessante Gespräche zwischen in edles Tuch gehüllten Botschaftern des skandinavischen Staates und ebenso gewandeten Amtskollegen anderer Länder. (Norweger: «Ihre Exzellenz, hören sie auch Black Metal?» Amtskollege, irritiert: «Hä?» Norweger, enthusiasmiert: «Na, sie wissen schon: Gutturaler Gesang, Powerchords und dissonante Intervalle auf der Gitarre, Doublebass und Blastbeats am Schlagzeug!» Amtskollege, eingeschüchtert: «Hääää?» Norweger, mit Feuereifer: «Genau, und dann die hübschen satanistisch-misanthropischen Elemente in Auftreten und Texten!» Amtskollege, erschüttert, denkt: «Vollmeise...») Ein Glück für unsere Diplomaten (und ihre Kollegen aus anderen Ländern), dass hierzulande weder Death Metal noch Grindcore noch Céline Dion zum Kulturgut gehören. Unsere Vertreter müssten höchstens mal Polos «Alperose» vorsäuseln oder einen flotten Jodel vom Stapel lassen. Auch der oberste Repräsentant der Stadt Thun, Raphael Lanz, ist nicht unbedingt ein Freund von Black Metal. «Nicht mein Geschmack», sagt er. Und Lanz bezweifelt, dass sich der kakophonische Krawall als Werbemedium eignet. «Da sind mir die farbigen und lebensfrohen Lieder von Roberto Brigante lieber!» Der singende Thuner Plättlileger verkörpere vieles, was unsere Stadt und Region ausmache – und von ihm könnte der Stapi durchaus auch ein Canzone zum Besten geben, sollten es die Umstände verlangen. Schliesslich werden Brigantes CDs von seinen Töchtern ausgiebig gespielt – und Raphael Lanz ertappt sich immer mal wieder dabei, «wie ich eines seiner Lieder singe oder summe». Das dürfte den norwegischen Diplomaten mit ihren Vorschlaghammermetalsongs doch eher selten passieren, Kulturgut hin oder her...m.gurtner@bom.ch>

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