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Polizei klärt, welches Boot Vortritt hatte

BielerseeDas Unglück auf dem Bielersee, bei dem vorgestern ein 67-jähriger Mann aus Erlach ums Leben gekommen ist, reisst alte Wunden auf. Gerätselt wird, wie es

Nichts deutet im Hafen von Erlach auf das tragische Unglück vom Donnerstag hin. Auf das Unglück, bei dem ein 67-jähriger Mann aus Erlach ums Leben gekommen ist. Der Mann betrieb seit über zwanzig Jahren nebenberuflich eine Bootsfahrschule im Stedtli. Am Donnerstagnachmittag war er zum Fischen auf den See gefahren. Ganz allein. Ob er zum Zeitpunkt der Kollision noch am Fischen war, ist unklar. Wie die Kantonspolizei gestern in einem Communiqué mitteilte, war das grössere der beiden Boote von Biel her kommend Richtung Erlach unterwegs, das kleinere, in welchem sich der 67-Jährige befand, von Erlach nach Neuenstadt. Einige hundert Meter vom Ufer entfernt, ausserhalb der Uferzone, kam es zur Kollision. Der Lenker des grösseren Bootes alarmierte selber die Polizei. Ein Patrouillenboot, das sich in der Nähe befand, war kurze Zeit später am Unfallort. Trotz Wiederbelebungsversuchen verstarb der 67-Jährige (wir berichteten). Das grosse Schweigen Bei den Einheimischen dagegen hat die Information, um wen es sich beim Verstorbenen handelt, rasch die Runde gemacht. Sagen will fast niemand etwas. Nicht zuletzt deshalb, weil der jüngste Unfall für viele ein Déjà-vu ist. Schon vor zehn Monaten, als eine 24-Jährige auf dem Bielersee ums Leben kam, waren die Journalisten nach Erlach gekommen, um Fragen zu stellen. Wie damals haben die Einheimischen kaum Antworten. Umso mehr, als viele den Verstorbenen gekannt haben. «In diesem Boot habe ich vor rund vier Jahren meine Bootsprüfung gemacht», sagt ein Passant, der mit dem Velo zum Hafen unterwegs ist. Der Verstorbene sei eine ruhige Person gewesen. Der Gemeindeschreiber von Erlach, Hans Rudolf Stüdeli, bestätigt: «Er war zurückhaltend, sehr kameradschaftlich und sehr korrekt.» Es sei höchst unwahrscheinlich, dass er etwas falsch gemacht habe. Dass sich auf dem See erneut ein solches Unglück ereignet habe, sei ein Schock. Und lässt die Leute nicht nur in Erlach, sondern rund um den See schweigen. Auch in Neuenstadt, wohin die Seepolizei am Donnerstag die zwei Unglücksboote hinführte, will man nichts sagen. Wer hat was beobachtet? Für die Polizei ist die Frage, wie es genau zum Unfall kommen konnte, ebenfalls noch nicht beantwortet. Für die Ermittlung der Unfallursache stehen zwei Fragen im Vordergrund: Wer hatte Vortritt, und wie weit haben die Schiffsführer ihre Sorgfaltspflicht eingehalten? Deshalb sucht die Polizei Zeugen. Ein Alkoholtest beim unverletzten Fahrer des grösseren Bootes fiel negativ aus. Fraglich ist, wie viele Personen den Unfall tatsächlich beobachtet haben. In den Minuten, als der Unfall passiert ist, um 15.15 Uhr, verliess ein Kursschiff der BSG Erlach, um Fahrt aufzunehmen Richtung Biel. Um 15.25 Uhr erreichte das Schiff Neuenstadt. Als es weiterfuhr Richtung Petersinsel, entdeckte der Schiffsführer zwar die Seepolizei, die bei den zwei Motorbooten stand. Später fuhren weitere Schiffe der BSG an der Unfallstelle vorbei: «Ich habe mit drei Schiffführern gesprochen. Keiner hat etwas Besonderes bemerkt», sagt BSG-Geschäftsführer Thomas Erne. Wie schnell unterwegs?Da nur wenige den Unfall tatsächlich gesehen haben dürften, dominieren Gerüchte. Gemutmasst wird, dass der Fahrer des grösseren Bootes mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein müsse. Ein Experte relativiert: «Eine Beschädigung, wie sie beim betroffenen Boot zu sehen ist, kann es auch nach einem Zusammenstoss mit 30 oder 40 Kilometern pro Stunde geben», so Marcel Perrottet, Abteilungsleiter beim kantonalen Schifffahrtsamt. Wie schnell der Unfallverursacher unterwegs gewesen sei, könnten einzig die Ermittlungen zeigen. me/BT >

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