Zum Hauptinhalt springen

Plaudernd posieren für die Postergalerie

SignauReto Sterchi lebt in New York. Nun ist er in seine alte Heimat zurückgekehrt und fotografiert Signauerinnen und Signauer – junge wie alte, den Wegmeister wie den Pfarrer. Sie alle kommen im Oktober gross heraus.

Was prägt eine Gemeinde am meisten? Die Häuser? Die Landschaft? Oder vielleicht das Leitbild der Behörden? «Nicht unbedingt», findet Signaus Gemeindeschreiber Max Sterchi, «eine Gemeinde sind in erster Linie die Menschen, die hier leben.» Deshalb liess sich die Gemeinde Signau für ihren Stand an der Gewerbeausstellung vom Oktober etwas Spezielles einfallen. Max Sterchi hat ungefähr 90 Einwohnerinnen und Einwohner aller Schichten zu einem Fotoshooting eingeladen. Bloss zwei haben ab-, die meisten anderen spontan zugesagt. Schön gestaffelt kommen sie nun zum Zeughaus, erhalten einen Kaffee, greifen in die Biscuitdose und gehen dann zu Reto Sterchi, dem Sohn des Gemeindeschreibers. Dieser fotografiert jede und jeden einzeln vor einer weissen Leinwand. Es entstehen schwarz-weisse Porträtbilder, die später als Poster an der Gewerbeausstellung aufgehängt werden – alle nebeneinander an einer langen Wand, die den Leuten zeigen soll: «Ihr seid die Gemeinde!» Mit der Stechgabel Reto Sterchi bloss als «Sohn des Gemeindeschreibers» zu beschreiben, wäre etwas zu einfach. Denn seine Biografie ist bemerkenswert: Nach der Schulzeit in Signau absolvierte er eine Hochbauzeichnerlehre, später folgten die RS als Panzergrenadier, verschiedene Jobs im Emmental und schliesslich eine Filmschule in Zürich. 2009 siedelte er nach Amerika über, besuchte das Watkins College of Art, Design & Film in Nashville und begann sich immer mehr der Fotografie zu widmen – «weil es der einfachste und beste Weg ist, mich auszudrücken». Schliesslich zog er nach New York und begann ein Praktikum als Fotograf. Derzeit weilt der 26-Jährige in seiner alten Heimat. Noch bis heute Samstag fotografiert er die Signauerinnen und Signauer für die Gewerbeausstellung – Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, von Jung bis Alt, vom Wegmeister bis zum Arzt. Sie sind gekommen, wie sie sind: in den Arbeitskleidern oder mit Alltagsgegenständen. Rentnerin Therese Ellenberger, die gerne im Garten arbeitet, hat eine Stechgabel dabei. Pfarrer Stephan Haldemann den Talar und «Ds Nöie Teschtamänt bärndütsch». Und Walter Wälti, der 43 Jahre lang Schafe gezüchtet hat, posiert mit Tabakpfeife sowie dem Sennechutteli der Schafzuchtgenossenschaft Eggiwil. Möglichst unverkrampft «Sälü Wäutü!» Reto Sterchi kennt viele seiner Signauer Models noch aus seiner Jugendzeit. Oft habe er sich aber wenig Zeit genommen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen; «man grüsste sich einfach und fertig», sagt er. Nun plaudert er mit jeder und jedem zehn Minuten, fragt, wie es der Jungmannschaft gehe oder gibt Auskunft, was man als Fotograf in New York erlebe. Dazwischen betätigt er per Fernbedienung – ziemlich unauffällig – den Auslöser der Kamera. Im gedeckten Anhänger nebenan sitzt Kollege Atila Ulcay. Er kann die Bilder, die Sterchi draussen macht, sogleich auf dem Laptop vergrössern und beispielsweise kontrollieren, ob die Gesichtspartie hundertprozentig scharf ist. In dieser lockeren Atmosphäre sind die fotografierten Signauerinnen und Signauer unverkrampft, die Bilder wirken dadurch nicht gestellt, sondern authentisch. Und Reto Sterchi lernt die Leute in den lockeren Gesprächen von einer neuen Seite kennen. Mit anderen Worten: «Es ist ein schönes Projekt, das allen Beteiligten guttut.» Zurück nach New York Vater Max und Sohn Reto Sterchi arbeiten derzeit noch an einem anderen Projekt: einem Film über die Gemeinde Signau, der später dem Standortmarketing dient. Zu diesem Zweck wurden sieben Signauerinnen und Signauer vor laufender Kamera interviewt. Sie haben erzählt, warum sie in der Gemeinde leben und was sie hier erleben. Im Sommer, spätestens im Herbst wird der Film auf die Homepage der Gemeinde aufgeschaltet. Reto Sterchi wird dann längst wieder in Amerika sein. Bereits nächste Woche fliegt er zurück in seine neue Heimat. Markus Zahno>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch